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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Forum - 01/09/08

Flipping out

Ein Film von Yoav Shamir


Yoav Shamirs Film „Flipping Out“ erzählt von jungen Soldaten, die nach ihrer Entlassung im fernen Indien per Drogenrausch ihre traumatischen Kriegserfahrungen vergessen wollen.

Synopsis: Nach Ende ihres 3-jährigen Militärdienstes schenkt das israelische Verteidigungsministerium seinen jungen Soldaten einen Bonus in Höhe von rund 15.000 Schekel, genug für eine Reise nach Nordindien oder nach Goa, wo sich die Aussteiger meist unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Drogen von ihren traumatischen Kriegserlebnissen erholen. Für eine stetig wachsende Zahl der ins Zivilleben zurückkehrenden Soldaten wird diese Auszeit dabei zum mentalen Horrottrip. Alarmierender Anlass für die israelische Regierung, sich um ihre „verlorenen Kinder“ zu kümmern.

Kritik: Bilder, wie sie der Traum eines jeden Hippie-Aussteigers sind: an den Ausläufern des Himalaya in subtropischer Natur gelegene Guest-Houses mit Traumblick zu Spottpreisen, Falafel und viele nette Leute aus der Heimat, die das Fremde weniger fremd erscheinen lassen und obendrein - Marihuana satt! Die nordindische Kleinstadt Kasol gilt tausenden junger Israelis als verheißungsvolles Sündenbabel, an dem man unbeschwert entspannen, flirten und vergessen kann – vor allem die hässliche Seite des 3-jährigen Militärdienstes, in dem fast alle der jungen Soldaten bereits in Kampfeinsätze verwickelt waren oder zumindest aber bei Hausdurchsuchungen den Hass der Palästinenser zu spüren bekommen haben.

Der israelische Dokumentarfilmer Yoav Shamir hatte bereits in seinem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm „Checkpoint“ das Leben junger Wehrpflichtiger im Nahostkonflikt beobachtet. Da ist es nur logisch, dass Kriegsbilder, die junge Berufssoldaten bei der gewaltsamen Stürmung eines Hauses zeigen, sein Folgeprojekt über die Rückkehr dieser Wehrpflichtigen ins zivile Leben eröffnen. Dieses beginnt für viele mit einem “Hippie-Trip” in ferne Indien, wo Israels Söhne und Töchter lieber gemeinsam als isoliert ausspannen - eine Folge des permanenten Belagerungszustandes zuhause und des beim Militärdienst hoch gehaltenen Gruppenzusammengehörigkeitsgefühls.

Aber die von Marihuana-Dämpfen umnebelte Aussteigeridylle trügt: 90 Prozent der jährlich zu zehntausenden nach Indien einfallenden Israelis konsumieren im Verlauf ihres Trips viel zu viele Drogen. Dass es sich dabei um mehr als ein ganz normales “Generation-Spaß”-Phänomen handelt, wird deutlich, wenn man den stetig wachsenden Anteil der Jahr für Jahr mit psychischen Problemen nach Israel zurückkehrenden Backpacker sieht. Über 2000 waren es im letzten Jahr. So viele, dass orthodoxe Juden im fernen Indien so genannte “Chabad-Häuser” eröffnen, um die verlorenen Schafe mit Religion zu heilen und die israelische Anti-Drogen-Behörde als Alternative “Warm Houses” zum seelischen Aufwärmen einrichtet.

Shamirs Kamera lässt uns an vielen beklemmenden Begegnungen teilhaben. Da ist der junge psychotische, gerade aus einer Kampfeinheit entlassene Mann, der sich im Drogendelirium in seinem kleinen Haus in den Bergen verschanzt hat, weil er glaubt, dass man ihn ermorden will. Oder der manische Ex-Soldat in Goa, der ein Dutzend indische Hilfsarbeiter anheuert, um die Insel in einen Orangenhain zu verwandeln. Würde er nicht gleichzeitig damit drohen, notfalls mit Waffengewalt seine heilige Mission fortzusetzen - man könnte ihn für einen harmlosen Spinner halten. Nun hat Israel pensionierte hochrangige Militärs, wie jenen langbärtigen Geheimdienstmann nach Indien entsandt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Doch auch auf Anlass der Drogenbehörde zustande gekommene Visite des stellvertretenden Premierministers scheint nichts an der Brisanz des Problems zu ändern, wie es eine junge Israelin dem Politiker bei einer Diskussion erläutert – lieber hier in Goa bleiben, als zuhause eine Minute länger Korruption, Krieg und den permanenten Belagerungszustand zu ertragen.

Martin Rosefeldt
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Flipping out
Ein Film von Yoav Shamir
Israel/Kanada 2007, 35mm, 83 min., Hebräisch/Englisch mit dt./engl. UT
Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Forum

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08