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24/09/07

Die Hochzeit

In der traditionellen bäuerlichen Gesellschaft war der Frühling die Zeit der Verlobungen und der Herbst die Jahreszeit, in der man einen Hausstand gründete. Denn im Herbst hatten die Bauern genug Korn geerntet, um über den Winter zu kommen, und im Frühjahr hatten die Frauen neu gewebte Stoffe im Überfluss. Für einen Bauern war eine Weberin eine gute Partie, und er selbst konnte ihr anderseits auch einen gewissen Wohlstand bieten.

Wenn eine Ehe durch einen Heiratsvermittler angebahnt wird, trinken die zukünftigen Ehegatten bei ihrer ersten Begegnung gemeinsam einen gesüßten Tee. Man tauscht „rote Umschläge“ (Hong Bao) mit Bargeld aus, die auch „Umschläge, die zum Trinken der Tasse drängen“ (Ya Cha Ou) genannt werden und die Vermählung des Paares beschleunigen sollen.
Nach der Trauungszeremonie begeben sich die Neuvermählten in das Brautgemach, um „die Weinschale auszutauschen“ (Jiao Bei Jiu). Danach essen sie gemeinsam eine Schüssel Nudeln und Teigtaschen. Dieses Gericht trägt den Namen „Kinder- und Enkel-Teigtaschen mit Nudeln des langen Lebens“ (Zi Sun Bobo Shang Shou Mian).

„Die Perlen zusammenknüpfen und die Jade vereinen“ (Zhulian Bihe)
Im alten China war es ein verbreiteter Brauch, dass zwei Freunde oder Liebende zum äußeren Beweis ihrer Zuneigung ein Stück Jade (Bi) oder eine Perlenkette (Zhu) teilten. Im Chinesischen sind die Wörter für „Schwein“ und „Perle“ Homonyme. Deshalb trägt ein Gericht aus gebratenem Schweinefleisch oder Lack-Spanferkel immer den Namen „Die Perlen zusammenknüpfen und die Jade vereinen“. Dies bedeutet, dass die beiden Ehegatten bis an ihr Lebensende vereint bleiben.

„Die hundert Vögel kehren ins Nest zurück“ (Ba niao gui guo)
„Der Phönix schreit wieder“ (Lian feng he ming)

Das typische Gericht für ein Familientreffen. Es wird in Form von Nestern serviert, die aus einer Taro-Julienne hergestellt werden. Diese wird mit Mehl und Eiern legiert und dann in Öl ausgebacken. Die Nester werden mit gebratenem Gemüse und Jakobsmuscheln gefüllt und mit Austernsauce gewürzt. Das Bild der hundert Vögel, die ins Nest zurückkehren, bezieht sich auf die großen kaiserlichen Zeremonien, bei denen sich das ganze Volk versammelte. Das Gericht symbolisiert auch, dass sich die beiden frisch vermählten Eheleute voll und ganz in die Ehe einbringen werden.

Der Phönix ist eigentlich nur ein Geflügelgericht (am häufigsten wird Huhn verwendet). Es steht für Glück und ein langes Leben. Es bedeutet, dass die Frau den perfekten Mann gefunden hat, denjenigen, der sie beschützen und lieben wird.

Die Ente ("ya") gehört zu den Geflügelsorten, die für das Gericht nicht verwendet werden, denn der Laut seines Ideogramms ist ein schlechtes Vorzeichen. "Ya" wird nämlich genauso ausgesprochen wie das Zeichen, das „eine Hypothek aufnehmen“ oder „leihen“ bedeutet. Die Gans ist dagegen sehr beliebt: Wie die Mandarinente ist auch die Gans das Symbol einer glücklichen Ehe. Sie hat im Leben nur einen Partner, ebenso wie die Frauen, die nicht das Recht haben, ein zweites Mal zu heiraten.

Der Phönix (feng huang) ist der König allen Geflügels. Ist er auf einem Bild in Begleitung eines Drachen dargestellt, dann symbolisiert er den Kaiser, der Phönix allein steht dagegen für die Kaiserin. Einige Exegeten glauben, dass Feng für den männlichen und Huang für den weiblichen Phönix steht und dass die beiden Schriftzeichen gemeinsam die Vereinigung der Geschlechter darstellen.
Das Gericht „Der Phönix schreit wieder“ hat nicht die Form eines Phönix, es handelt sich lediglich um ein im Ganzen gebratenes Geflügel, das ohne Beilage oder mit Sauce serviert wird.

Erstellt: 04-03-05
Letzte Änderung: 24-09-07