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Montag, den 14. Januar 2008 um 21.00 Uhr - 09/01/08

Der Spielfilm

Die Farbe der Lüge (Au coeur du mensonge) von Claude Chabrol


In einem kleinen bretonischen Fischerdorf wird ein zehnjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet - ein Verbrechen, das sich wie ein dunkler Schatten über das idyllische Städtchen legt. Die abgebrühte Kommissarin Frédérique Lesage verdächtigt den Zeichenlehrer René, der seine Schülerin zuletzt lebend sah. Der seit Jahren erfolglose Künstler lebt zusammen mit seiner Frau Viviane, einer Krankenschwester, am Rande des Ortes. Die Verdächtigungen zerstören den guten Ruf des Malers, der bald all seine Schüler verliert. Nach Kräften versucht Viviane, ihren Mann gegen die Gerüchte in Schutz zu nehmen, an deren Verbreitung der zynische Pariser TV-Journalist und Beststeller-Autor Desmot nicht ganz unschuldig ist. Während der Arbeit an seinem neuen Roman versucht der im Dorf beliebte Journalist, Viviane zu verführen. In seinem neuen Werk spekuliert er insgeheim bereits über die Motive Renés, den er als Kindermörder vorverurteilt. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Viviane und René kehrt Desmot stark alkoholisiert in seine Villa zurück. Als er am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, gerät René erneut ins Fadenkreuz der Ermittlungen.

Mit "Die Farbe der Lüge" knüpft Altmeister Claude Chabrol, geboren 1930, an seine psychologischen Kriminalfilme an. Einmal mehr blickt der französische Meisterregisseur unter den Deckmantel gepflegter Bürgerlichkeit und stößt in eine Welt menschlicher Grausamkeit, Kälte und Verlogenheit vor, die hinter der Fassade von Normalität und Moral lauert. Sein 51. Film ist ein Psychokrimi voller doppelbödiger Dialoge und anspielungsreicher Bild- und Kunstzitate, der durch seine unterkühlte Inszenierung und seine subtile Spannung überzeugt. Immer wieder führt Chabrol den Zuschauer bei der Analyse allgegenwärtiger Lügen geschickt auf falsche Fährten, etabliert eine Atmosphäre des Zweifels und der Unsicherheiten und schafft so eine scharfsinnige, filmische Reflexion über die "Wahrheit". "Wir alle leben mit der Lüge. Die Welt ist nun einmal so. Ich zum Beispiel lüge permanent", gesteht Claude Chabrol selbst. Der aus Paris stammende Regisseur gehört mit François Truffaut und Jean-Luc Godard zu den Begründern der "Nouvelle Vague" - einer Stilrichtung, die im französischen Kino der späten 50er Jahre entstand und sich gegen den vorhersehbaren Erzählfluss des kommerziellen Kinos wandte. Der Filmemacher studierte zunächst Literaturwissenschaften, Rechtswissenschaft und Pharmazie, bevor er sich als Kritiker der legendären "Cahiers du Cinéma" einen Namen machte. Sein Spielfilm "Schrei, wenn Du kannst" (1958) war der erste große Kinoerfolg der Nouvelle Vague.

Besonders die späten 60er Jahre waren Chabrols Goldene Ära. Mit Klassikern wie "Die untreue Frau" (1968), "Das Biest muss sterben" (1969), "Der Schlachter" (1970) und "Der Riss" (1970) ergründete er seine bevorzugten Themen - Obsession und Abhängigkeit, Bourgeoisie und Bigotterie, Mord und Rache. Durch die intellektuelle Schärfe und den erzählerischen Realismus, mit denen Chabrol seine Stoffe behandelte, schuf er unter dem Gewand des Thrillers ein eigenes Subgenre des Gesellschaftskrimis. Sein vielschichtig inszenierter Psychokrimi "Die Farbe der Lüge" wurde 1999 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin für den Goldenen Bären nominiert. Der Film wird im Rahmen des Zyklus "Europäische Regisseure" ausgestrahlt, denen ARTE den Monat Oktober widmet.

Erstellt: 09-01-08
Letzte Änderung: 09-01-08