08/01/10
Steuerparadies Seychellen
(Seychelles, ARTE Info, 07.11.2009) Vielleicht wären ja die Seychellen auch einmal ein guter Tagungsort für die G-20-Vertreter. Denn dort scheint tagtäglich das stattzufinden, was nach dem Willen der Finanzminister eigentlich nicht mehr passieren sollte. Die Seychellen sind ein Steuerparadies - und sie stehen auf keiner grauen oder schwarzen Liste der OECD. Eine Reportage von Fanny Lothaire.
Türkisfarbenes Wasser, Sonne, Palmen, weiße Strände - die Seychellen - DAS Urlaubsparadies im Indischen Ozean. Paradiesische Zustände nicht nur für Luxustouristen, sonderen auch für Steuerflüchtlinge.
Milliarden Euro sollen sie hier gebunkert haben. Circa 60% der Villen gehören laut Immobilienmakler Dominique Guichard "Südafrikanern, die anderen Käufer kommen aus sonstigen Ländern. Ungefähr 20% dürften Franzosen gehören, Italienern."
Dass sie ausgerechnet hier in solche Luxusimmobilien investiert haben, ist kein Zufall. Denn mit einer Offshore Firma auf den Seychellen lassen sich kräftig Steuern sparen. In der Hauptstadt Victoria haben
64.000 solche Firmen ihren Sitz. Verwaltet werden sie von etwa sechzig Treuhändern, Dominique Guichard ist einer von ihnen. Er war bereit, uns in sein Büro zu führen. Ein Schreibtisch, ein Laptop und Internet. Damit verwaltet er derzeit 800 Firmen: "Als erstes muss dieser Fragebogen ausgefüllt werden. Er enthält verschiedene Auskünfte zu der Firma. Außerdem müssen Sie uns eine beglaubigte Kopie Ihres Passes vorlegen, eine Meldebescheinigung und eine schriftliche Bankreferenz...Den Fragebogen auszufüllen und dann per E-Mail an uns zurückzuschicken, das dauert einen halben Tag. Die nötigen Kontrollen ebenso."
Kostenpunkt: einmalig 1000 Euro. Die Steuern sind mit 100 Euro im Jahr abgegolten. Und das völlig legal, denn die Seychellen stehen nicht auf der schwarzen Liste der Steueroasen. Mit 12 Staaten gibt es sogar
Abkommen zur Verhinderung von Steuerflucht.
Die einzige Kontrolle, die hier ausgeübt wird, ist die des Treuhänders und der Bank, bei der das Konto eröffnet wird. Allen internationalen Treffen zur Regulierung der Finanzmärkte zum Trotz ist das
Bankgeheimnis auf den Seychellen eine feste Institution. Vor der Kamera will sich dazu jedoch niemand äußern. Wie schleust man mit Hilfe einer Offshore-Firma Geld am Fiskus vorbei? Dieser Anwalt erklärt uns vor
versteckter Kamera wie das geht: "Sie wollen die Steuern in Frankreich umgehen? Das ist ganz einfach ! Wir gründen eine Offshore-Firma. Die ist steuerfrei. Sie transferieren Ihr gesamtes Geld hierher und nach einem Jahr oder sechs Monaten melden Sie für die Firma Konkurs an. Sie gründen eine neue Firma und stecken das Geld da hinein. "
24 Stunden nach dem ersten Termin ist die Offshore-Firma gegründet. Ein völlig legales Vorgehen. 7000 Milliarden Euro werden so alljährlich weltweit durch Steuerparadiese wie die Seychellen geschleust.
Erstellt: 08-01-10
Letzte Änderung: 08-01-10