New York 1956. Manny Balestrero (Henry Fonda) ist Musiker im „Stork Club“, dem angesagten Club der Stadt. Er ist ein braver Familienvater, der stets sofort nach verrichteter Arbeit nach Hause fährt. Eines Tages wird er verhaftet, weil mehrere Zeugenaussagen gegen ihn vorliegen. Angeblich soll er Geschäfte überfallen haben. Balestrero beteuert seine Unschuld, doch keiner glaubt ihm. Bis eines Tages ein weiterer Überfall geschieht, bei dem der Täter auf frischer Tat verhaftet wird. Er sieht Balestrero verblüffend ähnlich…
Die Kritik zum Film
DER FALSCHE MANN ist vielleicht Hitchcocks untypischster Film. Hier verzichtet der Meister des Suspense auf fast alle Kunstgriffe, die zum Markenzeichen für seine Thriller geworden sind. Er bewegt sich nah am Dokumentarfilm, und ist gleichzeitig in einigen Szenen emotional wie selten. Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte tatsächlich passiert ist und eine Reportage in „Life“ den Filmemacher darauf aufmerksam gemacht hat. Andererseits trägt Henry Fonda dazu bei, dass der Film eine Emotionalität bekommt, die sonst kaum in Hitchcockfilmen zu finden ist.
Beeinflusst vom realistischen Stil europäischer Filme wie Rossellini oder Werken der grade aufkommenden „Nouvelle Vague“ setzt Hitchcock ebenfalls auf Realismus. Doch im nach hinein überlegte er sogar, ob es nicht besser gewesen wäre, einen richtigen Dokumentarfilm zu drehen. Finanziell gesehen war DER FALSCHE MANN nicht besonders erfolgreich.
Zwei Dinge scheinen Hitchcock ganz besonders an diesem „Fall“ fasziniert zu haben. Das Motiv der falschen Identität, und das der Schuldübertragung, die in vielen seiner Filme ebenfalls auftauchen. Manny Balestrero ist ein Durchschnittsmensch, der machtlos in Situationen gerät, die er nicht provoziert, sondern die ihm einfach passieren - ein weiteres geradezu typisches Hitchcockthema.
Mit DER FALSCHE MANN ist ihm ein bis zum Ende spannender Film gelungen, der vor allem durch das hervorragende Spiel Henry Fondas berührt. Er verkörpert völlig glaubhaft den zuverlässigen Familienvater, dessen Leben aus allen Fugen gerät. Dass dabei seine Frau Rose (Vera Miles) wahnsinnig wird, wollte Hitchcock gar nicht so gerne inszenieren, aber das Leben schrieb ja nun mal diese Geschichte. Er hatte Angst, dies würde zu sehr von Mannys Tragödie ablenken. Am Ende steht auf Wunsch der Produzenten ein Happy End – Rose verlässt geheilt die Nervenheilanstalt. Im wirklichen Leben war Manny leider nicht so viel Glück vergönnt, denn seine Rose blieb krank.
Das Bonusmaterial
Obwohl die Bonus Tracks dieser DVD nur zwei unterschiedliche Angebote macht, ist sie dennoch gelungen. Der nicht untertitelte Original Trailer beginnt mit dem Auftritt Hitchcocks, der auch zu Beginn des Filmes zu sehen ist. Hier erklärt er, dass dieses Drama tatsächlich passiert ist. Seine Off-Stimme über Filmausschnitten fasst daraufhin den Inhalt des Films kurz zusammen, selbstverständlich ohne das Ende zu verraten.
Das 20-minütige Feature GUILT TRIP: HITCHCOCK AND THE WRONG MAN von Laurent Bouzerau (Buch, Regie und Produktion) gibt einen sehr guten Einblick in die Arbeitsweise Hitchcocks. Zu Beginn erzählt der Filmemacher Peter Bogdanovich eine Anekdote aus dem Leben des 5-jährigen Alfred. Sein Vater schickte ihn mit einem Zettel zu dem mit ihm befreundeten Polizeichef. Auf dem Zettel stand, dass dieser seinen Sohn für fünf Minuten einsperren soll. Auch fünf Minuten können verdammt lang sein, vor allem wenn man klein und ist und große Angst hat. Diese Lektion hat wohl dazu geführt, dass Hitchcock seine Angst vor Polizei und Gefängnis in vielen seiner Filme thematisiert, ganz besonders natürlich in DER FALSCHE MANN, in dem ein unschuldiger Familienvater verdächtigt und verhaftet wird.
Dank der guten Recherche dieser Dokumentation erfährt der Zuschauer spannende Details der Dreharbeiten. So sind etwa etliche Storyboardseiten zu sehen, die Manny Balestrero im Gefängnis zeigen. Jede einzelne Einstellung des gesamten Films – etwa auch Balestreros Subjektive Sicht der Gefängniswand sind dabei gezeichnet worden. Dies ist eine extrem aufwendige Art der Vorbereitung für einen Spielfilm, die als eines der Markenzeichen Hitchcocks bekannt wurde. Paul Sylbert, der für die Gesamtästhetik des Films verantwortliche Art Director erinnert sich: „Hitchcock war immer etwas gelangweilt, wenn es ans Drehen ging, weil er ja schon alles vorausgeplant hatte. Das war das, was ihm eigentlich Spaß machte.“
Zwar wusste der exzentrische Filmemacher bis ins kleinste Detail genau was er wollte, aber andererseits vertraute er auch seinen Mitarbeitern. Als einige Außenszenen im Winter in New York gedreht wurden und es empfindlich kalt war, rief er seinen Regieassistenten, den Kameramann und den Art Director zu seiner Limousine, kurbelte das Fenster hinunter, steckte seinen Kopf hinaus und sagte zu ihnen: „Ihr wisst schon, was zu tun ist, ich bleibe hier im Warmen.“ Am nächsten Tag zog das gesamte Filmteam in die Sonne Kaliforniens um, und die meisten der geplanten Originalschauplätze New Yorks wurden im Studio gedreht.
Schauspieler hatten exakt Hitchcocks Ideen zu realisieren und sich nach dem Storyboard zu bewegen. Schauspieler, die die Method Acting Methode liebten und motiviert werden wollten, frustrierten ihn. Zu ihnen meinte er nur lakonisch: „Deine Motivation ist, dass du bezahlt wirst.“
Geschickt verwendet dieses kurze Feature die Originalmusik des Films DER FALSCHE MANN des Komponisten Bernard Herrmann als Hintergrund zu einer gelungenen Kombination aus gut ausgewählten Filmszenen und spannenden Interviews.






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Drama über das tragische
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