Wiederkehr nach 30 Jahren
Damals war es noch eine Sowjetrepublik und man war stolz darauf, dass es gelungen sei mit einer alten Tradition der Kirgisen, dem Nomadentum zu brechen. Anstelle ewiger Wanderschaft mit ihren Jurten lebten sie nun sesshaft in Häusern aus Stein und arbeiteten in Staatsbetrieben und Genossenschaften. Der Held unseres Films, der kirgisische Hirte Bachit erinnert sich, die Arbeit wurde leichter, jeder bekam den gleichen Lohn, unabhängig davon ob er schlecht oder gut arbeitete oder überhaupt nicht, so war das. Zwar leben die Kirgisen immer noch in ihren Häusern aus Stein und möchten sie auch nicht missen, aber wer sich heute eine Zukunft auf dem Lande schaffen will, muss wieder zu den alten vergessenen Traditionen seiner Vorfahren zurückfinden. In Jurten und mit ihren Viehherden über die Bergweiden ziehende Kirgisen erleben heute wieder als moderne Nomaden eine Renaissance.
Das war für mich eine Überraschung.
Nichts gegen alte russische Autos
Den 4. Mai in Moskau gegen 22 Uhr abgeflogen und nach nur vier Flugstunden am nächsten Morgen erst um 05.30 Uhr in Bishkek der Hauptstadt Kirgistans gelandet. Der Flug gegen die Zeit machte das möglich. Zu unserer Freude stand schon ein alter Armee- und Expeditions-LKW GAS 66, noch aus sowjetischer Produktion vor dem Flughafengebäude. Er wurde für die nächsten drei Wochen unsere fahrbare Basisstation, wenn nötig auch unser Hotel. Was Kraftfahrer Juri aus dem alten Wagen herausholte hatte uns oft in Erstaunen versetzt. Ob durch tief Flüsse, über steile hohe Berge oder tief abfallende Hänge, dass mir oft Himmel, Angst und Bange wurde, brachte er uns, meist mit einem heitern Liedchen oder pfeifend, sicher und ohne einmal mit dem Wagen stecken oder hängen zu bleiben, sicher ans Ziel.
Dafür sei ihm hier nochmals gedankt.
Drehort Hubschraubernase
Die Mitarbeiter des GFZ Potsdam, Prof. Dr. Echtler und Dr. Wetzel gaben uns die Chance sie bei ihren Erkundungsflügen durch das Tien- Shan- Gebirge zu begleiten. Es liegt in Zentralasien und ist in seiner Ausdehnung fünf mal größer als unsere Alpen mit Gipfeln von über 7000 m auch fast doppelt so hoch. Um diese einmalige Chance optimal zu nutzen installierten wir ein Kamera außerbords, wie auch schon bei unseren Filmaufnahmen auf Kamtschatka. Doch leider brachten die starken Winde im Tien-Shan sie immer wieder in starke Vibrationen, so dass die Bilder, die sie lieferte, nicht sendbar waren. Auf unserem Monitor im Hubschrauber mussten wir das schon sehr zeitig feststellen. Die für unsere Probleme sehr aufgeschlossenen kirgisischen Piloten schlugen vor, dass sich der Kameramann einfach zwischen ihre Beine quetscht und sich in die enge Nasenspitze des Hubschraubers zwängt. Dort lag dann unser russischer Kameramann Juri Burak insgesamt über vier Stunden. Über Monitor habe ich die Aufnahmen unmittelbar mitverfolgen können und mit Hilfe einer alten Sprechgarnitur aus einem ausgemusterten russischen Militärhubschrauber (Kopfhörer mit integriertem Mikrofon), die ich für solche Zecke immer mit dabei habe, konnte ich über das Bordnetz mit dem Piloten sprechen und ihn bitten, die Führung des Hubschraubers unseren Wünschen anzupassen. So entstanden die sensationellen Bilder von den schmelzenden Gletschern im Tien-Shan. Juri Burak unser ausgezeichneter Kameramann aus Moskau, der schon mit mir über heiße Vulkankegel kletterte, in Lachsseen tauchte, sich mit seiner Kamera bis auf drei Meter ausgewachsenen Kamtschatkabären näherte und von arktischen Eisschollen aus bugsierende Atomeisbrecher drehte, ist solche Strapazen gewöhnt. Im Tien-Shan entstand unser 5. gemeinsame Geo-Reportage. Und ich hoffe sehr, ihr werden noch weitere folgen.







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