Geschichte am Mittwoch, Programm - 18/10/05
Der unaufhaltsame Abstieg des Senators McCarthy
19. Oktober 2005 um 20.40 Uhr
Die Dokumentation gibt einen kurzen Überblick über das innen- und außenpolitische Umfeld des als Kommunistenjäger bekannt gewordenen amerikanischen Senators Joseph McCarthy. Der Hauptteil des Films beschäftigt sich mit dem Fall McCarthy, der damit begann, dass der Senator seine Jagd auf Spione und Andersdenkende auf die Armee auszudehnen versuchte und dabei auf machtvollen Widerstand traf.

Geschichte am Mittwoch
19. Oktober 2005 um 20.40
Regie: William Karel
Dokumentation, Frankreich 2004, Synchronfassung, ARTE F, Erstausstrahlung
Wiederholung: 21. Oktober 2005 um 16.45
Auf Betreiben Senator Joseph McCarthys erreichte die Kommunistenjagd in den USA in den Jahren 1950 bis 1954 einen Höhepunkt. Doch die nach ihm benannte McCarthy-Ära dauerte tatsächlich von 1948 bis etwa 1956. Die Gefahr, die vom Kommunismus auszugehen schien, rechtfertigte in den Augen vieler Politiker extreme, ja sogar illegale Methoden der Beobachtung und Verfolgung von Personen, die der Spionage verdächtigt wurden, und die bestimmter Personengruppen wie der Bundesangestellten.
Während ab 1950 der Koreakrieg den Vorwand für die Intensivierung der Kommunistenverfolgung lieferte, trat der medienwirksame republikanische Senator aus Wisconsin mit antikommunistischen Reden verstärkt in die Öffentlichkeit. Sein Einfluss und seine Macht waren groß, auch wenn er nicht der einzige Kommunistenjäger war.
Als McCarthy sich - von Hass und Verfolgungswahn getrieben - 1953 daran machte, die Armee auf kommunistische Aktivitäten hin zu durchleuchten, stieß er auf starken Widerstand. Vom 22. April bis 24. Mai 1954 untersuchte ein Ausschuss 36 Tage lang die Vorwürfe von Senator McCarthy gegen die Armee. Dieses so genannte Army/McCarthy-Hearing wurde vom amerikanischen Fernsehen live übertragen, mit einer heute unvorstellbar hohen Quote: 20 Millionen Zuschauer. Das Hearing entlarvte McCarthy als Hexenjäger. Im Dezember 1954 sprach ihm der Senat sein Misstrauen aus.
Wenige Jahre später starb McCarthy an den Folgen des Alkoholismus. Die Archivaufnahmen zeigen außerdem immer wieder einen gut aussehenden jungen Beamten im Hintergrund, der Stabsmitglied der Demokraten im Ausschuss ist. Dieser junge Mann ist der spätere Senator Robert Kennedy.
In seiner Dokumentation stützt sich Grimme-Preisträger William Karel (für ARTE: "CIA", "Wer regiert im Weißen Haus?", "Nixon, Kubrick und der Mann im Mond") vor allem auf den berühmten Film "Point of Order" des unabhängigen US-Filmemachers Emile de Antonio, der 1964 die 188 Stunden Fernsehaufzeichnung von Anhörungen Verdächtiger zu einem 97-Minuten-Kinofilm verarbeitete. Andererseits macht es der zeitliche Abstand möglich, das damalige Geschehen in einen größeren historischen Zusammenhang zu stellen und sein Fortwirken zu beleuchten.
Erstellt: 17-10-05
Letzte Änderung: 18-10-05