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Indien 2025...

Wird Indien in 20 Jahren zu einer neuen Supermacht? Vergleich Indien - China, Interview, Videos.

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10/09/08

Indien und China – neue Giganten?

Indien und China haben sich früher immer nur misstrauisch als potenzielle Konkurrenten auf dem Weltmarkt beäugt. Doch inzwischen können es sich die beiden Wirtschaftsmächte nicht mehr erlauben, einander zu ignorieren oder zu befehden. Das Wirtschaftswachstum läuft in beiden Nationen auf Hochtouren.

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Das 21. Jahrhundert gehört Indien und China. An dieser Erkenntnis besteht angesichts der boomenden Wirtschaft in den beiden asiatischen Riesenländern kein Zweifel mehr. Seit etwa zehn Jahren liegen die jährlichen Wachstumsraten in China bei 9 bis 10 % und in Indien bei 6 %.
Alle Zahlen bestätigen es: Indien und China sind nicht nur geografisch betrachtet Riesennationen, sondern mit jeweils mehr als einer Milliarde (2025 in Indien voraussichtlich 1,5 Milliarden) Einwohnern auch Bevölkerungsriesen, noch dazu mit einer jungen Bevölkerung (wegen der chinesischen Ein-Kind-Politik ist der Altersdurchschnitt dort allerdings nicht ganz so niedrig wie in Indien).

Indien im Wandel – ein Modell macht auf sich aufmerksam
Indien – vielleicht auch, weil es mehr als China manchmal rätselhaft, schillernd, geheimnisumwoben, ja bedrohlich erscheint – ist für viele Entwicklungs- und Schwellenländer ein echtes Modell. Nicht wenige sprechen sogar vom „indischen Wunder“, ganz ähnlich wie früher vom „amerikanischen Traum“. Indien befindet sich heute im Wandel, demokratische Verhältnisse sind nicht mehr allein das Privileg des Westens, der inzwischen schon Alterserscheinungen zeigt, und das Parlament scheint auch problemlos seine Funktion im Dienste einer Bevölkerung auszuüben, die allerdings nach wie vor stark von Armut und Elend geprägt ist

Im Januar 2006 lautete ein Programmpunkt des Davoser Wirtschaftsforums: „Indien ist überall“. Das bedeutet: Die Zeichen der Zeit sind erkannt und die Marschroute ist damit vorgegeben. Für Indien ebenso wie für China hat das Abenteuer Globalisierung begonnen, eine Entwicklung, der es sich nicht mehr entziehen kann. Die indische Gesellschaft ist ein fantastisches Versuchslabor, in dem sich deren Auswirkungen auf dieses Land, das sich mehr als „Zivilisationsstaat“ denn als Nation versteht, aus nächster Nähe studieren lassen. Unterdessen kaufen indische Superreiche die Sahnehäubchen des europäischen und internationalen Kapitalismus auf (wie z.B. Lakshmi Mittal oder Ratan Tata, der neue Besitzer der Automarken Jaguar und Land Rover), wandeln sich Städte wie Mumbai (früher Bombay) oder Bengaluru (Bangalore) zu einem neuen, ultramodernen Silicon Valley. Nicht allein dieser Aspekt ist dafür verantwortlich, dass die internationale Führungsriege der Politik auf das Land aufmerksam geworden ist und ihm vermehrt Besuche abstattet. Auch die Literatur, die Kunst oder das Kino (Bollywood) des Subkontinents finden derzeit weltweit zunehmend Beachtung.

Tata Nano: Autorevolu- tion aus Indien?
mit einem Kaufpreis von ca. 1800 Euro ist der Nano des indischen Herstellers Tata Motors ist das billigste Auto der Welt. Der Traum der neuen Mittelschicht der Schwellenländer - ein Alp- traum für die Umwelt?
Video - 12'
Der Nano, das billigste Auto der Welt
Ein weiteres Symbol für die Entwicklung Indiens und gleichzeitig Aushängeschild des technologischen Fortschritts ist der Nano, ein „Volks-Wagen“ im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der von der Tata Group produzierte Kleinwagen ist das zurzeit billigste Auto der Welt. Der Präsident des Industriekonzerns, Ratan Tata, hat das Auto, dessen Preis bei 1800 Euro liegen soll, gerade erst auf der Automobilmesse in Neu-Delhi vorgestellt. Dem europäischen Publikum wurde der Tata Nano auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert. 250.000 Stück sollen bereits in diesem Jahr produziert werden, in den kommenden Jahren werden dann voraussichtlich mindestens 1 Million Fahrzeuge jährlich vom Band rollen. Bedenkt man, dass die Mittelschicht Indiens 300 Millionen Menschen zählt (2015 geschätzt 600 Millionen), die sich im wesentlichen zu Fuß, mit Bussen oder überfüllten Zügen fortbewegen und dass nur jeder 100. Inder ein eigenes Auto besitzt, dann wird deutlich, wie sehr dieser Kleinwagen für die Inder den Inbegriff von Freiheit darstellen muss. Einer Freiheit, die Mobilität und Konsum verheißt. Sicherlich ist dies auch eine Begleiterscheinung der zunehmenden Industrialisierung Indiens, die sich allerdings, wie manche Experten meinen, auf einem gefährlichen Kurs befindet. Die Warnungen betreffen insbesondere die Umweltfolgen durch die Emission von Treibhausgasen.

