Mittwoch 27. Februar 2008, um 20.15 Uhr: 360º - GEO Reportage - 02/02/08
Die Krabbenflut
Eine Reportage von Ines Possemeyer
Sie sehen aus wie ein aufgeklapptes Taschenmesser auf acht Beinen: tellergroß, rot gepanzert und bewaffnet wie Gladiatoren. Dabei sind die Roten Landkrabben ausgesprochen friedlich – und eine Rarität. Sie sind nur auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean zuhause, dort allerdings in Massen: Bis zu 120 Millionen Tiere bevölkern das Archipel. Sechs davon versucht der britische Forscher Steve Morris einen Monat lang im Auge zu behalten - indem er ihnen Sender auf den Panzer montiert. Er will untersuchen, wie die Krabben ihren Weg vom Regenwald an die Küste finden, wo sie sich alljährlich zur Paarung treffen. Auf ihrem Weg über steile Klippen, Straßen und Gärten riskieren sie immer wieder ihr Leben: bei Begegnungen mit Autos, hungrigen Riesenkrabben und giftigen Ameisen. 360° - GEO Reportage zeigt, wie Steve Morris den gefährlichen Weg „seiner“ Krabben vom Regenwald an die Küste verfolgt.
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| © ARTE / Medienkontor FFP |
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Die 1.600 Einwohner der Weihnachtsinsel freuen sich auf das alljährliche Naturschauspiel, wenn Massen Roter Landkrabben den Strand in einen roten Teppich verwandeln. Schon die Kinder wissen, dass die Landkrebse die Hüter des Inselparadieses sind. Denn sie kultivieren den Boden und bestimmen, was im Wald wächst.
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Der britische Forscher Steve Morris ist jedoch nervös. Es ist bereits Mitte November, und die Wanderung der Krabben aus dem Regenwald im Innern der Insel zur Küste hätte längst beginnen müssen. Doch der Monsun lässt auf sich warten, und nur er verwandelt die Roten Landkrabben von schläfrigen Höhlenbewohnern zu Marathon-Läufern. Bis zu acht Kilometer weit ist ihr Weg an die Küste, an der die Männchen Paarungshöhlen bauen. Zwölf Tage nach der Befruchtung laichen die Weibchen im Meer - kurz vor Neumond.
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Morris will diese Aktivitäten mit seinem Team verfolgen. Er stattet einige Krabben mit Sendern aus, um zu verstehen, wie sie den kürzesten Weg zum Wasser finden. Es ist ein riskanter Weg. Obwohl Ranger des Nationalparks Straßensperren und kilometerlange Zäune errichten, um die Krabben vor Autos zu schützen, kommen zahlreiche Tiere unter die Räder. Auch entwaldete Flächen und mangelnde Feuchtigkeit sind lebensbedrohlich, die Tiere drohen auszutrocknen. Noch gefährlicher sind Begegnungen mit Yellow Crazy Ants, eingeschleppten Ameisen, die riesige Kolonien gebildet und bereits 35 Millionen Krabben getötet haben.
Wenn es den gepanzerten Gärtnern des Waldes nicht gelingt sich fortzupflanzen, verändert sich langfristig das gesamte Ökosystem, mit unabsehbaren Folgen für die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt der Weihnachtsinsel.
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Mittwoch 27. Februar 2008, um 20.15 Uhr
360º - GEO Reportage
Die Krabbenflut
Reportage, Frankreich / Deutschland 2007, ARTE, 16:9 / 52 Min.
Regie: Ines Possemeyer
Erstellt: 02-02-08
Letzte Änderung: 02-02-08