Von David Gormezano, Aquiles Alturria, Mariano Rosendi – ARTE GEIE – Frankreich 2006
In keinem Jahr zuvor wurde in Südamerika so oft wie in 2006 gewählt. Bis zum Ende dieses Jahres werden die Einwohner von neun Staaten einen neuen Präsidenten in das höchste Staatsamt berufen haben. Die Kandidaten der politischen Linken sind dabei auf dem Vormarsch, denn in Chile wurde Michelle Bachelet gewählt, in Bolivien triumphierte Evo Morales und in Brasilien hat auch Präsident Lula größte Chancen, nach einer Stichwahl im Amt bestätigt zu werden. Zur Wiederwahl steht im Dezember in Venezuela der umstrittene Staatschef Hugo Chavez, der mit seinen Petrodollars nun auch den ehemaligen Sandinisten Daniel Ortega bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Nicaragua unterstützt. 16 Jahre nach seinem Rücktritt tritt „Commandante Daniel“ erneut an, bei den letzten drei Wahlen war der starke Mann der sandinistischen Revolution der 80er Jahre glatt durchgefallen. Neben Ortega sind drei weitere Bewerber im Rennen, unter ihnen auch ein von den USA ganz offen gefördeter liberaler Kandidat. 37 Prozent der Bevölkerung wollen für Ortega stimmen, eine Prognose, die viele im Land beunruhigt, weil sie eine Rückkehr in alte Zeiten und ein Wiederaufflammen des Bürgerkriegs befürchten, der damals über 30 000 Opfer gefordert hatte. Mit der Wahlhilfe aus Venezuela rechnet sich Ortega auch deshalb große Chancen aus, weil er sich mit Teilen der katholischen Kirche verbündet hat und noch immer auf den Zuspruch aus den ärmeren Schichten des Volkes rechnen kann.
USA: Irak-Veteranen im Wahlkampf
Von Lars Köhne – ARTE GEIE / Real and Fiction – Deutschland 2006
Sie werden „Macho Demokraten“ genannt, die Veteranen der USA, die sich am 7. November in allen Landesteilen zur Kongresswahl stellen. Insgesamt streben 83 ehemalige Soldaten und Soldatinnen ein politisches Amt an, soviel, wie seit 1956 nicht mehr. Die anhaltende Kritik an der derzeitigen Außenpolitik, das Versagen im Kampf gegen den Terror und vor allem die Kriege in Afghanistan und im Irak drängen nun diejenigen wieder ins Licht der Politik, die seit dem Vietnam-Krieg kaum Macht im Kongress der Vereinigten Staaten ausüben konnten. Gerade in Texas, der Heimat von Präsident George W. Bush, wird jeder Sitz im Kongress heiß umkämpft. ARTE-Reporter Lars Köhne begleitete zwei ehemalige Soldaten im Wahlkampf, die im Irak-Krieg gekämpft haben und mit sehr unterschiedlichen Plänen in die USA zurückgekehrt sind. Während David T. Harris in Arlington als ehemaliger Angehöriger der Elitetruppe US Rangers einen sofortigen Zeitplan zum Truppenrückzug fordert, hält es der ehemalige US Marine Van Taylor 100 Meilen weiter südlich im Wahkreis 17 für unbedingt erforderlich, dass die Truppen im Irak verstärkt werden, der „Job soll endlich erledigt“ werden. Der Wahlkampf der beiden Veteranen hat gezeigt, dass die materiellen Voraussetzungen für die beiden Kandidaten ungleicher nicht sein können: während der Republikaner mit Wahlkampfspenden in Millionenhöhe aus Washington versorgt wird, muss der demokratische Bewerber seinen Wahlkampf aus eigener Tasche finanzieren.
Kalifornien : Schwarzenegger, der Ökonator
Von Thierry Vivier – ARTE GEIE / Agence Capa – Frankreich 2006
Wie bleibt man Wahlsieger im Westküstenstaat Kalifornien? Offenbar genügt es, ein Hollywoodstar zu sein wie Ronald Reagan oder Arnold Schwarzenegger - und obendrein noch die richtige Wahlkampfstrategie zu haben.Der Terminator bereitet sich auf sein zweites Mandat vor und scheint sich vom Terminator zum Öko-Nator gewandelt zu haben. Nicht nur, dass er sich in Umweltfragen offen von „seinem“ Präsident Bush distanziert und dessen Verweigerung des Kyoto-Protokolls kritisiert: Schwarzenegger kämpft engagiert gegen den Treibhauseffekt und verspricht aus Kalifornien einen Vorzeigestaat zu machen. Sowohl Demokraten wie Republikaner stehen hinter seiner Initiative, ebenso wie ein Großteil der Kalifornier selbst.
Traumatisiert von den steigenden Benzinpreisen und dem Film von Al Gore haben die Kalifornier offenbar das Thema Umwelt als einigendes Element für sich entdeckt. „Öko“ gilt als chic im Sunshine-Staat – und als erstes müssen offenbar die Spritfresser dran glauben. Die Verkaufszahlen für große Geländewagen sind im Keller – die Käufer stürzen sich auf kleinere Hybridautos oder testen Alternativen wie Bio-Diesel und Pflanzenöl als Treibstoff. Auch Arnold Schwarzenegger surft auf dieser grünen Welle: Er zeigt sich demonstrativ im wasserstoffgetriebenen „Hummer“.
Hinter der grünen Fassade steckt jedoch weiterhin ein strammer Republikaner. Schwarzenegger fährt eine konservative Wirtschaftspolitik und ist voll auf der Linie von George Walker Bush, wenn es um Gesellschaftsthemen wie Homosexuellen-Ehe oder Todesstrafe geht.
Sein Herausforderer Phil Angelides seinerseits setzt auf die Karte „Mister Jedermann“. Kleine Brille, braune Krawatte und weitgehend ohne Charisma. Beim einzigen dreistündigen Fernsehduell zwischen ihm und Schwarzenegger sah es so aus, als würde Angelides mehr der Form halber kandidieren, als aus wahrer Überzeugung Wahlkampf machen.
Schwarzenegger dagegen verfügt in den Umfragen über einen satten Vorsprung von 15 Prozent, und wenn alles glatt geht, wird der Terminator auch für die nächsten vier Jahre sein Gouverneursamt weiter innehaben.







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Nicaragua: Sandinist Daniel Ortega kandidiert wieder
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