30/04/07
Der Vorfahr
Jost Liebmann (1640 - 1702) war einer meiner frühen Vorfahren. Im 17. Jahrhundert war das Leben für die Juden in Deutschland hart und voller Gefahren. Sie orientierten sich immer noch nach innen, und von außen begegnete man ihnen mit Haß und Verachtung. Jost fing als armer Hausierer an, der mit Tand und billigen Perlen handelte. Am Ende seiner Tage hatte er sich zum Hofjuwelier des brandenburgischen Adels emporgearbeitet und war einer der reichsten Männer in Berlin. Anfangs hatte er weder irdischen Besitz noch die elementarsten Rechte. Er war aber wild entschlossen, es in einer feindseligen Welt zu etwas zu bringen. Er war klug, ehrgeizig und energiegeladen, diente seinem Herrn beflissen und hatte ein untrügliches Gespür für die Gefahren, die ihm als Jude drohten. Seinen Charme setzte er ganz gezielt ein, er konnte aber auch rücksichtslos und hinterhältig sein.
Er sah sich stets als gläubigen Juden - Identitätskrisen waren nichts für ihn. Einerseits war er gierig auf Reichtum und hatte als Hofjuwelier größten materiellen Erfolg, andererseits legte er auch Wert auf seine gesellschaftliche Rolle als führende Figur der kleinen Berliner jüdischen Gemeinde.
Jost Liebmann ist typisch für das jüdische Leben in Deutschland in diesen frühen Jahren. Wie die meisten fing er klein an, doch als er später eine Sonderstellung innehatte, half er das Fundament legen, auf dem die nachfolgenden Generationen aufbauen sollten. Er ist also einer der Gründerväter des neuzeitlichen deutschen Judentums.
Erstellt: 01-03-07
Letzte Änderung: 30-04-07