Spielfilm, Frankreich / Belgien / Italien 1994, Synchronfassung, 103 Min.
Regie: Michael Radford
Buch: Anna Pavignano, Michael Radford, Furio Scarpelli, Giacomo Scarpelli, Massimo Troisi
Kamera: Franco di Giacomo
Schnitt: Roberto Perpignani
Musik: Luis Enríquez Bacalov
Produzent: Mario Cecchi Gori, Vittorio Cecchi Gori, Alberto Passone
Produktion: Esterno Mediterraneo Film, Cecchi Gori Group Tiger Cinematografica, Penta Film, Blue Dahlia Prod.
Mit: Massimo Troisi - (Mario Ruoppolo), Philippe Noiret - (Pablo Neruda), Maria Grazia Cucinotta - (Beatrice Russo), Linda Moretti - (Donna Rosa), Renato Scarpa - (Postbeamter), Anna Bonaiuto - (Matilde), Mariano Rigillo - (Di Cosimo)
ARTE/ZDF
Eines Tages wird für den Briefträger Mario alles anders. Auf der kleinen aeolischen Insel Salina trifft der chilenische Dichter Pablo Neruda ein, und Mario soll dem berühmten Mann von nun an die Post bringen. Dass Neruda ins politische Exil gegangen ist und die Gründe für diesen Schritt erfährt Mario erstmals im Kino durch die Wochenschau. Mit großer Inbrunst, aber wenig Erfolg, versucht sein Chef bei der örtlichen Poststelle, Mario von Nerudas Stellenwert als Kommunist zu überzeugen. Aber die Anerkennung, die der Dichter der Liebe bei den Frauen genießt, beeindruckt Mario weitaus stärker. Die zarte Freundschaft, die sich zwischen dem naiven Postboten und dem weltläufigen Poeten entspinnt, soll Mario beim Werben um die von ihm vergötterte Beatrice helfen. Nach anfänglicher Zurückhaltung lässt er sich von dem berühmten Dichter in die Geheimnisse von Poesie und Metapher einweisen, um das Erlernte bei der Angebeteten zum Einsatz zu bringen. Beatrices Tante merkt sehr schnell, welch reale Gefährdung mit dem unschuldigen wie poetischen Tollpatsch Mario auf ihre Nichte zukommt. Auch ohne Nerudas Nachhilfe ist ihr klar, welche Wirkung Metaphern haben müssen. Und tatsächlich bricht bei der umworbenen Beatrice die Liebe aus. Neruda darf sogar den Trauzeugen spielen. Doch plötzlich schleicht sich die große Politik in die kleine Liebesgeschichte auf der Insel. Neruda darf nach Chile zurückkehren, und schon bald scheint die Freundschaft mit seinem Briefträger in Vergessenheit zu geraten. Nur aus den Zeitungen erfahren die Inselbewohner von Nerudas Entwicklung, seinem Eintreten für die Mittellosen in Chile. Statt eigener Gedichte schickt Mario seinem Lehrmeister ein Stück ursprünglicher Inselpoesie nach Chile: Meeresrauschen, Windspiele und Glockengeläut per Tonband. Doch Nerudas Reaktion kommt zu spät. Bei seiner Rückkehr nach Salina begegnet er nur noch Beatrice und Marios Sohn.Das Drehbuch entstand nach der Erzählung "Ardiente Paciencia" von Antonio Skármeta.
Die Schönheit dieses Films liegt in seiner Stille. "Der Postmann" ist eine filmische Meditation über Schicksal, Takt und Poesie in Form einer einfachen, mit leiser Komik und viel Unschuld vorgetragenen Liebesgeschichte. Ein Kind gebliebener Mann entdeckt urplötzlich seine große Liebe zu einer hinreißenden Frau, und die Macht der Poesie verleiht ihm Flügel. Regisseur Michael Radford, in Indien geborener Brite, hatte mit "1984" und "White Mischief" zwar auch zuvor schon interessante Filme gedreht, keiner jedoch erreichte diese italienischsprachige Produktion, die neben vielen weiteren Preisen 1996 den Oscar für die beste Musik erhielt und in vier weiteren Kategorien nominiert wurde.
Für seinen melancholisch-romantischen Film über den Postboten Mario und seinen Kunden Pablo Neruda hat Regisseur Michael Radford in der kleinen italienischen Insel Salina den idealen Drehort gefunden. Mit Massimo Troisi als Briefträger und Philippe Noiret als Neruda weist er auch zwei Darsteller auf, die die gefährliche Gratwanderung zwischen Gefühl und Kitsch ebenso mühelos wie überzeugend bewältigen. Mehr noch als dem Franzosen Noiret den chilenischen Schriftsteller nimmt man Massimo Troisi, der auch am Drehbuch mitgearbeit hat, den schüchternen jungen Schwärmer ab, der seine Beatrice mit gefühlvollen Gedichten erobern will. Die Dreharbeiten zu "Il Postino" wurden überschattet durch die schwere Herzkrankheit des Hauptdarstellers Massimo Troisi. Troisi starb einen Tag nach der Fertigstellung des Films im Alter von 41 Jahren.
"Mit leiser Komik und die Unschuld seines Helden stilistisch spiegelnd, zeichnet der Film einfühlsam das Bild einer Männerfreundschaft abseits der Klischees. Politische Anklänge bleiben in der melancholischen Grundstimmung jedoch vage", schreibt das "Lexikon des Internationalen Films".






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