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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 15. März 2007 - 09/05/07

Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht

Ein Film von Kevin Macdonald


Ein mitreißender Politthriller, der aber viel mehr erzählt, als nur die Geschichte des ugandischen Diktators Idi Amin.

(The Last King of Scotland)
(GB 2006), nach dem gleichnamigen Roman von Giles Foden 
Mit: Forest Whitaker (Idi Amin), James McAvoy (Nicholas Garrigan), Kerry Washington (Kay Amin), Gillian Anderson (Sara Merrit)
Oscar 2007 - Bester Hauptdarsteller


Synopsis: Der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan will endlich einmal wirklich helfen und geht 1971 spontan an ein Krankenhaus der britischen Entwicklungshilfe mitten in Uganda. Dort gerät er in die von General Idi Amin ausgelösten Unruhen, der gerade gegen den pseudo-sozialistischen Präsidenten Milton Obote putscht. Als Garrigan zufällig Amin bei einem Autounfall begegnet, seine Handverletzung behandeln kann und sich auch noch als Schotte zu erkennen gibt, macht Amin ihn zu seinem persönlichen Leibarzt und beauftragt ihn mit dem Aufbau des Gesundheitswesens in Uganda. Verführt von der Macht merkt Garrigan zu spät, wie Amins Präsidentschaft, die in der Bevölkerung und im Ausland zunächst mit großen Hoffnungen verbunden war, sich zu einer brutalen Willkür-Diktatur entwickelt und das Land im Chaos versinkt.
 
 
Im Gespräch mit
Forest Whitaker ("Idi Amin")
James McAvoy ("Nicholas Garrigan")
Gillian Anderson ("Sara Merrit")
Stephen Rwangyezi ("Jonah Wasswa")
Charles Mulekwa (Berater)
Kevin MacDonald (Regie)


Kritik: Eine große Rolle für Forest Whitaker, der dafür auch völlig korrekt einen Oscar bekommen hat – und ein kraftvoller, engagierter Film über die viel zu lange weitgehend ignorierte Tragödie Ugandas. Was jedoch den ersten Spielfilm von Kevin Macdonald, der bei uns vor allem durch seinen oscar-prämierten Dokumentarfilm über das palästinensische Attentat während der Olympiade in München bekannt wurde („One Day in September“, USA 1999), weit über das Genre hinaus hebt, das ist die realistische Feinzeichnung und die jederzeit glaubwürdige  Ambivalenz der beiden Hauptfiguren Amin und Garrigan.

Der etwas zivilisationsmüde junge Arzt lässt sich in einer Mischung aus Abenteuerlust, Naivität und echtem Engagement auf dieses Land und seinen neuen Führer ein, er ist verführbar und feige, aber auch mutig und stark. Idi Amin wiederum ist am Anfang tatsächlich ein charismatischer Mann aus dem Volk, von dem aber - das ist Forest Whitakers schauspielerische Leistung - eine unkontrollierbare Bedrohung ausgeht, der jederzeit zum wilden Tier werden kann. Natürlich hat er auch keinen Schimmer, wie man ein Land politisch führt, trifft rein willkürliche Entscheidungen und wird schnell von der Paranoia der Macht eingeholt.

Whitaker, der selbst mit den noch lebenden Angehörigen Amins gesprochen hat, vermutete im Interview (FAS vom 11. 3. 2007), dass Amin wahrscheinlich durch seinen langjährigen Kampf gegen die aufständischen Mau-Mau-Krieger und seine lange Soldatenkarriere in der britischen Kolonialarmee, für die zivilisierte Gemeinschaft verloren war. Die ungeliebten Briten zogen sioch zurück und ließen ihn schließlich auch an die Macht kommen. Es ist ein Verdienst des an Originalschauplätzen mit großartiger Kamera (Anthony Dod Mantle) gedrehten Films, diese Schreckensfigur nun vielschichtiger zu zeigen, als es die bekannten Horrormeldungen tun, die das Ausland in dieser Zeit bereit war, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.

Daneben gibt es Handlungslinien, die etwas unentschlossen in der Luft hängen bleiben, wie z. B. die angedeutete Liebegeschichte Garrigans mit seiner Kollegin Sara, und man kann einwenden, dass Garrigan vielleicht doch zu lange im Status des naiven Ignoranten gehalten wird, und er sich nicht unbedingt noch mit einer von Amins Frauen hätte einlassen müssen – aber es ist eben auch ein bis zum Schluss sehr spannender und unterhaltsamer Film für großes Kino, was ja kein Nachteil ist.

„You are a child, that’s why you are so scary“, sagt Garrigan in der entscheidenden, letzten Begegnung zu Amin – erstmals direkt und aufrichtig zu seiner Schicksals-Vaterfigur, aber es ist für beide schon lange zu spät. Wahrscheinlich kann einem Land wirklich nichts Unheimlicheres und Schrecklicheres passieren, als dass ein geschundenes, erwachsenes Kind an die Macht kommt.
 
Thomas Neuhauser

Erstellt: 13-03-07
Letzte Änderung: 09-05-07