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Cannes 2007 - Edito vom 27. Mai 2007 - 27/05/07

Die Qual der Wahl

Heute Abend werden beim 60. Internationalen Filmfestival in Cannes die Preisträger gekürt, und es ist ein gutes Zeichen für das Wettbewerbprogramm, das es bis zum Schluss ein völlig offenes Rennen bleibt. Es gibt diesmal so viele gute Filme, die für einen Preis in Frage kommen, dass auf der Croisette schon kolportiert wurde, Berlinale-Chef Dieter Kosslick wolle nur noch bei schlechten Wettbewerbsfilmen angerufen werden. Die gab es natürlich auch, z. B. den banalen Polizeithriller „We own the night“, oder den kompromisslos schwermütigen, aber leider an seinem eigenen Anspruch letztlich gescheiterten „The Man From London“, selbst Tarantinos „Death Proof“ und der außer Konkurrenz gezeigte „Go Go Tales“ von Kult-Regisseur Abel Ferrara enttäuschten. Es wird aber für jedes Festival – auch für Cannes selbst – zweifellos schwer werden, das Niveau dieses Jubiläumsjahrgangs zu halten oder gar zu übertreffen.

Heute werden die Wettbewerbsfilme noch einmal gezeigt, so dass man verpasste Filme nachholen kann, bevor dann im Rahmen der Schlusszeremonie „L’âge des tenèbres“ von Denys Arcand gezeigt wird. Ein sympathisch-harmloser Festival-Abschluss des großen Kanadiers, der jedoch nur noch von Ferne an seine früheren, ebenso humanen wie bissig-treffenden Gesellschaftssatiren erinnert. Damit sind die schwächeren Beiträge auch fast schon alle benannt, und die kompetent besetzte Jury unter der Präsidentschaft von Stephen Frears dürfte bei dieser Auswahl am Ende eine Qual haben, um die man sie beneiden darf.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 27-05-07
Letzte Änderung: 27-05-07