Kinostart 27. Januar 2005 - 26/01/05
Die Grauzone
Ein Film von Tim Blake Nelson
Drama über ein Sonderkommando
in Auschwitz-Birkenau
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Synopsis: Ein Sonderkommando plant im Oktober 1944 einen Aufstand im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Kritik: Der in Deutschland vor allem als Schauspieler bekannte Tim Blake Nelson ( O BROTHER, WHERE ART THOU?, 2000) inszeniert mit DIE GRAUZONE einen der düstersten Spielfilme über den Holocaust. Sein Drehbuch beruht auf dem Essay Primo Levis „Die Untergegangenen und die Geretteten“ und den Aufzeichnungen des rumänischen Pathologen Miklos Nyiszli „Ich war Arzt in Auschwitz“. Nyiszli wurde gezwungen an der Seite des barbarischen SS-Arztes Dr. Mengele zu arbeiten.
Vordergründig erzählt Nelson die Geschichte eines Sonderkommandos welches einen Aufstand plant, bei dem möglichst viele Krematorien zerstört werden sollen. Eigentlich beschäftigt ihn aber vielmehr die Frage: „Was würde jeder von uns selbst tun um zu überleben?“. Es ist leicht auf die Juden des Sonderkommandos herabzusehen, die für einige wenige Wochen länger Leben, ein Bett, Essen, Alkohol und Zigaretten ihre Landleute verraten. Sie schicken sie in die Gaskammern, und erzählen ihnen, dies seien harmlose Duschen. Dann riegeln sie die Tür zu, das Gas wird hineingeleitet, gedämpft hört man Schreie in Todesangst. Wenn alles wieder ruhig ist, öffnen sie die Tür, scheren die Leichen, sortieren sie und bringen sie in die Brennöfen.
In DIE GRAUZONE wird dies alles gezeigt als wäre es ein Dokumentarfilm. Der Kameramann Russell Lee Fine wählt dunkle Farben für seine bewegte Handkamera. Sehr selten blitzt einmal das Blau des Himmels hinein oder ein grünes Stück Wiese. Diese Momente wirken fast unanständig, sie sind fehl an diesem Ort der bis ins kleinste Detail geplanten Vernichtung.
Hätte Tim Blake Nelson sich auf diese Bilder und die Atmosphäre verlassen, die er mit ihnen kreiert, er hätte einen ergreifenden und direkten Film über den Terror des Naziregimes geschaffen, wie es bislang kaum einen gibt. Nelson aber ist Schauspieler und Schauspieler lieben nun einmal Dialoge. Dummerweise war DIE GRAUZONE einst ein Theaterstück, das es Off-Broadway zu einigem Erfolg brachte. Die Besetzung im Film, u.a. David Arquette, Steve Buscemi, Harvey Keitel, Mira Sorvino ist hervorragend, doch die Dialoge vernichten den ganzen Effekt der starken Bilder. In einem Schlagabtausch, man könnte sagen „wie aus der Pistole geschossen“ verhandelt da etwa Lagerarzt Nyiszli (Allan Corduner) mit dem Oberscharführer Muhsfeldt (Haryey Keitel) – das Resultat wirkt, als hätte Nelson sie direkt seinem Theaterstück entnommen. Dazu kommt, dass alle Schauspieler die die ungarischen Juden des Sonderkommandos spielen, akzentfrei amerikanisch sprechen und die anderen, etwa Harvey Keitel einen deutschen Akzent einbauen oder gar vorgeben, die Juden des Sonderkommandos nicht zu verstehen. Das wirkt affektiert und lenkt von der Handlung ab.
Sehr schade eigentlich, denn die perfide konstruierte Geschichte hat ein gutes Potential und Nelson hat Bilder gefunden, die im Gedächtnis bleiben. In einer Szene etwa sieht man eine lange Schlange neu ins KZ kommender, wartender Juden, die ihre Zivil- gegen Lagerkleidung tauschen müssen und ein kleines Grüppchen Musiker spielt einen Strauss-Walzer zu ihrer Begrüßung. Es hat zwar einige Jahr gedauert, bis DIE GRAUZONE nach ihrer Premiere 2001 auf dem Filmfest in Toronto den Weg auch in deutsche Kinos findet, aber der Verleih hat einen guten Starttermin gewählt: am 27. Januar 2005 jährt sich zum 60. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
Nana A.T. Rebhan
Die Grauzone
USA 2001, 104 Minuten
Buch und Regie: Tim Blake Nelson
Mit David Arquette, Steve Buscemi, Harvey Keitel, Mira Sorvino
Erstellt: 25-01-05
Letzte Änderung: 26-01-05