- Synopsis
Der Ozeanograf Steve Zissou ist bekannt als Exzentriker und Regisseur phantastischer Dokumentarfilme. Doch Steve hat schon bessere Zeiten gesehen. Sein langjähriger Partner, Esteban, wurde von einem Jaguar-Hai getötet, es geht das Gerücht um, mit ihm gehe es beruflich bergab und zu allem Überfluss taucht auch noch der Flieger Ned Plimpton auf und behauptet, sein unehelicher Sohn zu sein. Da beschließt Steve Zissou, alles auf eine Karte zu setzen, den großen Jaguar-Hai ausfindig zu machen und Rache zu üben…..
- Der Kommentar zum Film
Mit seinen drei vorangegangenen Spielfilmen hat der Amerikaner Wes Anderson sich einen Ruf als Regisseur schräger Filme erworben, die jedoch weit mehr als nur komisch sind. „Rushmore“ und “The Royal Tenenbaums“ haben inzwischen Kultstatus. Anfangs wirken Andersons Filme verstörend, doch dann lassen sie einen nicht mehr los. Gut ausgearbeitete Plots, unzählige Feinheiten und Details in der Komposition der Einstellungen, im Tonfall der Schauspieler, offenbaren selbst beim wiederholten Ansehen immer neue Aspekte von Wes Andersons Welt: viel tiefgründiger als zunächst erwartet, illusionslos und doch voller Zärtlichkeit. All dies gilt ausnahmslos auch für „Die Tiefseetaucher“.
Kapitän Steve Zissou hat mit mehreren Problemen zu kämpfen: der Verlust seines langjährigen Partners und besten Freundes, eine schmerzliche Ehekrise, das plötzliche Auftauchen seines vermeintlichen Sohnes Ned, die Gerüchte um seinen beruflichen Abstieg und das fehlende Geld für seine neue Expedition. Bill Murray spielt den Zissou mit dem Ausdruck chronischer Verzweiflung und abgrundtiefer Erschöpfung, was seine emotionalen Szenen so rührend und seine Action-Szenen ungewollt gefährlich wirken lässt. Murray selbst findet es bedauerlich, dass sein enttäuscht-melancholisches Gesicht, oft ohne sein Dazutun, Menschen zum Lachen bringt. Doch es ist dieses Gesicht, kombiniert mit routiniertem Improvisieren, einem unfehlbaren Sinn für das richtige Timing. Situationskomik und Slapstick, die Bill Murray sich in den glorreichen Jahren der „Saturday Night Show“ angeeignet hat, das ihn einzigartig und wie geschaffen macht für die facettenreichen Rollen, die Wes Anderson ihm anzubieten hat. Alle anderen Rollen des Films kreisen um Zissou herum und sind ebenfalls perfekt besetzt: Owen Wilson verkörpert den höflichen, sensiblen aus dem Mississippi stammenden Piloten Ned, Zissous unehelichen Sohn, den er bisher noch nie gesehen hat, Bud Cort wirkt als Versicherungsvertreter genau so abgehoben wie in „Harold und Maude“ und Willem Dafoe spielt den treuen, eifersüchtigen Freund. Das Doppel Anjelica Huston und Cate Blanchett verkörpert in seinen Gegensätzen das absolut Weibliche, den Gegenpol zur „rauhen See“
Den Schwierigkeiten von Zissou und seinen ständigen Misserfolgen setzt das Drehbuch schrägen Humor und beängstigend starre Einstellungen entgegen. Die etwas fremde Schönheit des Dekors in Verbindung mit den Kostümen (rote Strickmützen und blauer Polyester-Overall) siedeln den Film irgendwo zwischen Technicolor-Traumland und naivem Comic an. Mit seinem ausgeprägten Hang zum Detail wird Wes Anderson als einer der ersten Regisseure, der den „Humor des Dekors“ zum Einsatz brachte, in die Filmgeschichte eingehen! Die von Henry Selick erdachten fantasievollen Meeresbewohner, vom monströsen (elektrischen) Jaguar-Hai, über regenbogenfarbene Seepferdchen, trägt zum fantastischen Charakter des Films bei. Ein weiteres, nicht unwichtiges Element aus der „wundersamen Welt“ des Wes Anderson, ist die Musik. Sie ist mehr als nur Hintergrund. Seu Jorge, eines der Mitglieder im « Team Zissou », trägt sie in den Film hinein. Wo immer er ist, auf der Brücke oder auf dem Leuchtturm, singt er David Bowie auf Portugiesisch. Und wenn die nicht gerade sehr gesprächigen Filmhelden wieder einmal schweigen, wenn ihnen ein Übermaß an Emotionen die Sprache verschlägt, übernimmt die Musik das Ruder und treibt, gefolgt von der Kamera, die Geschichte voran. Die Sprache verstummt, das Leben besetzt die Leinwand: mächtig, unkontrollierbar, magisch anziehend.
