30/07/10
Die Anthrax-Dealer - Die Anthrax-Anschläge in den USA
Am 18. September, eine Woche nach den Attentaten vom 11. September, geht der erste mit Anthrax präparierte Brief bei einer Nachrichtenagentur in Florida ein. In den folgenden Wochen werden weitere Briefe mit Anthrax-Sporen an Nachrichtenagenturen in New York sowie an zwei Senatoren in Washington DC geschickt. Zweiundzwanzig Personen werden infiziert, fünf davon sterben. Die Ereignisse verbreiten Angst und Panik. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA wird das Kongressgebäude offiziell geschlossen.
Das FBI dehnt seine Untersuchungen auf sechs Kontinente aus und befragt mehr als 6 000 Personen. Schon ziemlich bald lassen die Verantwortlichen des FBI verlautbaren, dass sie einen Einzeltäter als Urheber der Attentate vermuten. Kurze Zeit später sickert der Name einer „Person von Interesse“ durch: Dr. Stephen Hatfill, Forscher bei der US-Armee in einem streng geheimen Militärlabor für Bioverteidigung in Fort Detrick. Hatfill wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärt öffentlich seine Unschuld. Anklage gegen ihn wird nicht erhoben.
Während der Vorfall allmählich in Vergessenheit gerät, wird die Angst vor Anthrax zu einem entscheidenden Faktor bei der Vorbereitung einer Invasion des Irak. US-Außenminister Colin Powell zeigt im UN-Sicherheitsrat ein Röhrchen mit weißem Pulver, das die Menge Anthrax darstellen soll, mit der die Anschläge 2001 durchgeführt wurden – und warnt eindringlich vor den Gefahren, die von den „Tonnen“ geheimer Anthrax-Vorräte ausgehen, die sich angeblich im Besitz von Saddam Hussein befinden.
Als die US-Regierung im Juni 2008 erklärt, das von Hatfill angestrengte Gerichtsverfahren wegen Nötigung mit einer Entschädigungszahlung in Höhe von 5,8 Millionen Dollar abzuschließen, scheinen die Theorien des FBI widerlegt. Doch kaum fünf Wochen später erklärt das Justizministerium plötzlich, den Fall gelöst zu haben: Bei dem Serienmörder handele es sich um einen anderen Forscher bei der US-Armee, einen Dr. Bruce E. Ivins, der sich vor seiner Verhaftung durch das FBI das Leben genommen habe.
Auch wenn nur spärliche Beweise gegen Ivins vorliegen und die „Lösung“ des Falls vorwiegend auf Vermutungen beruht, wird die Akte durch das FBI eilig geschlossen. Kollegen sowie zahlreiche Anthrax-Experten beharren auf Ivins‘ Unschuld: Er habe weder über die erforderlichen Kompetenzen noch über die nötige Ausrüstung verfügt, um das Pulver für die Anthrax-Anschläge herzustellen, wie von der Regierung behauptet wurde.
Die Anthrax-Dealer
Sonntag 3. Oktober 2010 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 86mn)
ARTE F
Erstellt: 25-06-10
Letzte Änderung: 30-07-10