05/11/08
Die Globalisierungskritiker
sind „Für ein Europa der Rechte in einer Welt ohne Krieg“
50.000 Aktivisten haben im November 2003 in Paris am Europäischen Sozialforum teilgenommen. In den 55 Plenumveranstaltungen und den 250 Konferenzen, nicht zu vergessen den Workshops, den Feiern und Festveranstaltungen haben die Aktivisten ein Europa kritisiert, wie sie es nicht wollen, und Vorschläge zur von ihnen herbeigesehnten „alternativen Plattform“ zusammengetragen.
Die Autoren
- Andruchowytsch, Juri (Ukraine)
- Ben Jelloun, Tahar (Frankreich)
- Delmas-Marty, Mireille (Frankreich)
- Eco, Umberto (Italien)
- Gelassimow, Andrej (Russland)
- Globalisierungskritiker, die
- Grass, Günter (Deutschland)
- Habermas, Jürgen (Deutschland)
- Jeremy Rifkin (USA)
- Laidi, Zaki (Frankreich)
- Malley, Robert (USA)
- Michnik, Adam (Polen)
- Nyssen, Hubert (Frankreich)
- Pleşu, Andrei (Rumänien)
- Rocard, Michel (Frankreich)
- Savater, Fernando (Spanien)
- Sontag, Susan (USA)
- Zizek, Slavoj (Slowenien)
- Zourabichvili, Salomé (Georgien)
Die Verbände
Sergio Aires, Verantwortlicher einer Vereinigung zum Kampf gegen die Armut, Portugal.
Vor der Revolution der Nelken 1974 „wurde Armut als eine Fügung des Schicksals eingestuft, als eine Art Phantom. Als Heilmittel hatten wir nichts als die christliche Nächstenliebe ...“
Nach der Demokratisierung Portugals und nach dem Beitritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 entdeckt das Land die Möglichkeiten einer politischen Bekämpfung der Armut. „Dank Europa“, gibt er zu. „Doch was haben wir seit 2001 erreicht? Dass die Armen erneut als Randgruppe gelten, dass sie für ihre Situation selbst verantwortlich sind, dass sie nicht arbeiten wollen. [...] Wir erhalten Geld, um unsere Armen zu kontrollieren und nicht, damit wir ihnen eine Zukunft bieten können. Worin liegt der Unterschied zu früher?“
Die Gewerkschaften
Iréna Boruta von der Gewerkschaft Solidarnosc, Polen: „Die beitretenden Länder sind viel liberaler als die 15 EU-Staaten. Sie haben ihren Teil zur Weltbank beigetragen, besonders für den Sozialschutz. Alle Reformen basierten auf einer Verringerung des Sozialschutzes.“
Bogdan Hossu, Rumänien: „Die zehn neuen Staaten werden Europa 2004 beitreten, in einem Modell, das dem der Vereinigten Staaten ähnlich ist,“ zum Beispiel mit Rentenfonds, wodurch das Sozialmodell Mitteleuropas geschwächt wird.
Die Übersetzer, auch „Babelitos“ genannt
Es sind knapp 300 Menschen, für die „das Dolmetschen zum Drahtseilakt wird“. Insgesamt sind in der Datenbank des Sozialforums, die von Laurent Jesover, dem ehemaligen Webmaster von Attac, verwaltet wird, 4.000 Dolmetscher verzeichnet. 975 von ihnen leben im Umland von Paris in Saint-Denis, Bobigny, la Villette und Ivry.
Es gibt fünf offizielle Sprachen, aber 21 Sprachen, in die übersetzt wird, und 30.000 verfügbare Kopfhörer.
Auf Französisch wird das Wort „anti“ immer mehr durch „alters“ verdrängt. Auf Spanisch bleibt man dem Wort „anti“ treu. Wenn man das französische Wort „bénévole“ ins Deutsche übersetzen möchte, hat man die Wahl zwischen mehreren Entsprechungen wie „freiwillig“, „unbezahlt“ oder „ehrenamtlich“.
Die anonymen Theoretiker
François vom lokalen Tauschhandelsystem „Systèmes d’échange local“ (Sel): „Wir befinden uns auf der Titanic. Mit einem kaputten Motor, nämlich der Politik, und einem anderen Motor, der durchdreht, nämlich der Wirtschaft. Wir rasen auf den Eisberg der Zukunft zu, in der die Umwelt zerstört sein und das soziale Netz längst der Vergangenheit angehören wird.“ Nach François‘ Meinung ist einzig die Zivilgesellschaft dazu in der Lage, den Schiffbruch zu verhindern.
Auszug aus Libération vom 12., 14. und 17. November 2003.
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 05-11-08