1946 gingen fast alle mit einem Groβen Preis nach Hause. Und es wurden in der Tat groβe Filme gezeigt, etwa „The Lost Week-End“ von Billy Wilder, „Brief Encounter“ von David Lean oder „Roma citta aperta“ von Roberto Rossellini - im Rückblick ein wahrer Kampf der Giganten. Aber es gab auch Sand im Getriebe: Jean Cocteaus zauberhafter Film „Die Schöne und das Biest“ wurde angegriffen und ausgebuht von einem Publikum, dem eine Dimension des Films entging und nur das Märchen darin sah und nicht den Traum. Auβerdem wurden weder die legendären schwarzen Handschuhe von Rita Hayworth in „Gilda“ von Charles Vidor ausgezeichnet, noch der längste Kinokuss zwischen Ingrid Bergman und Cary Grant in „Notorious“ von Meister Hitchcock. Irren ist menschlich, und das trifft zuweilen auch für Cannes zu.
1947 nahmen noch sieben Kinoliebhaber an der Jury teil. Die Geschichte lehrt uns nicht, ob es sich dabei um Kinoexperten von Berufs wegen handelte. Diese Tradition verlor sich nach und nach zugunsten von mehr oder weniger versierten Vertretern der Spielfilmbranche - und wunderschönen, sehr fotogenen Schauspielerinnen.
- Die dunkle Seite der Macht: Der 1959 gegründete Filmmarkt, ein Moloch hinter den Kulissen des Festivals, erhöhte den Einfluss der
Filmfestspiele und wurde zur gröβten wirtschaftlichen Drehscheibe der Spielfilmindustrie weltweit. Auch das ist Kino: Ein knallhartes Business, bei dem jedes Jahr Milliarden von Dollar über den Tisch gehen. Um Orson Welles zu zitieren: „Der teuerste Elektrozug der Welt“.
Delphine Valloire
Cannes auf arte.tv
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