Die Ausrüstung des „T-Ford“ war spartanisch: Wasserpumpe und Ölfilter fehlten beim Motor, ebenso Benzin- und Ölpumpe. Auch ohne Stoßdämpfer, Rückspiegel, Ersatzrad und Fahrtrichtungsanzeiger kam die Tin Lizzy aus. Dafür war die Qualität der Teile, auf die es ankam, hervorragend. Reparaturen waren einfach, die Unterhaltskosten gering. Die Nachfrage war nicht ohne Grund gigantisch, denn auch der Einkaufspreis des am Fließband gefertigten Automobils war erschwinglich: kostete die Tin Lizzy im Jahr 1908 noch 850 Dollar, so war 1922 das billigste Modell T für nur 295 Dollar zu haben.
Die Zubehörindustrie profitierte gewaltig. Bis zu 5000 Zubehörteile soll es für das so sparsam ausgerüstete T Modell gegeben haben, die auch über Kataloge beim Versandhandel bestellt werden konnten. Das beliebteste Zubehörteil war die sogenannte „Rocky-Mountain-Brake“. Mit dieser Außenhandbremse an der Hinterachse war schnelleres Bremsen möglich als mit der sonst üblichen Methode, den Rückwärtsgang einzulegen.
Die Karosserie war in vielen Varianten verfügbar, vom oben abgebildeten Pick-Up wurden allerdings nur 9000 Exemplare von 1922 bis 1924 produziert – eine sehr geringe Menge in Anbetracht der Tatsache, dass zeitweise 9000 „Tin Lizzies“ pro Tag gefertigt wurden. Nur zwei Pick-Ups sind bis heute in Europa erhalten. Einer davon ist der ganze Stolz von Wilfried Thomas. Sein Pick-Up wurde 1922 in den USA produziert und 1924 von einem Auswanderer nach Schweden überführt. Vor 23 Jahren holte er den Oldtimer nach Deutschland. Natürlich ist sein bestes Stück schwarz, denn zwischen 1915 und 1925 wurde nur in dieser Farbe produziert: Das beschleunigte die Fertigung, da nur eine Lackierstraße benötigt wurde und Black Japan Enamel am schnellsten trocknete. Wilfried Thomas ist mit seinem Pick-Up noch viel unterwegs, nicht nur zu Oldtimershows, sondern auch zum Baumarkt: Schließlich macht die Ladefläche seiner alten, aber robusten Tin Lizzy sie nach wie vor zum Nutzfahrzeug.

Geschichte - Marken - Technik
von Halwart Schrader
Verlag: Motorbuch Verlag
Juni 2007
ISBN-10: 3613027348
ISBN-13: 978-3613027343

Für das erfolgsverwöhnte Ford T-Modell kam das Aus, als beim Verbraucher der Ruf nach mehr PS, mehr Fahrkomfort und einer besseren Ausrüstung laut wurde. Als die Verkaufszahlen sanken, präsentierte Henry Ford zwar noch eine zeitgemäßere Version, aber es blieb ein T-Modell. Die Reaktion damals: „Zu klein, zu spät. Du kannst eine Scheune anstreichen, aber es bleibt immer eine Scheune und wird kein Wohnzimmer („Too little, too late. You can paint up a barn, but it’s still a barn, not a parlor“).”
Das Rätsel ist nun beendet. Unsere Frage lautete: Wann lief das letzte T-Modell vom Band?
Vielen Dank fürs Mitmachen und herzlichen Glückwunsch an Herrn Schneider aus Coesfeld, der wusste, dass 1927 das Aus für die Tin Lizzy kam und bei der Verlosung unter den richtigen Antworten ausgewählt wurde. Er bekommt ein Exemplar des "Oldtimer-Lexikons".







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