
Von Anthony Minghella
(USA, 1997, 2h40)
Mit Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Willem Dafoe
Allmählich kommt das Gedächtnis des Patienten wieder und bruchstückhaft beginnt er, sich an die Zeit vor seinem Unfall zu erinnern, als er eine Wüstenexpedition in der Sahara leitete und seine große Liebe Katherine kennen lernte. Doch wer war der „englische Patient“ wirklich und ist er tatsächlich der Verräter, den Caravaggio wiederzuerkennen glaubt?
"Italien, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges: Auf der kanadischen Lazarettschwester Hana scheint ein mysteriöser Fluch zu liegen - jeder, der der zierlichen jungen Frau nahe steht, stirbt binnen kürzester Zeit. So wird ihr Verlobter, Captain der 3. kanadischen Füsiliere, auf dem Schlachtfeld tödlich verwundet; ihre Kollegin und Freundin Mary stirbt kurze Zeit später, als ihr Jeep auf eine Mine fährt. Darum ist es Hana recht, als sie den von ihr begleiteten Lazarett-Konvoi nach Florenz verlässt, um sich um einen nicht transportfähigen Patienten zu kümmern. Der englische Patient, wie er genannt wird, ist durch schwere Brandwunden entstellt und hat sein Gedächtnis verloren. Hana richtet sich mit ihm in einem verlassenen Bergkloster ein, in das sich bald Caravaggio, ein von Hanas besorgter Freundin gesandter Herumtreiber, und der indische Leutnant Kip Singh verirren, der in Diensten der britischen Armee Bomben und Minen in der Umgebung entschärft. Durch Morphiumspritzen von seinen Schmerzen befreit, beginnt Der englische Patient bald seine Identität zu lüften, da er durch einzelne Seiten eines von ihm mit persönlichen Anmerkungen und Zeichnungen gespickten Herodot-Buchs Einzelheiten seiner Erinnerung zurückgewinnt, und den dreien seine Lebensgeschichte anzuvertrauen.
Der unbekannte Patient ist der ungarische Graf László Almásy. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er für die Royal Geographic Society in Ägypten tätig. Zusammen mit seinem Freund, Madox, leitete er eine Expedition und entdeckte in der Nähe von Gilf Kebir die Höhle der Schwimmer, eine Felsbildhöhle, die Zeichnungen von Menschen zeigt, die zu schwimmen scheinen. Die Freude über den sensationellen Fund wird durch das Eintreffen von zwei neuen Expeditionsteilnehmern getrübt. Das englische Ehepaar Katharine und Goeffrey Clifton ist von der Royal Geographic Society nach Ägypten beordert worden, um die Expedition zu unterstützen. Später stellt sich jedoch heraus, dass Goeffrey Clifton den geheimen Auftrag erhalten hat, als ausgebildeter Pilot und Fotograf das Territorium Westägyptens für das britische Militär zu erschließen. Der Einzelgänger Almásy begegnet der schönen Katharine distanziert und versucht zu verhindern, dass sie als einzige Frau im Expeditionslager verweilt, während ihr Ehemann Geoffrey nach Kairo aufbricht, um angebliche Porträtfotos eines britischen Diplomaten und seiner Familie anzufertigen. Während die Expedition von einem Wüstensturm überrascht wird, kommen sich Katharine und Almásy langsam näher. Als die Expedition nach Kairo zurückkehrt, beginnen beide eine leidenschaftliche Liebesaffäre. Goeffrey erfährt jedoch von dem Seitensprung seiner Ehefrau, als er sie zum einjährigen Jubiläum ihrer Hochzeit überraschen möchte. Vor dem Hotel wird er Zeuge, wie Katharine in ein fremdes Taxi steigt und erst am nächsten Morgen zurückkehrt. Als ihr Ehemann sie am nächsten Tag darauf anspricht, was sie am Abend gemacht hätte, gibt Katharine vor, das Hotel nicht verlassen zu haben." (Quelle: Filmlexikon)
Zusatzinformation: Das Liebesdrama "Der englische Patient" basiert auf dem gleichnamigen Roman des kanadischen Autors Michael Ondaatje. Der Film gewann bei der Oscarverleihung 1997 neun Academy Awards, unter anderem für den Besten Film und die Beste Regie. In Großbritannien hob man hervor, dass Minghella dem britischen Film auch in den USA zu Ruhm verholfen hatte. "Er machte wunderschöne Filme, er wird damit ein riesiges Erbe hinterlassen", sagte BBC-Produzent Alan Yentob. Minghellas Romanverfilmung "Der talentierte Mr. Ripley" (1999) mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow und Jude Law wurde fünf Mal für einen Oscar nominiert, einen Preis räumte er jedoch nicht ab. Für "Cold Mountain" (2003) erfüllten sich die Oscarhoffnungen ebenfalls nicht, trotz sieben Nominierungen, nur für Renée Zellweger als beste Nebendarstellerin. Kurz vor seinem Tod sollte Minghella als Produzent an dem Film "Der Vorleser" mitwirken. Zuletzt war er auch an einem Projekt beteiligt, das deutsche Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" in englischer Sprache zu verfilmen.







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