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28/02/08

Die Stimme der Henker

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Jonathan Littells Werk „Die Wohlgesinnten“ sorgte seit 2006 europaweit für Aufsehen. Anlässlich der deutschen Erscheinung geht ARTE der Buchsensation auf die Spur. Über einen umstrittenen Roman.

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Am 6. November 2006 erhält Jonathan Littell den Prix Goncourt. Die Verleihung des wichtigsten französischen Literaturpreises ist für den jungen Amerikaner die Krönung einer literarischen Karriere, die keine drei Monate alt ist – ein fulminanter Senkrechtstart. Vor der Veröffentlichung seines auf Französisch verfassten Romans „Les Bienveillantes“ („Die Wohlgesinnten“) war der Autor völlig unbekannt. Einen frühen, auf Englisch publizierten Science-Fiction-Roman, „Bad Voltage“, will er heute nicht mehr gelten lassen – „erstes literarisches Werk“ steht auf dem Umschlag von „Les Bienveillantes“. In Frankreich glich die Rezeption des 912 Seiten langen Wälzers einem rasanten Crescendo. Erst auf der Mundpropaganda begeisterter Buchhändler und Leser basierend, wurde der Erfolg bald durch die Kritik verstärkt. Außerliterarische Faktoren verwandelten das Buch-Phänomen rasch in ein massenmediales Ereignis: Littells ungewöhnliche Biografie; Gerüchte, ein anderer sei der wahre Autor des Romans; Schwierigkeiten des Verlags Gallimard, die Nachfrage zu befriedigen – eine Zeit lang musste sogar Papier, das für den Druck von „Harry Potter“ dienen sollte, für „Les Bienveillantes“ abgezwackt werden. Die Verleihung des Prix Goncourt machte Littell schließlich – gegen seinen Willen – zum Supermann des Bücherherbstes 2006.

Der Inhalt des Romans ist gewiss außergewöhnlich: „Les Bienveillantes“ präsentiert sich als Lebensbericht des fiktiven SS-Offiziers Max Aue, der von der Ukraine über Stalingrad, Auschwitz und Paris bis zum Führerbunker etlichen realen Figuren des NS-Regimes und namentlich den Hauptprotagonisten der Judenvernichtung begegnet. Eine derart heikle Geschichte, noch dazu aus der subjektiven Perspektive eines Henkers erzählt, zeitigte zwangsläufig eine Flut von Kritiken. Der Vorwurf, es sei pietätlos, den Holocaust als Romansujet gewählt zu haben, lässt sich jedoch vom Tisch wischen, Künstler scheren sich nicht um derlei Verbote. Ebenso an der Sache vorbei zielt die Entgegnung, dass allein ein Jude so etwas schreiben dürfe: Littell stammt von russischen Juden ab, die vor den großen Pogromen nach der Ermordung von Alexander II. in die USA geflohen waren.

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Erstellt: 20-02-08
Letzte Änderung: 28-02-08


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