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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 22. Mai 2008 - 20/05/08

Die Unbekannte

Ein Film von Giuseppe Tornatore


Hoch ambitionierter Thriller im Film Noir-Stil

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Italien 2006, 118 Min.
Mit Xenia Rappoport, Michele Placido, Claudia Gerini, Pierfrancesco Favino

Synopsis: Die Osteuropäerin Irina kommt mit einem Koffer voller Geld in eine italienische Kleinstadt. Trotz ihres Reichtums will sie unbedingt als Putzfrau in einem ganz bestimmten Haus arbeiten, das sie von ihrer neu angemieteten Wohnung im Visier hat. Doch was will sie? Wo kommt sie her? Bald schon holt sie ihre finstere Vergangenheit ein...

Kritik: DIE UNBEKANNTE beginnt als mysteriöser Thriller mit eben dieser Unbekannten. Der Zuschauer bekommt häppchenweise Informationen über die Vergangenheit von Irina geliefert, aus denen er sich selbst die Lösung zusammen puzzeln darf. Das ist erst einmal interessant anzusehen. Sehr kurz gehaltene Fetzen ihrer grausamen Vergangenheit als Zwangsprostituierte mischen sich mit ihren Ermittlungen über die Familie Adacher. Nachdem sie sich als Putzfrau im Haus einen guten Namen gemacht hat, will Irina eine Stelle als Haushälterin bei der Familie Adacher haben, um jeden Preis. Um ausgewählt zu werden, lässt sie sich sogar dazu herab, den Müll der Adachers auszukundschaften, um die Essgewohnheiten der Familie zu studieren, um diese anschließend mit ihren Lieblingsspeisen verwöhnen zu können.

Man ahnt, dass ihre Besessenheit mit dem kleinen Mädchen der Adachers zusammen hängen muss. Irina kümmert sich auffällig intensiv um sie. Die kleine Tea sieht ihr mit ihren lockigen braunen Haaren zum Verwechseln ähnlich. Mit wenig Dialog, klassisch schönen Einstellungen im Stil des Film Noir von Kameramann Fabio Zamarion und der unverwechselbaren eingängigen Musik von Ennio Morricone beginnt DIE UNBEKANNTE wie ein klassischer Thriller.

Doch Giuseppe Tornatore will mehr. Er will nicht nur einen Thriller, er will auch ein bewegendes Drama gespickt mit Sozialkritik schaffen. An seiner Ambition scheitert der italienische Regisseur. Dennoch wurde DIE UNBEKANNTE mit dem Publikumspreis als "Bester Film" beim Europäischen Filmpreis und mit fünf italienischen Filmpreisen, den "David di Donatella" ausgezeichnet, für den "Besten Film", die "Beste Regie", die „Beste Musik", die „Beste Kamera" und die "Beste Hauptdarstellerin".

Die Russin Xenia Rappoport überzeugt in der Rolle der gepeinigten Frau, die auf Rache sinnt und gleichzeitig ihr Leben endlich in den Griff bekommen möchte. Es gelingt Giuseppe Tornatore im ersten Teil eine intensive Spannung aufzubauen, die Assoziationen an Hitchcock weckt, doch zerstört er diese im zweiten Teil des Films mit Actionsequenzen, die konstruiert wirken und nicht überzeugen können. Schade, denn Tornatore arbeitet schon seit 1987 an dieser Geschichte, die (leider) immer noch aktuell ist. Auch aus moralischer Perspektive ist sein Film schwierig. Ging es dem schwedischen Regisseur Lukas Moodysson bei seinem düsteren Drama LILYA 4-EVER wirklich um das Schicksal der ungezählten Zwangsprostituierten, so nutzt Tornatore das fiktive Schicksal Irinas nur als Hintergrund für seinen Thriller und stellt dieses bisweilen allzu voyeuristisch in Form von Männerfantasien aus.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 20-05-08
Letzte Änderung: 20-05-08