Mit Ihnen wird Pepe Carvalho um einiges jünger. Wie rechtfertigt sich das?
Im Laufe der Romane Montalbáns ist die Figur immer älter geworden. Als er beginnt, ist Pepe um die 40, und im letzten Roman ist er über 60. Für die Produzenten der Reihe war es klar, daß Pepe in allen sechs Filmen das gleiche Alter haben muß. Mein Alter und damit die Erinnerungen und die Vergangenheit eines 43jährigen Mannes paßten dazu. Dies ist der auffälligste Unterschied zu den Romanen, der von Montalbán auch gebilligt wurde. Treue ist schließlich kein Selbstzweck. Selbst in Spanien kennt nicht jeder Pepe Carvalho, und dank dieser Verjüngungskur konnte er dem Publikum noch näher gebracht werden.
Wie würden Sie Pepe Carvalho beschreiben?
Für einen Schauspieler ist er die ideale Figur. Er hat etwas Geheimnisvolles an sich. Er ist eine Art zweifelnder Weiser, ironisch und intelligent. Ein Außenseiter, der sich seine Familie geschaffen hat: Charo, eine ehemalige Prostituierte, Biscuter, der in seiner Jugend einige Dummheiten begangen hat, Bromuro, ein ehemaliger Fremdenlegionär. Er mag die Menschen und ihre Geheimnisse, bleibt aber trotzdem ein Einzelgänger.
Er provoziert auch gern?
Er hat in der Tat eine provozierende Seite. Er lebt nicht in einer bürgerlichen Welt. Indem er aber die gehobene Küche und gute Alkoholika zu schätzen weiß, demonstriert er der Bourgeoisie, daß sie die feine Lebensart nicht gepachtet hat. Das gleiche gilt für die Kultur. Er liest Bücher und verbrennt sie, konsumiert und vernichtet, um Ballast abzuwerfen und leicht zu bleiben.
Was trinkt Pepe?
Gereifte, echt spanische Schnäpse, keine gebrannten wie den Whisky der amerikanischen Privatdetektive.
Wie ist seine politische Einstellung?
Er gehört zu einer undefinierbaren Linken, war wahrscheinlich Mitglied der Kommunistischen Partei, hat aber auch anarchistische Seiten. Außerdem hatte er mit dem CIA zu tun. Man weiß nicht, wo er steht. Die Leute halten ihn für Montalbáns Alter ego ; ich glaube eher, daß Manuel ihn erfunden und ihm einige seiner Eigenschaften mitgegeben hat.
Wie haben Sie sich Ihre Figur erarbeitet?
Ich habe mich zunächst auf die Lektüre der Romane gestützt, die ich allerdings im Anschluß wieder vergessen mußte. Denn mit jedem Drehbuch und jedem Regisseur waren die Vorgaben dann anders. Aber ich hatte mir eine Art Reservoir geschaffen, aus dem ich schöpfen konnte, denn es war wichtig, der Figur Kontinuität zu geben. Die Filme mußten etwas Verbindendes haben. Die Rolle hat immer einen Motor: Pepe wird für einen Auftrag angeheuert, er beobachtet, stellt Nachforschungen an, schwingt keine großen Reden. Er wirkt sehr vertrauenserweckend.
Die Leute vertrauen sich ihm an, als fühlten sie sich durchschaut, erkannt. Er begegnet ständig Menschen, die er aus der Vergangenheit kennt. Immer haben sie sich verändert, ist ihre Moral eine andere geworden, und sie vertrauen sich ihm an. Pepe wird zu einem stummen Richter. Sein Urteil muß dem Zuschauer schweigend mitgeteilt werden. Im Roman geschieht das mit Worten, im Film mit Blicken.
Was verbindet das Paar Pepe - Biscuter?
Die Beziehungen zwischen Biscuter und Pepe sind freundschaftlich, spiegeln aber auch das Verhältnis des Chefs zum Angestellten wider. Es ist ein Spiel zwischen ihnen. Sie ergänzen sich: Biscuter ist zugleich realistischer und argloser, Pepe nachdenklicher und idealistischer.
Und Pepe und Charo?
Mit Charo bildet Pepe ein ausgesprochen unkonventionelles Paar. Charo war früher Prostituierte und ist nun eine "Dame" geworden. In den Romanen hat sie nur sporadische Auftritte, in den Filmen ist sie häufiger zu sehen. Die Welt der Prostitution ist in den Romanen präsent, sie sollte in den Filmen nicht unterschlagen werden.
Drei Länder, drei Drechbuchautoren, sechs Regisseure und nur ein einziger Pepe Carvalho. Waren die Ansätze von Film zu Film sehr unterschiedlich?
Jeder Regisseur und eigentlich auch jedes Land hatte eine eigene Sichtweise der Geschichten und der Figuren. Bei Enrique Urbizu ist Pepe lockerer, journalistischer, näher am Stil des amerikanischen film noir. Andere haben ihn zu einem passiveren Zeugen gemacht. Bei den Italienern hat die von Valeria Marini interpretierte Rolle der Charo breiteren Raum eingenommen. Letztlich hat jeder seine eigenen Prioritäten gesetzt. Ohne als Lokalpatriot gelten zu wollen, muß ich sagen, daß mir das, was die Spanier gemacht haben, und der Film von Merzak Allouache sehr gut gefallen.
Was würden Sie sich für weitere Abenteuer mit Pepe Carvalho wünschen?
Daß Montalbán etwas leichtere Kochrezepte auswählt. Man ißt heute nicht mehr so fett!






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