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Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

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WEBMAGAZIN - 04/05/09

Der Tscheche und sein Bier

Die letzten Wochen waren für jemanden, der stolz darauf ist Tscheche zu sein, wirklich nicht einfach: Auch hierzulande beginnt man die Wirtschaftskrise zu spüren; das Land besitzt zur Zeit keine wirklich handlungsfähige Regierung; und die ganze Europäische Union lacht über eine politische Klasse, welche nicht im Stande war, ihre persönlichen Interessen dem Allgemeinwohl unterzuordnen. Doch mitten in diese Depression fällt nun ausgerechnet ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Dieser hat nämlich beschlossen, dass die Biermarke „Budweiser“ definitiv tschechisch und nicht amerikanisch ist. Auf der anderen Seite des großen Teichs haben es die Bierliebhaber schon lange besser gewusst...


Unser kanadischer Spezialist ist begeistert: „ein fantastisches Bier“, „eine schöne, goldene Farbe“, „herb und vollmundig...“ Und trotzdem: „Eine amerikanische Firma hat den Namen dieses einzigartigen tschechischen Biers gestohlen.“ Was ist eigentlich wirklich passiert? Am Anfang des 19. Jahrhunderts hat ein österreichisch-ungarischer Unternehmer in der südböhmischen Stadt České Budějovice ein Brauhaus gegründet. Sein Bier wurde schnell zu einem Symbol der Stadt und der Begeisterung der Tschechen für dieses Getränk im Allgemeinen. Um 1850 kam allerdings ein amerikanischer Braumeister aus Saint-Louis nach Europa um hier ein Bier zu finden, welches für seine Landsleute nach dem „alten Kontinent“ klingt. Er glaubte in České Budějovice fündig geworden zu sein, ließ sich seine Marke „Budweiser“ in den USA patentieren und verkaufte sie an den Lebensmittelkonzern Anheuser-Busch.

Der erste Rechtsstreit fand bereits Ende des 19. Jahrhunderts statt und der Konflikt zog sich über hundert Jahre hin. Doch Anfang April 2009 hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entschieden, dass die kleine tschechische Brauerei aus Südböhmen von nun an die einzige ist, welche innerhalb der Europäischen Union ihr Gebräu als „Budweiser“ verkaufen darf.

Ein Urteil, welches im Fernsehen als „endgültiger Sieg“ eines ganzen Volkes gefeiert wurde. Dies ist natürlich nicht erstaunlich in einem Land, in dem alle mit Hopfen und Malz groß werden und wo allein in den letzten zehn Jahren mehrere hundert Bücher zu dem Thema geschrieben wurden. So sind die Tschechen mit mehr als 160 getrunkenen Litern pro Jahr (und das ist nur ein Durchschnitt!) auch unangefochtene Weltmeister auf dem Gebiet, weit vor anderen traditionell Bier liebenden Völkern wie den Deutschen und den Irländern.

Doch was den Tschechen an diesem Urteil wohl am besten gefällt, ist der Sieg des David Budvar gegen den Goliath Anheuser-Busch, dem größten Bierhersteller der Welt. Die kleiner böhmische Brauerei reiht sich somit in das Pantheon all jener Helden ein, welche gegen die Großen dieser Welt gekämpft haben: Jan Hus, Alexander Dubček, Budvar...


Alexander Knetig
In Zusammenarbeit mit

Erstellt: 11-04-09
Letzte Änderung: 04-05-09


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