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Die Anthrax-Dealer

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Die Anthrax-Dealer

30/07/10

Die Anthrax-Dealer - Die Biowaffen

Anthrax


Der Milzbranderreger steht auf der Liste der beliebtesten biologischen Kampfstoffe ganz oben, in erster Linie aufgrund der hochresistenten Sporen, die das Bakterium schützen und ihm eine enorme Überlebensfähigkeit verleihen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Großbritannien in Zusammenarbeit mit den USA und Kanada 5 000 „Milzbrandbomben“ hergestellt. Sie kamen jedoch nie zum Einsatz. Im Gegenzug probierte die kaiserliche japanische Armee Anthrax und andere biologische Kampfstoffe an Gefangenen und an der chinesischen Zivilbevölkerung in der Mandschurei aus.

Während des Kalten Krieges rüsteten die USA und die Sowjetunion ihre Waffenarsenale mit enormen Mengen Anthrax auf. 1972 wurde das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung biologischer Waffen und Toxinwaffen die Produktion von Biowaffen in einer Konvention vertraglich festgehalten. Bis heute wurde diese Konvention von 177 Ländern unterzeichnet.
Dennoch wurde Anthrax heimlich weiterverwendet. 1978 bricht in Simbabwe die größte Milzbrandepidemie der Menschheitsgeschichte aus – auf dem Höhepunkt eines blutigen Unabhängigkeitskriegs. 1979 gelangen aus einem militärischen Geheimlabor in Swerdlowsk Milzbranderreger in die Außenwelt. Tausende Menschen werden infiziert, unter der Zivilbevölkerung gibt es mindestens 69 Todesopfer. Nach dem Ende des Apartheidsregimes wurde bekannt, dass Südafrika heimlich Anthrax und andere bakteriologische Kampfstoffe eingesetzt hat. In den 1980er und 1990er Jahren legte Saddam Hussein ein riesiges Arsenal von Biokampfstoffen an, darunter auch Anthrax. Dies wurde zu einem der wichtigsten Rechtfertigungsgründe für die Invasion des Iraks durch die USA und Großbritannien 2003.

Weitere Substanzen, die zur Herstellung von Biowaffen eingesetzt werden:

Pockenviren


Die Pocken werden durch ein hochansteckendes Virus übertragen, meist über die Atemwege. In etwa 25 bis 30 Prozent der Fälle verlaufen sie tödlich. Schon in der Antike wurde Europa von Pockenepidemien heimgesucht. In Amerika war die Krankheit jedoch unbekannt, bis europäische Siedler sie einschleppten und einen Großteil der einheimischen Bevölkerung mithilfe infizierter Decken auslöschten.
Nach Entdeckung der Pockenimpfung im 19. Jahrhundert und massiver Impfkampagnen wurde die Krankheit im Jahr 1979 für ausgerottet erklärt. Es wird jedoch vermutet, dass die Sowjets an Biowaffen auf der Basis des Pockenerregers gearbeitet haben. Nach Meinung von Fachleuten würde der Einsatz dieses hochinfektiösen Virus eine Katastrophe auslösen, da viele Menschen heutzutage nicht mehr gegen die Pocken geimpft sind.

Pesterreger


Die Pest ist eine tödliche Krankheit, die durch Rattenflöhe verbreitet wird und Auslöser einer Epidemie war, die im 14. Jahrhundert über Asien, den Mittleren Osten und Europa hereinbrach. Dem „Schwarzen Tod“ fielen bis zu 100 Millionen Menschen zum Opfer.
Wenn der Erreger durch den Flohbiss in die Haut gelangt, kommt es zur so genannten Beulenpest, werden die Lungen angegriffen, spricht man von der Lungenpest, die noch häufiger tödlich verläuft.
Im Zweiten Weltkrieg warfen die Japaner über China Bomben ab, die mit infizierten Flöhen präpariert waren. 1989 erklärte ein führender sowjetischer Biowaffenexperte, dass es Moskau gelungen war, Sprengköpfe mit Pesterregern in Serie herzustellen. Mithilfe entsprechender Trägerraketen hätten damit alle Hauptstädte Westeuropas erreicht werden können.

Botulinumtoxin


Der stärkste bekannte Giftstoff. Mit einem Gramm könnte man theoretisch eine Million Menschen töten. Wenn es über die Atemwege in die Lunge oder über eine Wunde in die Blutbahn gelangt, greift es die motorischen Nerven an und verursacht eine Muskellähmung, die schließlich zum Tode führt, da das Opfer nicht mehr atmen kann.
Die Japaner führten mit dem Gift Versuche an Gefangenen durch und die Alliierten, die eine biologische Gegenoffensive der Nazis nach der Landung in der Normandie fürchteten, hatten Millionen Impfdosen gegen das Toxin gelagert.
Heutzutage wird vor allem die Entwicklung einer bakteriologischen Aerosolbombe befürchtet, die zu einer unüberschaubaren Anzahl von Opfern führt und so die medizinische Versorgung lahmlegt.

Tularämieerreger


Dieses wenig bekannte exotische Bakterium befällt vor allem Tiere und wird nur vereinzelt auf den Menschen übertragen, üblicherweise durch Insektenstiche. Es handelt sich um einen besonders ansteckenden Erreger, der auch in ausgesprochen feindlicher Umgebung überleben kann. Er wurde als idealer bakteriologischer Kampfstoff von japanischen, sowjetischen und amerikanischen Militärs ausführlich erforscht.
Die Tularämie verläuft eigentlich nicht tödlich, verursacht jedoch heftige Grippesymptome, die das Opfer sehr schwächen und nur schwer zu diagnostizieren sind. Sowjets und Amerikaner haben genetisch veränderte Bakterienstämme gezüchtet, die gegen Antibiotika resistent sind und bei 60% der infizierten Personen zum Tode führen.

VHF-Viren


Die so genannten viralen hämorrhagischen Fieber (VHF) werden durch exotische Viren übertragen, sind hochansteckend und verursachen tödliche Blutungen. Zu den VHF zählen unter anderem das Ebola-Fieber, das Marburg-Fieber und das Lassa-Fieber. Da sie erst in der jüngeren Vergangenheit aufgetreten sind (in den letzten 40 Jahren), weiß man nur wenig darüber und es gibt weder Behandlung noch Impfstoffe.
Schon sind auch die Biowaffenexperten auf sie aufmerksam geworden. In der ehemaligen Sowjetunion soll mit dem Marburg-Virus ein umfangreiches Rüstungsprogramm unter der Leitung von Dr. Nikolai Ustinow durchgeführt worden sein. Der Forscher starb, nachdem er sich das Virus versehentlich injiziert hatte. Die Marburg-Erreger, die bei der Obduktion in den Organen von Dr. Ustinow gefunden wurden, waren sehr viel aggressiver als alle bisher bekannten Virenstämme. Dieser neue Virenstamm, der „Variante U“ genannt wird, wurde 1990 vom sowjetischen Verteidigungsministerium als Biowaffe zugelassen.

Die Anthrax-Dealer
Sonntag 3. Oktober 2010 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 86mn)
ARTE F

Erstellt: 25-06-10
Letzte Änderung: 30-07-10