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23/03/03

Die Verkündigung

ANNONCIATION
ANGELIN PRELJOCAJ

Sonntag, 11. Mai 2003, um 20.15 Uhr!

Uraufführung 1995
Stück für zwei Tänzer
Dauer: 20 Minuten









Choreografie: Angelin Preljocaj
Musik: Stéphane Roy (Crystal Music), Antonio Vivaldi (Magnificat)
Interpretation: Ensemble international de Lausanne
|Orchestre de Chambre de Lausanne
Musikalische Leitung: Michel Corboz
Szenografie: Angelin Preljocaj
Kostüme: Nathalie Sanson
Licht: Jacques Chatelet
Notierung: Dany Lévêque


ANNONCIATION

Die Choreografie entstand am TNDI - Châteauvallon
Uraufführung an der Lausanner Oper (Schweiz)
Musikalische Leitung: Dominique Meyer
Produktion: Ballet Preljocaj

Die Choreografie wurde 1997 beim 13. New York Dance & Performance Award mit dem Bessie Award ausgezeichnet.

„Was beinhaltet die Verkündigung? Was soll dieses religiöse Gründungsereignis in uns wach rufen?

Zwar haben zahlreiche Maler seit 2000 Jahren die vielen widersprüchlichen Symbole der Verkündigung immer wieder behandelt, doch erstaunlicherweise kommt höchst körperbezogene Thematik in der Choreografie praktisch nicht vor. Und dabei geht es hier um etwas Faszinierendes.
In der traditionellen Ikonografie wird Maria oft in einem eingefriedeten Garten dargestellt, der ihre Jungfräulichkeit symbolisiert und ihre geschlossene innere Welt widerspiegelt.

Mit dem Eindringen des Engels in diese Sphäre wird die Umstellung, die sich in Marias Körper vollzieht, angekündigt. Daher haben viele Künstler Zweifel, Unruhe, ja sogar Auflehnung in die Haltung der Jungfrau gelegt, auch wenn Maria die Verkündigung dem Bibeltext zufolge gelassen annimmt.
Diese merkwürdige Gleichzeitigkeit von Unterwerfung und Auflehnung, diese Explosion von Raum und Zeit zeigen an, dass sich der biologische Befruchtungsvorgang im Moment der Verkündigung vollzieht. Wir befinden uns also im Empfängnisakt.

Auch beim künstlerischen Schaffen geht die Botschaft in einem gleitenden Prozess vom Virtuellen zum Realen über. Ist das, was heute „Konzeptkunst“ genannt wird, nicht weniger eine abgeschlossene Kunst als vielmehr die Verkündung einer neuen, die Verkündung einer zukünftigen Kunst?“

Angelin Preljocaj

PRESSESTIMMEN

Eine Kathedrale für Angelins Engel

„Der Choreograf hat ein starkes, dramatisches Stück konzipiert, das die süßlich-naive Bildersprache der sulpizianischen Verkündigungen weit hinter sich lässt.
Die beiden Frauen stehen übrigens in einer vielschichtigen und zweideutigen Beziehung zueinander. Ihre Haltungen sind schön und bildhaft: Die sitzende Jungfrau ist bestürzt, und der knieende Engel, der stets einen Finger gen Himmel streckt, erinnern an die italienische Renaissance, obwohl die beiden Tänzerinnen Julie Bour, die verstörte Jungfrau, und Claudia de Smet, der lichtbringende Engel, moderne kurze Kleider tragen. Angelin Preljocajs choreografische Sprache ist facettenreich, sehr ausdrucksvoll im Spiel der Gesichter, elegant und erfinderisch in der Gestik der Arme und Hände ...“

René Sirvin
Le Figaro, 31. Juli 1996

Die gnadenreiche Jungfrau Maria, geheiligt vom Choreografen Angelin Preljocaj

„An dem meisterhaften Übergang von äußerst sinnlichen Umarmungen zu abrupten Gesten zeigt sich Preljocajs ganze Begabung. Im Wechselspiel zwischen Menschlichem und Göttlichem ist nichts dem Zufall überlassen. Schon gar nicht die Verwendung von Klischees aus überlieferten Verkündigungsbildern ... Der Choreograf will das Symbol nicht brechen, sondern er bereichert es um eine grundlegende Dimension: die komplexen menschlichen Gefühle. Die Verkündigung hat die Kraft des Liebesaktes oder der Geburt. Diese Mischung aus Ekstase und Schmerz geht unter die Haut.“

Sonia Leval
Le Journal de Genève, 28. September 1995
„L’Annonciation hat sich eines der heiligsten Themen der katholischen Ikonografie bemächtigt und es gegen den Strich gebürstet. Das Erstaunen der Jungfrau Maria, als sie die Nachricht von ihrer unverhofften Schwangerschaft vernimmt, ist ein Moment erhabener Offenbarung: Claudia de Smets sinnlicher Engel und Julie Bours sinnliche Maria verbindet mehr als ein wenig Anziehung zueinander. Die postorganische Mattigkeit des Engels, die bewegende Ambivalenz der Jungfrau am Ende des gesegneten Ereignisses sind unvergessliche, sexuell komplexe Bilder.
Octavio Roca
San Francisco Chronicle (U.S.A.), 3. Oktober 1998

Erstellt: 14-09-04
Letzte Änderung: 23-03-03