Im Königreich Bhutan ist Bogenschießen eine traditionelle Männerdomäne. Umso erstaunlicher, dass es ausgerechnet eine junge Frau bis an die Weltspitze schaffen könnte: Tshering Chhoden gilt als talentierteste Schützin des Landes. Wenn sie ihr Können in einem Ausscheid vor dem Olympischen Komitee beweist, darf sie im Sommer zu den Spielen fahren – und aus dem isolierten Bergstaat im Himalaya ins internationale Rampenlicht treten. „360° - Die GEO-Reportage“ zeigt die 25-jährige Bogenschützin bei ihrem Ringen um die Teilnahme an der Olympiade.
 |
| © ARTE / Medienkontor FFP |
|
Jedes Dorf in Bhutan hat seinen Schützenkönig, fast jeder männliche Bewohner des Landes praktiziert die Kunst mit Pfeil und Bogen – ein Relikt aus der kriegerischen Vergangenheit des buddhistischen Bergvolkes. Die Spannkraft eines Bogens kann bis zu 30 Kilogramm betragen, 145 Meter sind die Zielscheiben entfernt. Bei einem traditionellen Wettkampf treten jeweils zwei Dörfer gegeneinander an. Frauen dienen den männlichen Kontrahenten dabei lediglich zum Anfeuern. So ist es auch heute noch in Radhi, einen kleinen Dorf tief in den Bergen Bhutans, dicht an der chinesischen Grenze. Mit einer Ausnahme: der 25-jährigen Tshering Chhoden, die hier herkommt und für Olympia trainiert. Doch als Frau ist sie vom traditionellen Kräftemessen ausgeschlossen – und das, obwohl sie sich darauf vorbereitet, ihr Land vor der ganzen Welt zu präsentieren. Ihre Chancen stehen gut, denn Tshering Chhoden gilt als Virtuosin mit Pfeil und Bogen.
 |
| © ARTE / Medienkontor FFP |
|
Bhutan, das abgeschottete Land, so groß wie die Schweiz, umgeben von vergletscherten Siebentausendern, hat sich erst in den letzten Jahren der Außenwelt geöffnet. Noch 1960 war ein fünftägiger Fußmarsch nötig, um nach Bhutan zu gelangen. Damals begann König Wangchuk mit seiner vorsichtigen Modernisierungspolitik. Bis heute bestimmen er und seine Minister, wie viel Außeneinfluss sein Volk verkraftet, ob es reif ist für Elektrizität, Fernsehen oder Tourismus. Industrialisierung wird nur geduldet, wenn sie nicht gegen die hohen Umweltstandards verstößt. Westliche Entwicklungspolitiker betrachten den Himalayastaat als Musterland, doch das Volk steht nur zum Teil hinter dem Monarchen. Viele der überdurchschnittlich gut ausgebildeten jungen Menschen – manche haben im Ausland studiert – fühlen sich von der "Ökodiktatur" des Monarchen bevormundet.
Tshering Chhodens Alltag während der Olympiavorbereitungen ist typisch für das Zusammentreffen von Tradition und Moderne in Bhutan. Fest glaubt sie an Dämonen und Hexen und daran, dass ihre Tempelbesuche und ihre Gebetsfahne auf dem hohen Himalayapass das Sportlerglück beeinflussen wird. Gleichzeitig trainiert sie mit einem professionellen Coach und moderner High-Tech-Ausrüstung. Als ein Astrologe ihr fehlendes Glück beim Ausscheidungswettbewerb in der Hauptstadt Thimphu prophezeit, ist ihre Sorge jedoch groß.

Diese Sendung können Sie nach der TV-Ausstrahlung online (wieder) sehen - kostenlos - in voller Länge - 7 Tage lang -
auf ARTE+7.
ARTE zeigt diese Sendung innerhalb des Programmschwerpunktes "Frauenlegenden".
Die "Geo Reportage" berichtet eine Woche lang über Powerfrauen, mit überraschenden Geschichten rund um den Globus, von Montag, den 21. Januar bis Freitag, den 25. Januar, jeweils um 20.15 Uhr.
>>
Montag 21. Januar, um 20.15 Uhr:
Hexenwahn in Tansania >> Dienstag 22. Januar, um 20.15 Uhr:
Die Bogenschützin von Bhutan>> Mittwoch 23. Januar, um 20.15 Uhr:
Churubamba - Frauen am Ball>> Donnerstag 24. Januar, um 20.15 Uhr:
Kenia - Das Dorf der Frauen>> Freitag 25. Januar, um 20.15 Uhr:
Die Kämpferinnen von Mexico