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Prager Chroniken

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

> N°6 David Rath

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Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

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WEBMAGAZIN - 06/04/09

Die Affäre Rath... schon wieder

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

Er hat die Regierung von Mirek Topolánek der Korruption beschuldigt. Er hat den Premierminister als „pathologischen Nichtstuer“ abgestempelt (und wurde von letzterem als „kleines Sch... insekt“ beschimpft). Und vor kurzem hat er sich einen neuen Fauxpas geleistet, als er vorschlug die Wirtschaftskrise mit nationalsozialistischem Ideengut zu bekämpfen. Der sozialdemokratische Abgeordnete David Rath, Senator von Zentralböhmen und Sprecher seiner Partei im Parlament, ist Befürworter eines harten Oppositionskurses. Auch wenn dieser Stil nicht immer gutgeheißen wird. Beispiel: Seine Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Mitte-Rechts Abgeordneten Miroslav Micka, über den er öffentlich gesagt hat: „Den hat seine Frau auch nur des Geldes wegen geheiratet hat.



(Spontane Übersetzung: „Bevor ich anfange, möchte ich noch etwas in eigener Sache loswerden, was mir wirklich am Herzen liegt...
Diesmal könnte David Rath allerdings zu weit gegangen sein: In einem Interview für die konservative Tageszeitung Lidové Noviny Ende Januar hätte er eigentlich das Konjunkturpaket der Sozialdemokratischen Partei Tschechiens (ČSSD) verteidigen sollen, welches als Antwort auf das von der Regierung geschürte und vor allem auf Rettungspläne für Banken abzielende Paket entstanden ist. Doch, gleich nachdem er das Regierungspaket als „Träumerei der Liberalen“ abgetan hatte, erklärte David Rath, wie er sich einen Ausweg aus der Krise vorstellt: „Wir sollten aufrüsten, genauso wie Hitler es seinerzeit gemacht hat.

Es ist verständlich, dass dieser ungewöhnliche makroökonomische Vorschlag nicht gerade auf große Begeisterung stößt in einem Land, welches unter den direkten Folgen dieses Aufrüstens gelitten hat. Selbst die offizielle Entschuldigung des sozialdemokratischen Generalsekretärs Jiří Paroubek, der den Satz seines Kollegen als „Missverständnis“ bezeichnete, half da nichts. Vor allem, da Rath noch einmal nachlegte: „Hitler hat wenigstens die Wichtigkeit staatlicher Investition verstanden, im Gegensatz zu unserer Regierung.

Dies alles ist natürlich ein gefundenes Fressen für die nationalen Medien, selbst wenn jener Mann, der am Ursprung des Skandals steht, in den Redaktionen der Regenbogenpresse einschlägig bekannt ist. Neu ist, dass selbst die seriöse Presse sich für ihn zu interessieren beginnt. So war sein gesamtes Interview im Audioformat tagelang auf der Webseite von Lidové Noviny anzufinden. Und selbst das prestigeträchtige Wochenmagazin Respekt ließ sich Anfang Februar dazu hinreißen seinen Lesern eine Hintergrundreportage aus Zentralböhmen zu präsentieren, dem Wahlkreis David Raths. Darin konnte man unter anderem lesen, dass der Senator eine „Politik der Angst“ betreibt. Dies hört man zumindest aus (nicht gerade sehr zuverlässigen Quellen), die anonym und rechts sind. Nach einem Monat der internen Lethargie, in dem die Blicke der Regierung und der Opposition auf Europa gerichtet waren, hat Tschechiens Politik einen neuen Lieblingsskandal. Hoffentlich wird dies seine Politiker nicht zu sehr von der EU-Ratspräsidenschaft ablenken...

Alexander Knetig

Erstellt: 16-02-09
Letzte Änderung: 06-04-09


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