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01/04/04

Der "Palace on Wheels" in Rajasthan

Der Nobelzug "Palace on Wheels" diente im Original den Herrschern Rajasthans als Transportmittel. Heute startet der "Palast auf Rädern" wieder für Touristen, die es sich leisten können. Die Reise beginnt im Durcheinander der Cantonment Railway Station in Delhi.Von dort befördert der Nobelzug seine Gäste auf Luxusniveau durch die Städte, Steppen und entlang der Wüstendörfer Rajasthans. Sieben Tage lang umsorgen Spitzenköche und Butler den Reisenden, der sich wie ein indischer Adliger fühlen darf. Den Titel „Maharaja“ gibt es seit Ende der vierziger Jahre offiziell nicht mehr, als das Riesenland Indien auf dem Weg zu einer demokratischen Nation das Fürstentum abschaffte.

Seine Reisegäste lässt der "Palace on Wheels" den Traum vom königlichen Luxus und gepflegtem Umsorgtsein noch einmal erleben, während er auf seiner Fahrt durch Rajasthan das bunte und gegensätzliche Indien als Ausblick aus dem Waggonfenster präsentiert. Begleitete Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten bringen den Gästen die reiche Geschichte Rajasthans näher. Die schönsten Paläste, Festungen und die Händlerresidenzen der Gewürzstraße erwarten die Luxustouristen auf der fast zirkelförmigen Route.

Im Winter fährt das Luxushotel auf Schienen jeden Mittwoch um 18.30 Uhr von Delhi nach Udaipur, quer durch den riesigen Bundesstaat des nordwestlichen Rajasthans. Die Stationen sind Jaipur, Jaisalmer, Jodhpur, Pushkar, Udaipur und schließlich Agra.

Jaipur, die "Pink City"
Die erste Station nach einer Nacht auf Schienen ist Jaipur, die "Pink City". 1880 wurden die Fassaden der Altstadt von Jaipur anlässlich des Besuchs des englischen Prinzen einheitlich rosa gestrichen. Die Zeit, in der das Reich der Maharajas orientalischer Außenposten des englischen Empires war, ist jedoch nur ein Teil der langen Geschichte der rajasthanischen Fürstentümer.

In Jaipur wird der "Hawa Mahal", der " Palast der Winde", besucht. Das fünfstöckige Gebäude besteht hauptsächlich aus Fassade. Der Reisende kann sich gut vorstellen, wie sehr dieser orientalische Traum in das englische Kolonialreich gepasst hatte, dessen ganzer Stolz es war, dass in seinem Herrschaftsgebiet die Sonne niemals unterging.

Jaipur ist eines der wichtigsten Zentren der Edelsteinverarbeitung, und wie die anderen rajasthanischen Städte eine vom indischen Geschäftssinn geprägte, lebendige Stadt.


Durch die Wüste zur "Goldenen Stadt"
Der Zug verlässt die Stadt durch die Halbwüste Indiens, die "Great Indian Desert". Der nächste Halt ist am dritten Tag Jaisalmer, die "Goldene Stadt“. Jaisalmer liegt unweit der Grenze zu Pakistan an der Gewürzstraße. Die Karawanen aus Zentralasien machten hier früher Zwischenstation. Vor vierhundert Jahren war Jaisalmer ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und eine reiche Handelsstadt. Viel älter noch ist die Hauptattraktion dieser Maharajastadt: Der Gadi Sagar ist ein künstlicher See, der 1367 von Maharaja Singh angelegt wurde. Im Stadtkern finden sich die alten Residenzen der reichen Händler aus der Karawanenzeit. Wahrzeichen der Stadt ist das zum Schutz vor afghanischen Eroberern gebaute Jaisalmer Fort. Auf den Palastmauern finden sich noch Handabdrücke der adeligen Frauen, die sich nach der Niederlage ihrer Männer gegen die Eroberer selbst verbrannten.

Jodhpur, die "Blaue Stadt"
Die Route des Zuges hat ihre eigene Dramaturgie. Am Morgen des vierten Tages fährt der Zug in Richtung der Stadt Jodhpur einem überwältigenden Panorama entgegen.

Hundertzwanzig Meter über der Stadt ist auf einem riesigen Felsplateau das Mehrangahr- Fort gebaut.

Bis zu sechsunddreißig Metern Höhe misst sein Mauerring. Das prachtvoll verzierte Fort mit seinen Palästen und der verwinkelten Architektur ist der einstige Sitz der Maharajas von Jodhpur.

Jodhpur wird auch "die blaue Stadt" genannt. Die Farbe Blau soll vor Dämonen schützen. Es ist die Farbe der Brahmanen, der Priesterkaste Indiens.
Die Rajputherrscher stammten ursprünglich aus dem Norden. In ihrem Selbstverständnis präsentierten sie sich als Angehörige der Ksatrias, der Kaste der Krieger.