China: Weltfabrik mit Mängeln
Auch China steht vor diesem Problem. Und produziert ebenso Billigautos für den mit steigendem Lebensstandard wachsenden Bedarf der Chinesen. Durch Investitionen aus dem Ausland, sein Exportgeschäft und zahlreiche weitere Faktoren befindet sich auch China gerade in einer Phase exponentiellen Wachstums. Doch die Gründe dafür, die Herangehensweise und die aktuellen Umstände sind andere als in Indien.

China ist zwar das bevölkerungsreichste Land der Erde, doch es verfügt über kein so großes Heer an jungen Menschen – sprich billigen Arbeitskräften – wie der Nachbar Indien. Die chinesische Bevölkerung überaltert zunehmend, was zum großen Teil auf die Ein-Kind-Politik zurückzuführen ist. Überdies praktiziert China keine so rigoros auf Attraktivität bedachte Steuerpolitik für Wirtschaftsunternehmen wie Indien. Steuersätze und Anreize für direkte Auslandsinvestitionen sind derzeit in Indien günstiger. Außerdem wirkt das Einparteiensystem stark hemmend auf die Modernisierung des Landes. Die Produktivität der staatlichen Unternehmen hängt vielfach vom guten Willen einiger Ministerien ab, die Entwicklung des Dienstleistungssektors – eine indische Spezialität – hat zur Zeit in China keine vergleichbaren Zukunftsperspektiven, weil Kommunikationstechnik und Managementmethoden dort noch hinterherhinken und die in staatliche Monopolbesitz befindliche öffentliche Infrastruktur – obgleich offensichtlich in besserem Zustand als in Indien – die Regierung Unsummen kostet.

Afrika - lukrativer Markt für Indien und China
Trotz der genannten Schwierigkeiten ist China auf dem besten Weg, die Handelsmacht Nr. 1 in der Welt zu werden. Seit 1979 hat Peking alles darangesetzt, um die Wirtschaft des Landes erfolgreich zu modernisieren: Die Planwirtschaft wurde zugunsten der Marktwirtschaft abgeschafft, das immense Heer von Arbeitskräften wurde mobilisiert und die Globalisierung genutzt, indem China zur Fabrik für die ganze Welt umgemodelt wurde. Die einzige, allerdings nicht unwesentliche Unstimmigkeit dabei: China wurde zur Großmacht, bevor es reich wurde, Landflucht und Urbanisierungsboom fangen gerade erst an. Wird China den Schritt vom starken Wachstum zu einer ausgewogenen Entwicklung schaffen? Wie kann es der Vertiefung der sozialen Klüfte und der Verschärfung des Regionalgefälles entgegenwirken? Ungeachtet dieser Fragen liegt auf der Hand: Das Erstarken Chinas verändert das Gefüge der Weltwirtschaft.

Jüngstes chinesisch-indisches Konfrontationsfeld ist der afrikanische Kontinent. Neu-Delhi setzt auf Kooperation und Entwicklungshilfe: Export von Reismühlen nach Niger, Bau von Hotels für die Fußball-WM 2010 in Südafrika, Autobahnbau und Einrichtung eines „Pan-African e-Network“ in Äthiopien. Das Kommunikationsnetz soll Schulen und Krankenhäusern in 53 afrikanischen Ländern einen direkten, permanenten Kontakt zu den besten Einrichtungen dieser Art in Indien verschaffen, um von deren Kompetenzen zu profitieren. Kurz: Indien will seinen Rückstand auf China wettmachen, um auf dem schwarzen Kontinent besser Fuß zu fassen, seine Produkte zu verkaufen, neue Fabriken zu bauen und eine Plattform zu schaffen, die ihm den Zugang zum europäischen Markt erleichtert. Ganz zu schweigen von den unzähligen Rohstoffvorkommen in Afrika, die für beide Wirtschaftsmächte zweifelsfrei von großem Interesse sind.

Indien genießt in der Welt bei den Menschen wie bei der internationalen Staatengemeinschaft indes ein gutes Ansehen, während China sich einige Deals nur durch Milliarden Dollar und einen extrem aggressiven Lobbyismus sichern konnte. Die Nähe Pekings zur sudanesischen Regierung, während in Darfur ein Genozid stattfindet, trübt dieses Bild noch zusätzlich.

Kann man berechtigterweise von einem indischen oder chinesischen Wachstumsmodell sprechen?
Manche Experten neigen eher dazu, die vermeintliche Überlegenheit der beiden zukünftigen Supermächte nicht so hoch anzusetzen: „Ein gefährliches Potenzial“, meint Pranab Bardhan, Wirtschaftsprofessor an der kalifornischen Berkeley-Universität, „aber zwei Länder, die mehr rückständig als mächtig sind.“ Zunächst einmal wird es darauf ankommen, schwerwiegende Probleme zu lösen, die sonst früher oder später die Entwicklung beider Länder unterminieren könnten: die extreme Armut (knapp 65 % der Menschen in Indien und in China verdienen weniger als zwei Dollar am Tag), die sehr hohe Analphabetenrate, die im Verhältnis zu Industrie und Dienstleistungssektor noch überrepräsentierte Landwirtschaft, latent schwelende soziale Krisen – vor allem in China -, ebenso wie eine alles erdrückende Bürokratie in Verbindung mit einer notwenigen, aber bei weitem noch nicht kulturell akzeptierten Marktreform.

Alexis Fricker

Fotogalerie Indien
Fotogalerie China

Erstellt: 18-04-08
Letzte Änderung: 10-09-08