Der 23-jährige Medizinstudent Ernesto Guevara unternimmt 1952 mit seinem Freund Alberto eine neunmonatige Reise durch Lateinamerika. Aus den unbeschwerten Jünglingen werden im Laufe der Reise nachdenkliche junge Männer, die die wahren Tragödien Lateinamerikas am eigenen Leib erfahren. Der Film basiert auf den Reisetagebüchern von Che Guevara und Alberto Granado. ARTE zeigt diesen Film innerhalb des Programmschwerpunkts "1968".
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| © ARTE F / Paula Prandini |
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Der 23-jährige Ernesto Guevara de la Serna ist ein Sohn aus bürgerlichen Verhältnissen. Er studiert Medizin und steht kurz vor dem Examen. Trotzdem entschließt er sich, sein behütetes Zuhause in Buenos Aires zu verlassen und mit dem Biochemiker Alberto Granado, einem Freund der Familie, auf eine Reise zu gehen. Die beiden haben einen Traum: Auf Albertos Motorrad, einer betagten Norton 500, die sie optimistisch "La Poderosa" ("Die Allmächtige") nennen, wollen sie quer durch Lateinamerika reisen - ein damals streckenweise noch nicht erkundeter Kontinent.
Die beiden starten als unbekümmerte Latino-Easy-Rider, die ihre schmale Reisekasse aufbessern, indem sie sich mit Witz und Improvisation überall durchschnorren. In der Tasche hat Ernesto zusätzlich stolze 15 US-Dollar. Dafür soll er seiner adligen Freundin Chichina einen modischen Badeanzug aus Florida mitbringen.
Doch als das klapprige Motorrad den Geist aufgibt, erleben die beiden Abenteurer die Welt um sich herum bald aus einer ganz anderen Perspektive. Das Leben der leidgeprüften Wanderarbeiter in Chile und die Arbeit auf einer Leprastation bewegen den jungen Che nachhaltig und verändern seine Weltsicht. Aus dem Grünschnabel wird allmählich ein Mann, der eine politische Vision entwickelt - und den die Welt heute als Che Guevara kennt...
Das Konterfei von Che Guevara hat inzwischen weit über politische Kreise hinaus einen Platz in der Alltagskultur gefunden. Es ziert T-Shirts und Ansteckbuttons ebenso wie Poster, Gürtelschnallen und Schlüsselanhänger. Doch wer dieser Revolutionsführer eigentlich war, was er dachte und fühlte - diese Frage verschwand hinter seiner schieren Omnipräsenz als Pop-Ikone. Walter Salles hat diesen Prozess umgekehrt und der Ikone wieder menschliche Züge verliehen.
Basierend auf den Büchern "The Motorcycle Diaries. Latinoamericana. Tagebuch einer Motorradreise 1951/52" von Ernesto Guevara und "Mit Che durch Südamerika" von Ches Freund Alberto Granado, erzählt sein Film von jenen acht Monaten, die Che Guevaras Identität, seine politische Vision und sein Streben nach Gerechtigkeit entscheidend prägten. Der physischen Leinwandpräsenz des Shootingstars Gael García Bernal - bekannt unter anderem aus "La mala Educación - Schlechte Erziehung"- ist es zu verdanken, dass der Film nicht die pathetische Vorgeschichte eines Gutmenschen geworden ist. Zusammen mit Koproduzent Robert Redford gelingt Walter Salles, der schon in "Central Station" große Einfühlsamkeit für menschliche Schicksale bewies, ein bildgewaltiges Roadmovie voller Witz und Poesie, das den Menschen hinter dem Mythos enthüllt.
ARTE-Kritik:Delphine Valloire für Kino-News auf arte.tv
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| © ARTE F / Paula Prandini |
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„Carnets de voyage“ ist die Verfilmung der einige Jahre nach der Reise niedergeschriebenen Erinnerungen des „Che“. Ein Film, der zeigt, dass große Ideen und Gefühle nicht unbedingt große Filme ergeben. Die Kamera folgt den beiden Kameraden Alberto Granado und Ernesto Guevara während ihrer Initiationsreise vom Ausgangspunkt Argentinien bis zur Ankunft Monate später im Norden Lateinamerikas. Über den Mythos Che Guevara hinaus waren Walter Salles und sein Stab darauf bedacht zu zeigen, dass Ernesto Guevara und sein Freund bei Antritt der Reise noch naive junge Männer aus dem argentinischen Bürgertum mit vagen Idealen sind. Sie unternehmen die Reise um des Abenteuers willen, am Ende haben sie ein gefestigtes soziales, fast schon politisches Bewusstsein.
Regisseur und Drehbuchautor bemühen sich sehr, ohne jedoch wirklich zu überzeugen, den beiden Helden gleichermaßen Dichte zu verleihen, um den Road-Movie von einer Episode zur nächsten zu tragen und die Bewohner Lateinamerikas von Peru bis an den Amazonas wirklich greifbar zu machen. Alle Zutaten sind in idealer Mischung vorhanden: eine schöne Reise, der junge Schauspieler Gael Garcia Bernal, ein aufsteigender Stern mit Sex-Appeal, ein Vorwand für lehrreiche soziale und politische Diskurse, „wirkliche“ Menschen in Peru, Brasilien und Chile und eine Legende: Che Guevara, seine Aura, sein unwiderstehliches Charisma, das den Film lang mitschwingt. Bei einem solchen Konzept mag es nicht verwundern, dass der ausführende Produzent des Projektes der Regisseur von „Milagro“ und „A river runs through it“, Robert Redford, ist.
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Je weiter die beiden Freunde auf ihrem Weg vorankommen, desto ernster wird der Film, konfrontiert mit den traurigen Gesichtern und den bleischweren Blicken der Armen Südamerikas, die Unrecht und Demütigung erdulden, konfrontiert auch mit den Zeugen der von Machtkriegen zerstörten Zivilisationen. Dennoch will der Film nicht funktionieren, und am Ende begeht Walter Salles seinen liebsten Fehler und trägt dick symbolträchtiges Pathos auf. Nach Dutzenden im Stil von Richard Avedons Porträts gehaltenen Schwarzweiß-Aufnahmen ausgemergelter, vom Leben ausgepresster Menschen, denen der Filmemacher heute ebenso begegnet wie die beiden jungen Männer gestern, hebt ein Flugzeug ab und mit ihm entfernt sich Guevara von seinem Freund Granado. Abblende, kleiner historischer Rückblick in Sachen Legende. Dann in Großaufnahme das beeindruckend gegerbte Gesicht des wahren Granado, der heute auf Kuba lebt. Er schaut dem gleichen Flugzeug nach: Und wieder schwindet die Emotion wie ein Phantom dahin.
Wiederholungen: 02.05.2008 um 14.55 Uhr