Pilger am Lake Pushkar
Pushkar wurde der Legende zufolge vom Schöpfer Brahma selbst erschaffen, und jeder Hindu sollte einmal im Leben ein rituelles Bad im Lake Pushkar nehmen. Diese heiligste Stadt Rajasthans ist ein Ort voll wunderbarer Mythen.

Die Gründungslegende erzählt von Brahma, der einen Opferplatz suchte. Zu diesem Zweck warf er einen blauen Lotus vom Himmel. Der Lotus fiel, und aus ihm entstand ein riesiger kristallklarer See: Lake Pushkar.

Selbst ein ehelicher Zwist wird in Indien zum Mythos: Brahma wollte nun so schnell wie möglich sein erstes Opfer in Pushkar bringen, und eilte ohne Rücksicht auf seine Frau Saviti los. Diese stand noch vor dem Spiegel, um sich zurechtzumachen. Erbost prophezeite sie ihm, dass für ihn nur ein Tempel gebaut würde. In Indien, dem Land der gelebten Mythen, gibt es bis heute nur in Pushkar einen Brahma-Tempel.
Zu Zeiten des Pilgerfestes im November nehmen Tausende Pilger ihr rituelles Bad an den Ghatts, den Treppen zum heiligen See.

Am fünften Tag der Reise hat der Zug seinen Halt in Sawai Madhopur. Diese Stadt grenzt an den Ranthambhor National Park. Der auf dem indischen Subkontinent in seinem Lebensraum stark zurückgedrängte Tiger findet hier einen seiner letzten Lebensräume.

Eine weitere Station an diesem Tag ist Chittaugarh.


Udaipur und Agra
Udaipur, das "Venedig des Nordens", gehört zu den schönsten Städten Indiens. Der Ort zeigt vor einer Bergkulisse seine ganze Pracht an Seen, Gärten und Palästen. Die Stadt blickt zurück auf eine Geschichte als Hauptstadt des Rajputenstaats Mewar. Bekanntestes und imposantestes Bauwerk ist der Palast Jag Niwas, der sich aus der Mitte des Sees Pichhola erhebt.

Der aus weissem Marmor gebaute Jag Niwas wurde 1743 gebaut. Heute heisst er Lake Palace und ist das berühmteste Luxushotel Indiens. Gegenüber dem Lake Palace befindet sich der City Palace, der größte Palastkomplex Rajasthans.

Am siebtenTag kreuzt der Zug das Vogelreservat "Keoladeo Ghana National Park". Angehalten wird am Bahnhof der Stadt Barathpur. Nachmittags werden die letzten Kilometer zum Endpunkt der Strecke abgelegt. Die Reise ist zyklisch, der Zug hat eine kreisförmige Route zurückgelegt und bewegt sich wieder auf Delhi zu. Der "Palast auf Rädern" beendet seine Tour in Agra, dem Ort des legendären Taj Mahal. Am siebten Tag besichtigen die Reisenden das siebte Weltwunder. Mit der Besichtigung des vom Mogul Shah Jahan für die Königin Muntaz Mahal erbauten Palastes findet die Reise in Agra ihr Ende.


Reisetipps: Eine Nacht im fahrenden Luxushotel "Palace on Wheels"kostet ca. 350 Euro. Günstigste Reisezeit ist wegen der vielen interessanten Feierlichkeiten der Spätherbst.

Man kann die Fahrt als Pauschalreise buchen, auch von europäischen Reisebüros aus. Für diejenigen, die sich den „Palace on wheels“ nicht leisten können, ist der normale Expresszugverkehr eine gute und preiswerte Alternative. Besonders zu empfehlen ist der Shatabdi-Express von Delhi über Jaipur nach Ajmer. Die Fahrt dauert fünf Stunden und kostet inclusive Platzreservierung und Mittagessen ca. 11 Euro.

Den Flug nach Delhi sollte man zeitig buchen. Frühbucher zahlen weniger, und oft sind die Flüge ausgebucht. Vom Flughafen nimmt man am Besten ein Taxi zur Cantonment Railway Station.

Der "Palace on Wheels"

Der "Palace on Wheels" hat eine eigene Homepage, auf der auch direkt gebucht werden kann:
Palace on Wheels


Das indische Fremdenverkehrsamt kann über seine Homepage kontaktiert werden:
Indisches Fremdenverkehrsamt


Allgemeine Informationen über das Reisen mit der indischen Eisenbahn bietet die Homepage des Reiseveranstalters High-fly. Diese Seite kommt aus Deutschland und bietet weitere interessante Links und Reiseinformationen:
High Fly Indianrail

Die indische Variante des deutschen Interrail-Passes heisst Indrail. Eine Homepage mit den Geschäftsbedingungen und Modalitäten in deutscher Sprache findet sich unter:
Indrail

Erstellt: 02-05-08
Letzte Änderung: 01-04-04