Neapel, Millionenmetropole zu Füßen des Vesuvs. Seit 300 Jahren ist sie Hochburg der traditionellen italienischen Weihnachtskrippe, der "Presepe". Salvatore, Emanuelle und Raffaelle Scuotto sind die "Krippenbrüder von Neapel". Mit ihrem Familienunternehmen "La Scarabattola" vertreten sie seit zehn Jahren das moderne Kunsthandwerk und versuchen mit ihren Figuren auch aktuelle Erscheinungen zu interpretieren. Dennoch beziehen sich die Scuottos seit jeher auf die neapolitanische Tradition des Krippenbauens, der sie sich sehr verpflichtet fühlen. Aufgrund ihrer Modernisierungsversuche sind ihre Krippen aber auch sehr umstritten und werden teilweise als Provokation empfunden. So liebt oder hasst man sie in Neapel.
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| © ZDF / Salvatore Scuotto |
| Die Geschwister Scuotto in ihrem Laden "Scarabatolla" (v.l.: Emanuele, Salvatore, Anna, Sophia, Raffaele) |
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Salvatore, Emanuelle und Raffaelle Scuotto sind die Krippenbrüder von Neapel. Ihre Heimatstadt gilt seit Mitte des 18. Jahrhunderts als Hochburg der traditionellen Krippenkunst. Und der Scuotto-Clan hat sich in nur zehn Jahren den Ruf erarbeitet, die innovativsten Krippenbauer der Stadt zu sein.
Pasquale, ein langjähriger Kunde sagt über sie: "Ich habe einige Jahre lang beobachtet, was der Markt so hergibt. Ich war auf der Suche nach Hirtenfiguren in den Gassen von San Gregorio Armeno, San Biagio, Via Tribunali und fand schließlich die 'La Scarabattola'. Das, was mir am meisten aufgefallen ist, ist die Güte, die ihre Figuren ausstrahlen, die Glückseligkeit, die ich empfinde, wenn ich sie mir anschaue."
Die lebhaften Brüder sind Quereinsteiger in der Krippenfiguren-Kunst. Vor der Gründung ihrer Werkstatt "La Scarabatolla" studierten sie Bildhauerei und sahen einem brotlosen Künstlerdasein entgegen. Doch dann kam die Idee, sich an den kunstvollen Krippen zu versuchen, und der Erfolg gab ihnen Recht. So sagt Salvatore, der Älteste der Brüder, auch heute noch: "Wenn es 'La Scarabattola' nicht gäbe, würde ich es gründen. Ich habe hier, im Rahmen des Kunsthandwerks immer die Möglichkeit, mich auch als Künstler auszudrücken. Und dann ernährt mich das auch noch!"
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| © ZDF / Salvatore Scuotto |
| Nicoletta Scuotto, Salvatores Frau. |
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Nach und nach wurden immer mehr Familienmitglieder in die Firma integriert. "Wir haben für uns den Wert der Familie wieder entdeckt, wir diskutieren viel, aber immer konstruktiv. Und so wachen wir morgens zufrieden auf. Jeder wünscht sich doch, sein Geschäftspartner oder sein Angestellter sei wie ein Bruder. Wir sind tatsächlich Brüder und Schwestern, das ist der große Vorteil", sagt Raffaele, der sich um die Buchhaltung kümmert. Er lebte einige Jahre in Mailand und hatte da schon viel erreicht. Aber die Sehnsucht nach der Familie und nach Neapel hat ihn nie verlassen.
Heute gelten die Krippenfiguren der Scuottos zu den meisterhaftesten Figuren, die in ganz Italien gefertigt werden. Um eine der etwa 800 Euro teuren Figuren zu erstehen, müssen die Fans der Krippenbrüder bis zu zwei Jahren warten.
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| © ZDF / Salvatore Scuotto |
| Emanuele Scuotto ist der Jüngste der Brüder |
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Teufelsfiguren mit blauen Haaren, abgeschlagene Körperteile, nackte Frauenfiguren - die Scuottos fühlen sich zwar der alten Tradition verpflichtet, aber sie versuchen auch, mit ihren Figuren aktuelle Erscheinungen zu interpretieren. Deswegen haben sie so viele Fans, aber deswegen gab es auch des Öfteren heftige Kritik: Ihre Figuren wurden von konservativen Krippen-Anhängern als pure Provokation empfunden. Den Scuottos ist bewusst: In Neapel liebt man sie, oder man hasst sie. Doch sie wollen ihren unvergleichlichen Stil weiterentwickeln, ohne sich selbst zu verraten: Ihr Familienbetrieb wird weder auf Massenproduktion umgestellt, noch werden sie Neapel - eine Stadt, die es ihren Bewohnern nicht immer leicht macht - jemals verlassen.
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