Erstausstrahlung, 52 Min.
Die Traumbilder von der "Ewigen Stadt" Rom lieferten Sigmund Freud Stoff für ausführliche Analysen und waren Grundlage für seine Entdeckung des Ödipuskomplexes. Der Traumdeuter, Wissenschaftler und Psychoanalytiker hat Rom sieben Mal besucht. Seine Sehnsucht nach der Hauptstadt der Antike war unstillbar.Freud reiste überhaupt leidenschaftlich gern. Das Jahr über arbeitete er mit eiserner Disziplin täglich 16 Stunden. Doch im Sommer machte er drei Monate lang frei. Ein Drittel der Zeit widmete er seiner Familie und nutzte die Sommerfrische auch dazu, Buchprojekte zu vollenden. Für den Rest seiner Ferien aber zog es ihn nach Griechenland und Italien, um der Wiege des Abendlandes nachzuspüren auf der Suche nach Bildern und Mythen.
Die Reisen in die Welt der Antike verstand er auch als Expeditionen ins Innere, in die Landschaften der Seele. So verglich er die Ruinen der Antike mit dem Unbewussten und bezeichnete seine Psychoanalyse als Archäologie der Seele. Auf der Akropolis - in der Antike die Spielstätte des "König Ödipus" von Sophokles - erkannte er seinen unbewussten Wunsch, den Vater zu überwinden. Wo immer Freud auf seinen Reisen in den Süden hinkam, nutzte er alles für die Entschlüsselung des unbewussten Seelenlebens, zunächst seines eigenen, schließlich des kollektiven. Zentrales Erlebnis aber blieb Rom mit der überwältigenden Begegnung mit der Plastik des Moses von Michelangelo, die Freud in der Kirche San Pietro di Vincoli täglich besuchte. Sie rückte ins Zentrum seiner Faszination, denn er sah darin sich selbst: den zornigen, beherrschten und das "Gesetz des Vaters" bewahrenden "Religionsstifter" der Psychoanalyse. Leider gingen Freuds Reisetagebücher verloren, doch die Briefe, die er fast täglich an seine Frau schrieb, sind erhalten und bilden eine minutiöse Chronik seines Unterwegsseins: Schilderungen der Stationen, die er bereiste, sehr persönlich gehaltene und manchmal geradezu schwärmerische Berichte über seine Erlebnisse.
In der Dokumentation kommen unter anderem erläuternd zu Wort die Psychoanalytiker Riccardo Steiner und Elisabeth Roudinesco sowie Rolf Haubl , Mario Erdheim und die kürzlich verstorbene Analytikerin Janine Chasseguet-Smirgel .






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