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Donnerstag, 13. Mai, um 20:45 - 07/05/04

Dersou Ouzala

Synopsis: 1902. Vladimir Arseniew, Berufssoldat und Vermessungstechniker, erkundet in Begleitung von Soldaten die Ussuri-Region der Taiga. Hier trifft er auf Uzala, den Kirgisen, einen einfachen, kleinen Mann, der die Gegend ausgezeichnet kennt, und zu Arseniews Führer wird. Er geleitet ihn an dem Militär unbekannte Orte, führt ihn mit dort ansässigen Stämmen zusammen. Der Vermessungstechniker, von bürgerlichem aber offenem Geist, durchläuft einen Prozess der Abhärtung. Dank Uzala lernt Arseniew, Hindernisse zu überwinden, die sich ihm in den Weg stellen. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine tiefe Freundschaft.

Kritik: Der aufwändige Film wurde bei seinem Erscheinen sofort als Klassiker gefeiert, insbesondere als Bindeglied zwischen zwei weiteren großen cineastischen Erfolge Akira Kurosawas „Dodeskaden – Menschen im Abseits“ und „Kagemusha - Der Schatten des Kriegers“; dabei ist „Uzala, der Kirgise“ aus dem Jahr 1974 alles andere als ein Spätwerk. Mit dieser leeren Allerweltsfloskel werden für gewöhnlich Filme belegt, die in der letzten Schaffensphase des japanischen Cineasten am Ende einer langen filmischen Karriere entstanden sind.

Mit dem Begriff Spätwerk glauben voreilige Schmeichler, sowohl die Ruhe der unendlichen russischen Steppe einzufangen, die Kurosawa in Großaufnahme zeigt, als auch die demütigen und weisen Worte Uzalas, die der einfache Mann aus der Taiga an Arseniew richtet, den gebildeten Berufssoldaten und Humanisten.

Die Ursprünge dieses Films stammen aber vielmehr aus einer moralischen Quelle, für die Kurosawa und auch die japanische Kultur im allgemeinen steht und die ihn nach den schlimmen kommerziellen Misserfolgen seiner zwei vorhergehenden Filme „Barbarossa“ 1965 und „Dodeskaden – Menschen im Abseits“ 1970 zu einem Selbstmordversuch verleitete, weil er glaubte, das Vertrauen der Filmfirma, für die er arbeitete, verloren zu haben. „Uzala der Krieger“ ist eine Sowjetproduktion. In Japan wäre der Film niemals entstanden. Hier galt der Regisseur bereits als Mann von gestern, bevor er schließlich mit diesem Werk den Weg zurück in die Kreativität und auf die internationale Bühne findet. Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Film Weitergabe und Vererbung zum Thema hat, aber auch Tod und Bewusstsein um das unausweichliche und bereits deutlich erkennbare Ende einer Epoche, die durch die Zivilisierung der russischen Steppen (Auftritt des Topographen) und das schwierige Zusammenleben von Nomadenstämmen gekennzeichnet ist, die dem Untergang ihrer Kulturen angesichts der Hegemonie der westlichen Welt häufig nur machtlos gegenüber stehen können (wie der Jäger Uzala, in der Stadt verloren, wo seine Lebensweise fehl am Platze ist).

Der Jäger übergibt sozusagen dem Wissenschaftler den Staffelstab. Er überträgt ihm sein weises und besonnenes Wissen über die Elemente der Natur, gerade so wie der japanische Regisseur, der im eigenen Land verstoßen und isoliert, durch andere Menschen eine neue Chance erhält, die ihm mit unvergleichlich größerer Achtung begegnen.

Vielleicht liegt hier die große Macht und der bemerkenswerte Reichtum dieses Films, in welchem die rauhesten Szenen (auf dem Höhepunkt der Angst zwingt ein Sturm die beiden Männer, einen Unterstand zu bauen) nie unter dem Aspekt der Gewalt dargestellt werden, sondern mit menschlicher Entschlossenheit, die Respekt abnötigt.

Durch den internationalen Erfolg des Films konnte Kurosawa erneut in Japan Fuß fassen, allerdings dank ausländischer Geldgeber, z.B. für „Kagemusha – Der Schatten des Kriegers“ (Goldene Palme 1980), eine Koproduktion mit George Lucas, der nie verhehlt hat, sich für „Star Wars“ von Kurosawas Film „Die verborgene Festung“ inspiriert haben zu lassen. In „Kagemusha“, aber auch in „Ran“ 1985 oder „Akira Kurosawa – Träume“ 1990 geht es nicht allein um den nahenden Untergang der Feudalzeit Nippons, sondern erneut um Moral und vor allem um die Eitelkeit, die jedes Unterfangen begleitet, insbesondere, wenn es kriegerische oder erobernde Absichten verfolgt.

Julien Welter

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Dersou Ouzala (Uzala, der Kirgise)

Von Akira Kurosawa
(Russland, 1974, 140 min.)
Mit M. Bytschkow, Yuri Solomin, Maxim Munzuk

Erstellt: 06-05-04
Letzte Änderung: 07-05-04