Um 20.40 Uhr - Erster Teil:
Sommer 1944: Lena Gräfin von Mahlenberg reist aus Berlin in ihre Heimat Ostpreußen, um einen langjährigen Konflikt mit ihrem
todkranken Vater beizulegen. Acht Jahre zuvor hatte Lena Ostpreußen verlassen, um ihr uneheliches Kind Viktoria großzuziehen, statt Heinrich von Gernstorff zu heiraten, dem sie schon lange versprochen war, aber nie geliebt hatte. Dies hatte zum Bruch mit ihrem Vater geführt. Um ihm zu beweisen, dass sie eine gute Tochter ist, lässt sich Lena wieder auf die Gepflogenheiten des ostpreußischen Adels ein.In den Kriegswirren übernimmt sie die Verantwortung für das Mahlenberg'sche Gut. Sie holt ihre Tochter zu sich und ringt sich zu der Entscheidung durch, Heinrich doch noch zu heiraten. Der Selbstmord von Heinrichs Bruder Ferdinand verhindert aber zunächst die Hochzeit. Während die Trecks von Flüchtenden aus dem Memelland zunehmen und die Front näher rückt, versucht Lena, den drohenden Untergang zu verdrängen. Würde nicht François Beauvais, ein französischer Kriegsgefangener auf dem Hof, sie immer wieder daran erinnern. Zwischen ihm und Lena entsteht eine emotionale Verbindung, die jedoch nicht lebbar ist. Lena steht mehr und mehr zwischen ihrer traditionellen Erziehung und einer neuen Zeit, in die sie schließlich mit den Menschen ihres Gutes im Januar 1945 flüchten muss.
Wiederholung am 10. März um 15.50 Uhr
Um 22.10 Uhr - Zweiter Teil:
Nach einer strapaziösen Flucht mitten im Kriegswinter 1945 erreichen Lena und ihre Schützlinge schließlich Bayern. Das gemeinsame Schicksal aller bringt die Menschen unabhängig ihres Standes einander näher und öffnet den Weg in eine neue Welt.
Lenas Vater hat ihr die Verantwortung für den Mahlenberg'schen Treck übertragen. Sie führt die ihr anvertrauten Menschen durch einen unbarmherzigen Winter, von Ostpreußen bis nach Bayern. Auf dem langen und beschwerlichen Weg entwickelt sich Lenas Beziehung zu François zu einer lebensbedrohlichen Verstrickung, die sie zur Aufgabe dieser Liebe zwingt. Als der Flüchtlingszug im Frühling 1945 in Bayern ankommt, hat die alte Gesellschaftsordnung sich endgültig aufgelöst. Es gibt Raum für neue Wege. Lena entscheidet sich nun endgültig gegen Heinrich.Der Weg in die neue Zeit führt dazu, dass die bisher unverrückbar geltenden Konventionen verblassen: Privilegien, Standesdünkel und überkommene aristokratische Herrschaftsgefüge lässt Lena hinter sich. Durch die erzwungene Völkerwanderung sind die Menschen, von Sozialisation und Herkunft ursprünglich weit voneinander entfernt, gleicher geworden: Sie stehen alle vor dem Nichts, den Trümmern ihrer Existenzen und müssen, jeder für sich, neu beginnen.
Wiederholung am 11. März um 15.50 Uhr
Flucht und Vertreibung gehören zu den emotional besonders schmerzhaft erinnerten Ereignissen des Krieges. Anhand dieser berührenden Familiensaga ist es Regisseur Kai Wessel und der Drehbuchautorin und Historikerin Gabriela Sperl gelungen, mit
Sensibilität und Fingerspitzengefühl das Schicksal der ostpreußischen Bevölkerung filmisch aufzuarbeiten, die am Ende des Zweiten Weltkrieges vor der heranrückenden Front fliehen musste. Der ergreifende und historisch fundierte Film behandelt somit einen Stoff, über den oftmals Jahrzehnte geschwiegen wurde, weil er mit deutscher Schuld und Scham behaftet ist.Der vielfach preisgekrönte Regisseur Kai Wessel wurde mit dem Spielfilm "Martha Jellneck" (1988), der für den Bundesfilmpreis nominiert war, einem breiten Publikum bekannt. Zu seinen erfolgreichsten Fernsehinszenierungen zählen die mehrteilige Verfilmung der Tagebücher des jüdischen Professors Victor Klemperer "Klemperer - Ein Leben in Deutschland" (1999), sowie die Filme "Hat er Arbeit?" (2000) und "Goebbels und Geduldig" (2001). Wessels "Leben wäre schön" (2003) wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.
Gabriela Sperl, die für Drehbuch und Produktion zuständig war, gründete 2003 ihre eigene Produktionsfirma sperl film. Zusammen mit teamWorks produzierte sie den mit dem Deutschen Fernsehpreis gekrönten historischen Film "Stauffenberg" (2004) von Joe Baier. Ihr Zweiteiler "Helen, Fred und Ted" (2006) ist eine ARTE-Koproduktion, ARTE zeigte ihn am 5. Januar 2007. Darüber hinaus hat sich Gabriela Sperl als Drehbuchautorin profiliert, mit Vivian Naefes Filmen "Bobby" (2002) und "Einmal so wie ich will" (2005, auf ARTE am 01.04.2005) und Christian Wagners "Ghettokids" (2002, auf ARTE am 04.10.2005).
Maria Furtwängler, hier in der Rolle der jungen Gräfin Lena, spielte ihre erste große Rolle von 1985 bis 1990 an der Seite von Maria Schell in der TV-Serie "Die glückliche Familie". Darauf folgten die Fernsehproduktionen "Die achte Todsünde - Gespensterjagd" (2001), "Zu nah am Feuer" (2002) und "Mr. und Mrs. Right" (2004, auf ARTE am 21.12.2004). Seit 2001 ermittelt Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm als "Tatort"-Kommissarin.
Der Franzose Jean-Yves Berteloot spielt in "Flucht und Vertreibung" einen eigenen Landsmann, den Kriegsgefangenen François. Er gab sein Leinwanddebüt in Bertrand Bliers "Abendanzug" (1986). Für seine Rolle in René Férets "Champagner der Liebe" (1989) wurde er für den César als bester Nachwuchsschauspieler nominiert. Nach "Gold vor Gibraltar" (1993), "Quicksand - Schmutziges Geld" (2001) und "Feindliche Waffenbrüder" (2003) wirkte Berteloot zuletzt an der Seite von Tom Hanks und Audrey Tautou in der Literaturverfilmung "The Da Vinci Code - Sakrileg" (2006) mit.
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Die Flucht
Fernsehfilm in zweit Teilen von Kai Wessel
Drehbuch: Gabriela Sperl, Kamera: Holly Fink, Kostueme: Wiebke Tratz, Schnitt: Tina Freitag; Ausstattung: Knut Loewe; Maske: Gerhard Zeiss; Ton: Roland Winke, Produktion: teamWorx
Mit: Maria Furtwängler (Lena von Mahlenberg), Jean-Yves Berteloot (François Beauvais), Tonio Arango (Heinrich von Gernstorff), Gabriela Maria Schmeide (Babette), Jürgen Hentsch (Berthold von Mahlenberg), Hanns Zischler (Rüdiger von Gernstorff), Angela Winkler (Sophie von Gernstorff), Max von Thun (Ferdinand von Gernstorff)
ARTE/ARD, Deutschland 2006, 89 Min.






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