Kritik: Dass die Aussteiger-Idylle in Goa nicht lange währt, das kündigen schon die seekranken Bilder an, mit denen Paul Greengrass sich seinem unter der südindischen Sonne nur halb glücklich gewordenen Liebespaar nähert. Zu dröhnend sind eben die Kopfschmerzen, die den nach „The Bourne Identity“ leider nur halb genesenen, ferngesteuerten Topagenten Bourne immer noch quälen. Da hilft kein Tagebuch, keine Erinnerungsarbeit unter Palmen, erst muss Freudin Franka sterben, Killermaschine Bourne unfreiwillig wieder auf Touren kommen und sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen, um seine menschliche Integrität wiederzuerlangen. In dem Sequel zu dem sehr erfolgreiche Original, für dessen Dreh sich die Schauspieler schon bei Start des Projekt s verpflichteten, gibt Matt Damon ein weiteres Mal den mit allen Mitteln gewaschener Ex-Profikiller , superschnell kombinierend, ausdauernd, hyperintelligent einerseits, aber auch mit dem Makel, eine Tötungsmaschine zu sein, behaftet. Anders als sein britische r Kollege Bond ist er eben nicht als im Auftrag einer Majestät oder eines Geheimdiensts handelnder Gentlemen unterwegs, sondern als dessen außer Kontrolle geratener Albtraum seiner Vorgesetzten. Als Vorläufer des Blade Runner quält ihn das Schicksal, nichts über seine Herkunft und sein dunkles Vorleben zu wissen. Doch die Psychologie spielt hier bei allen Vergleichen eine untergeordnete Rolle – Action ist das Gebot der kurzweiligen knapp zwei Kinostunden.
Der spätestens seit seinem Goldenen Bären für „Bloody Sunday“ für seinen semi-dokumentarischen Stil bekannte Greengrass wirft sich mit seinen Kameraleuten, Steadycams und rasant schnellen Schnitten mitten hinein ins Getümmel. Rasante Verfolgungsjagden, die man in einer solchen Virtuosität selten gesehen hat, wechseln sich ab mit anderen Katz- und-Maus-Spielszenen. Die meisten davon spielen sich in Berlin ab, auch viele der Szenen, die eigentlich in Moskau spielen.
Ein bisschen überinszeniert wirkt das Ganze, fast wie ein langer Werbeclip, aber so weltstädtisch, so sexy hat wahrscheinlich noch kein Regisseur die noch in den Kinderschuhen steckende Metropole gefilmt. Als Berliner hat man manchmal Orientierungsprobleme, was die Fahrtwege des Films betrifft. Doch das ist schließlich egal, freut man sich doch, dass der Berliner Agenten-Thriller der 50er und 60er Jahre in derart furioser Gestalt wiederauferstanden ist.
Martin Rosefeldt
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Die Bourne Verschwörung
Regie: Paul Greengrass
Drehbuch: Tony Gilroy
Nach einem Roman von Robert Ludlum
Darsteller: Matt Damon, Franka Potente
USA, 2004, 108’






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