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360° - GEO Reportage

Die Reportagereihe zeigt die aufregende Arbeit und den spannenden Alltag außergewöhnlicher Menschen.

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Die Reportagereihe zeigt die aufregende Arbeit und den spannenden Alltag außergewöhnlicher Menschen.

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360º - Geo Reportage - 17/12/09

Drehbericht - Saint Helena, vergessen im Atlantik

Ein Film von Karl Alexander Weck


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Eine Reise bis ans Ende der Welt? Nicht ganz, aber abgelegener kann eine bewohnte Insel auf unserem Planeten kaum sein.

Eine Reise bis ans Ende der Welt? Nicht ganz, aber abgelegener kann eine bewohnte Insel auf unserem Planeten kaum sein. St. Helena liegt mitten im Südatlantilk – irgendwo zwischen Brasilien und der afrikanischen Küste. Erstaunlich, dass dieses felsige Eiland es so zu Weltruhm bringen konnte. Und doch war die Lage das entscheidende Kriterium, um den berühmtesten Bewohner der Insel bis zu seinem Lebensende dorthin zu verbannen. Napoleon starb hier im Jahre 1821 und setzte St. Helena erst durch seine Leidenszeit auf die Landkarte der Geschichte. Es geht in diesem Film aber weniger um den kleinen großen Ex-Kaiser der Franzosen, sondern um die Menschen, die seit Jahrhunderten sein Schicksal der ultimativen Isolation als freien Untertanen der britischen Krone teilen – die Einwohner von St. Helena, auch Saints genannt.
 
Heute liegt St. Helena einfach nur noch im Abseits.

Die Geschichte der Insel ist also seit ihrer Besiedlung eigentlich in erster Linie die der seiner Bewohner, vergessen vom Rest der Welt – mit oder ohne Napoleon in den Annalen. Im Grunde hat sich an ihrer Situation seit Napoleons Zeiten nicht großartig verändert – im Zweifel ist die Situation der Saints vielleicht sogar noch schlimmer geworden. Bis zum Bau des Panama-Kanals lag die Insel zumindest noch auf der Route vieler Schiffe auf dem Weg um Afrika. Heute liegt sie einfach nur noch im Abseits. Ein einziges Schiff läuft die Insel noch halbwegs regelmäßig an – der letzte Postfrachter der britischen Königin – RMS St. Helena. Mit ihm kommt nicht nur alles auf die Insel was man dort am nötigsten zum Leben braucht, sondern auch heimkehrende Saints, hin und wieder ein paar Touristen und alle Jubeljahre mal – ein Kamerateam.
 
Das hatte natürlich eine Geschichte zu erzählen – basierend auf Recherchen, die man so über St. Helena anstellen kann. Klar – Napoleon gehört dazu. Kein Film über diese Insel, ohne das skurrile, tragische Ende des einstigen Herrschers über halb Europa auf einem Feldbett im hintertesten Winkel des Empires seines Erzfeindes. Die aktuelle Erweiterung und der Aufhänger sollte der Bau eines Flughafens werden, den die britische Regierung nach zähem Ringen ihren 4000 verbliebenen Untertanen auf der Insel jüngst versprochen und nach Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise vorerst wieder gestrichen hat. Der Flughafen sollte Symbol der Überwindung der Isolation werden – endgültig den Fluch beenden, der schon Napoleon ein einsames Grab bescherte. Viele Hoffnungen waren daran geknüpft – auch auf ein wirtschaftliches Überleben von St. Helena aus eigener Kraft. Die Geschichte dieser Hoffnungen und des schweren Dämpfers, den sie durch den Abbruch der Planungen erhalten haben sollte erzählt werden. Die Protagonisten waren ausgemacht und die Bühne bereitet. Und doch kam es anderes und die ursprünglich geplante Geschichte wurde nur ein Teil der Geschichte, die den Film am Ende ausmacht.
 
Wie so oft bei der Entstehung von Dokumentarfilmen spielt der Zufall eine Rolle und schafft dramaturgische Querverbindungen, wie sie kein fiktionales Drehbuch besser erreichen könnte. Das einzige Schiff, das die Insel erreicht bringt nicht nur Versorgungsgüter aller Art und unsere gewünschten Protagonisten, sondern auch einen Sarg – mit dem Körper von Brian Thomas. Mit an Bord seine Witwe Winnie und seine kleine Tochter Annalise. Es war nicht geplant - wie sollte es auch - und dennoch wie geschaffen für eine hochemotionale Geschichte. Sie zu realisieren, der Moment sie spontan zu integrieren, waren viel schwieriger als all die aufwändigen Vorbereitungen der ursprünglichen Geschichte. Wildfremde Menschen in tiefer Trauer um die Gunst zu bitten sie in ihren schwersten Stunden  zu begleiten, war die größte Herausforderung auf dem langen Weg nach St. Helena und bei den Dreharbeiten vor Ort. Dass dem Team diese Gunst gewährt wurde hat einen Film entstehen lassen, der nicht nur das Team sehr berührt, sondern auch die ursprüngliche Geschichte relativiert hat.
 
Winnie und Annalise haben ihren geliebten Brian nach Hause gebracht, um ihn auf seiner Heimatinsel zu begraben – mit seiner Familie und seinen Freunden. Es gibt also nicht nur die Flucht von diesem abgelegenen Ort, der trotz seiner vielfältigen Schönheit durch seine Isolation abschreckt, sondern auch die Liebe bis in den Tod zu diesem Felsen im Südatlantik und dem einsamen Leben hier. Die Franzosen haben die sterblichen Überreste von Napoleon 1840 schließlich heimgeholt – nach Paris. Brian Thomas liegt nicht weit entfernt vom Ex-Grab des Ex-Kaisers und ist auch wieder daheim. Über beide wurde im Tode verfügt im Glauben mit Heimaterde dem letzten Willen der Verstorbenen Genüge zu leisten. In beiden Fällen steht St. Helena im Mittelpunkt. Was für den einen die Hölle aus der er gerettet werden muss ist für den anderen das Paradies – alles nur eine Frage der Perspektive mitten im Südatlantik.
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360° - GEO Reportage
Saint Helena, vergessen im Atlantik
(Frankreich, Deutschland, 2008, 52mn)
ARTE

360° - Geo Reportage
Dienstag 10. Januar 2012 um 07.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Deutschland, 2009, 53mn)
ARTE

Erstellt: 08-12-09
Letzte Änderung: 17-12-09