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07/04/06

Die Vogelgrippe

Ein Virus auf dem Vormarsch


Primär eine Tierseuche
Die Vogelgrippe ist eine primär eine Tierseuche. Das gefährliche daran: inzwischen können auch Menschen daran erkranken und sterben. Erstmals erkannt wurde dies 1997 beim Ausbruch der Vogelgrippe in Hongkong. Bis heute registriert die Weltgesundheitsorganisation fast 100 Todesfälle rund um den Globus. Bisher hat sich noch kein Mensch in Europa mit dem Vogelgrippe-Virus angesteckt. Als Übertragungsweg gilt allerdings enger Kontakt zu Lebendgeflügel, denn der Erreger wird durch Hühnerkot, aber auch Augen- und Nasensekret, Speichel der Tiere oder Federstaub übertragen.

Verzehr von Hühnerfleisch und Eiern?
Den Verzehr von durchgegartem Fleisch halten Experten bisher für ungefährlich. Virologen empfehlen, die Schale von Rohen Eiern, Hände und Geschirr mit Seife abzuwaschen. Das Virus sei so labil, dass es eine Seifenbehandlung meist nicht überlebe.

Wie gefährlich ist das Virus für Haustiere?
Im Februar 2006 steckte sich in Deutschland eine Katze an. In Risikogebieten sollen Hunde angeleint und Katzen nicht ins Freie gelassen werden. Außerdem wird zu Hygiene im Umgang mit Tieren geraten. Nach jedem Kontakt sollten die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden.

In den bereits betroffenen Gebieten sollte man beim Kontakt mit Vogelkot vorsichtig sein. Das Virus kann zwar an der Außenluft nur für eine bestimmte Zeit überleben. Auch wenn keine vollständige Entwarnung gegeben werden kann stufen Experten Alltagskontakte in nicht - Risikogebieten mit Vogeldreck auf der Windschutzscheibe oder unter den Schuhen als eher unbedenklich ein. Bei einem Kontakt mit Exkrementen von Vögeln sollten die Hände gründlich mit Seifenlauge gereinigt werden.

Das Virus H5N1
Der gefährliche Erreger besitzt spitze Stacheln, sogenannte Hämoglutinin-Spikes. Das sind spezielle Eiweiße, mit denen das Virus Körperzellen aufspürt, in denen es sich gut vermehren kann, z.B. die Zellen der Atmungsorgane. Das Virus heftet sich in Sekundenbruchteilen an die Zelle und durchdringt – praktisch unbehelligt durch das Immunsystem – die Zellmembran. Nun gibt es für die infizierte Zelle keine Rettung mehr. Die Virushülle löst sich auf und setzt das Erbgut des Erregers frei. Die Wirtszelle wird durch die Erbinformation des Virus regelrecht gezwungen, neue Viren zu produzieren. Bis zu 100.000 Stück. Eine Virenfabrik entsteht. Mit dem Freisetzen dieser Virenflut werden immer neue Körperzellen angesteckt und schließlich zerstört.
Besonders gefährlich: Das Virus ist anpassungsfähig. Es ändert ständig sein Gesicht.

Eines fürchten Experten besonders: infiziert das Virus der Vogelgrippe eine Person, die bereits ein normales, menschliches Grippevirus in sich trägt, könnte es zu einer gefährlichen Neukombination der Erreger kommen. Das Vogelgrippe-Virus könnte dann aus der Erbsubstanz des menschlichen Virus die Fähigkeit erhalten, sich von Mensch zu Mensch zu verbreiten. Das neue Virus wäre gefährlich wie die Vogelgrippe und so ansteckend wie die menschliche Influenza. Eine weltweite Epidemie - die Pandemie, wäre die Folge.

Kann man sich gegen H5N1 impfen lassen?
Weltweit wird an einem Impfstoff gegen H5N1 für Menschen und Tiere geforscht. Noch ist kein Impfstoff für Menschen auf dem Markt.
Der normale Grippeimpfstoff bietet gegen die Vogelgrippe keinen Schutz. Experten raten aber, sich gegen Grippe inpfen zu lassen. Wenn möglichst viele Menschen gegen die herkömmliche Grippe geimpft sind, hat der Erreger eine geringere Chance sich mit einem normalen Grippevirus zu verbinden. D.h. eine Neukombination könnte verhindert werden.
Die einzigen Medikamente, die derzeit gegen das Virus wirken, stehen für den Fall einer Pandemie noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Doch man hofft, damit die Zeit überbrücken zu können, bis ein Impfstoff bereit steht. Daran wird fieberhaft gearbeitet. Von einer Selbstmedikation mit diesen Medikamenten raten Experten ab, da sie zu Nebenwirkungen führen können und nur durch Ärzte verabreicht werden sollen.


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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 11. April 2006 um 14.00 Uhr
Redaktion: Heidemarie Petters
Koproduktion ZDF-ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 07-04-06
Letzte Änderung: 07-04-06