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Catherine de Wenden: Solange die Armut nicht zurückgeht, werden auch die Migrationsbewegungen weiterhin anhalten. Darüber hinaus wird es ebenfalls zu Bewegungen kommen, die ich als politische Migrationen in zweiter Linie bezeichnen würde. Es handelt sich bei diesen Migranten nicht wirklich um Flüchtlinge, sondern um junge städtische und gebildete Menschen, die vor korrupten und autoritären Regierungen flüchten. Die Mutigsten unter ihnen versuchen, nach Europa, in die USA oder Kanada auszuwandern. Die großen demografischen "Reserven" liegen vor allem in Asien: der Durchschnitts-Migrant ist heutzutage ein Asiate, der in ein Entwicklungsland auswandert.
Ist das alternde Europa bereit, diese Migranten aufzunehmen ?
Europa empfängt sie mehr schlecht als recht - wir haben uns lange Zeit nicht als ein Einwanderungsland, sondern als ein Aufbruchsland definiert - Aufbruch in die Kolonien, in die Vereinigten Staaten, nach Kanada oder Australien. Europa hat sich nie als ein zu bevölkerndes Land gesehen, weil es sich nie leer gefühlt hat. Darin liegt auch die Schwierigkeit Europas begründet, seine Kultur, seine Identität völlig neu zu gestalten, gemeinsam mit den Migranten. Europa lebt momentan in der Defensive und entwickelt ein starkes Sicherheitsbedürfnis, Gefühle, die durch Arbeitslosigkeit, Ausländerfeindlichkeit und Terrorismus noch verstärkt werden. Aber die Migration wird es trotzdem geben und es gibt sie bereits. Der mobile Mensch ist eine Schlüsselfigur des 21. Jahrhunderts. Wir sollten uns schnell eine gute Lösung für die Einwanderungsfrage ausdenken, um von diesen Entwicklungen zu profitieren.
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Diese Frage ist vollkommen Tabu, sowohl im aktuellen französischen Wahlkampf, als auch in anderen europäischen Ländern. Es sind die zahlreichen Konflikte und Widersprüche unser Gesellschaft, die häufig in einer Vogel-Strauss-Politik münden: der Widerspruch zwischen dem Bedarf an Facharbeitern und der demografischen Alterung auf der einen Seite und der Arbeitslosigkeit, der Ghettobildung und Unsicherheit auf der anderen Seite ; der Widerspruch zwischen der Notwendigkeit, sich am internationalen Wettbewerb zu beteiligen und der Angst vor Konkurenz im eigenen Land, und letztendlich auch der Widerspruch zwischen der Einsicht in die Notwendigkeit der Einwanderung, um die Renten zahlen zu können und der Angst vor zusätzlichen Lasten fur die Sozialversicherungen.
Könnte das Recht auf Migration in Zukunft zu unseren Grundrechten gehören?
Einige Texte, bis hin zu den Vereinten Nationen, gehen schüchtern in diese Richtung. Wie ist in Zukunft die skandalöse Art und Weise zu bewerten, in der wir in Europa unsere illegalen Einwanderer behandeln? Wenn wir sie etwa - an Händen und Füßen gefesselt - in Flugzeuge tragen, um sie in ihre Heimatländer zurückzuführen, in denen sie höchstwahrscheinlich erneut im Gefängnis landen. Das Recht auf Migration ist im übrigen auch das Recht auf Mobilität. Denn die Illegalen nehmen ohne Papiere nicht ein zweites Mal das Risiko auf sich, in ein anderes Land zu gehen. Je geschlossener die Grenzen sind, um so fester lassen sich die Menschen nieder; je offener die Grenzen sind, desto mehr bewegen sie sich. Letztendlich ist das Recht auf Migration auch ein Gewinn für die Ankunftsländer.
Interview: Sylvie Dauvillier






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