Delphine Valloire
- Das Bonusmaterial
Was macht die Filme von Wes Anderson so einzigartig? Sein spezieller Humor, der sich davor scheut, seinen Figuren allzu laute Pointen anzudichten? Der Schnitt, der Szenen immer da beendet, wo bei amerikanischen Mainstream-Komödien die Schenkelklopfer-Pointe folgt? Sein Faible für das Skurrile, Eigenbrötlerische seiner Charaktere, das sie zu liebenswerten Außenseitern werden lässt, die aber nie lange alleine bleiben, weil sie sich mit Ihresgleichen zusammentun? Seine große Liebe zum Detail – ob es die Kostüme, das Szenenbild, die Auswahl seiner Musik oder die Zusammenarbeit mit den großen Charakterdarstellern des amerikanischen Kinos ist?
Anhand des Bonusmaterials von „Die Tiefseetaucher“ lässt sich eine ganze Menge lernen über den strebsamen, aber nicht streberhaften Film-Maniac, der für seine Filme lebt und kämpft wie kaum ein anderer Regisseur. Das hat Wes Anderson mittlerweile die uneingeschränkte Herrschaft über den Final Cut eingebracht – keiner darf ihm mehr reinreden in seine skurrilen Geschichten, deren Wendungen und überbordender Ideenreichtum die meisten Hollywood-Produzenten in den Wahnsinn treiben dürfte. Im Audiokommentar jedenfalls lässt sich nachvollziehen, wie impulsiv und instinktiv Anderson und sein Co-Autor Noah Baumbach beim Schreiben zu Werke gingen. Autobiographisch ist an „The Life Aquatic“ vor allem, wie Protagonist Steve Zissou für seine Visionen und Projekte kämpfen muss und nur mit großem Teamgeist an sein Ziel gelangt. Wie intensiv und gleichzeitig locker Anderson am Set zu Werke geht, lässt sich auch anhand der Mini-Dokumentation „Stars am Set“ nachvollziehen. Weiterer Bonus-Track, der Wes-Anderson-Fanherzen höher schlagen lassen dürfte – herausgeschnittene Szenen, die zeigen, dass Anderson noch mehr Absonderliches aus dem Leben von Steve Zissou zu erzählen hatte.
Martin Rosefeldt
Der Tiefseetaucher
Regie: Wes Anderson
Darsteller: Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett, Anjelica Huston, Willem Dafoe u.a.
USA, 2004, 114’
Buena Vista Home Entertainment
- Technische Angaben
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, italienisch, Spanisch, Türkisch, Griechisch, Arabisch
Extras: Audiokommentar mit Regisseur Wes Anderson und Co-Autor Noah Baumbach, Stars am Set, Herausgeschnittene Szenen






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Der Ozeanograf Steve Zissou will den Jaguar-Hai ausfindig machen, der seinen besten Freund getötet hat. Im Verlauf der Reise lernt er seinen unehelichen Sohn kennen und meistert die größte Krise seines Lebens.
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