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Geschichte aktuell in Österreich und Deutschland - 14/08/08

Mozarts Requiem und mehr

Wien und Salzburg ganz im Zeichen von Wolfgang Amadeus Mozarts 250. Geburtstag

In dem 1984 gedrehten Spielfilm „Amadeus“ von Milos Forman ist es Antonio Salieri, der das letzte Werk Wolfgang Amadeus Mozarts, das „Requiem“, inkognito in Auftrag gegeben hat. Noch mehr: Er besucht den kranken Konkurrenten und hilft ihm bei der Niederschrift des Werks. Als bunter Motivcocktail vermischen sich Neid und Bewunderung, Hass und Ehrfurcht des Durchschnittskomponisten auf den Liebling der Götter und dessen unsterbliche Musik. In der Eingangssequenz ist sogar ein dem Wahnsinn naher Salieri zu sehen, der behauptet, Mozart mit dem Auftrag des Requiems in den Tod getrieben zu haben. In Salieris Geburtsort, Legnago in Venetien, brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los – was unterstellten die Filmemacher aus Hollywood dem großen Sohn ihrer Stadt? Tatsächlich hat Antonio Salieri nichts mit Mozarts Tod zu tun, und er war auch nicht der geheimnisvolle Auftraggeber des Requiems.

Kaum ein anderes Werk der Musikgeschichte so von Geheimnissen und Legenden umgeben wie Mozarts letzte und unvollendet gebliebene Komposition, das Requiem.

Die Österreichische Nationalbibliothek in Wien zeigt zum Auftakt des Mozartjahres 2006 noch bis zum 29. Januar die Originalhandschrift dieses Werks, die zu ihren kostbarsten und berühmtesten Objekten zählt, und stellt sie in den Kontext ihrer Entstehungszeit. Das Manuskript besteht aus zwei Teilen: der vollständigen Partitur, die von dem österreichischen Komponisten Franz Xaver Süßmayr (1766–1803) ergänzt wurde, und den von Mozart hinterlassenen skizzenhaften Teilen. Diese Zweiteilung hat ihren Ursprung in der mysteriösen Entstehungsgeschichte des Werks. Der historische Auftraggeber des „Requiems“ war Franz Graf Walsegg-Stuppach. Der Graf hatte die Gepflogenheit, Werke anderer Komponisten als seine eigenen auszugeben und hielt dies auch im Falle des Requiems so, das er seiner eben verstorbenen Frau zugedacht hatte. Dies ist der historische Kern der Legende vom „grauen Boten“, der als geheimnisvoller Unbekannter bei Mozart eine Totenmesse bestellt und damit dessen eigene Todesahnungen bestätigt habe.

Die „Requiem“-Ausstellung in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien ist nur eine von zahlreichen Veranstaltungen, mit denen vor allem in Österreich der 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts gefeiert wird. Offiziell wird das Jubiläumsjahr am 27. Januar 2006 in Salzburg, dem Geburtsort des Komponisten, durch den österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer eröffnet. Nikolaus Harnoncourt und Riccardo Muti dirigieren die Wiener Philharmoniker im Großen Festspielhaus bzw. im Mozarteum. Bei den Salzburger Festspielen im Sommer werden dann alle 22 Mozart-Opern gespielt. In Mozarts wichtigster Wirkungsstätte Wien wird bereits am 8. Januar das neue Theater an der Wien eingeweiht, in dem 2006 ausschließlich Mozart-Opern aufgeführt werden.

Zwei große Ausstellungen in Wien und Salzburg

widmen sich dem Leben des Komponisten. In der Wiener Albertina ist vom 16. März bis 20. September 2006 die Ausstellung „Mozart. Experiment Aufklärung“ zu sehen. Die Ausstellung zeigt Mozarts Leben und Werk im Spannungsfeld von Aufklärung, Rokoko und Romantik. Zu sehen gibt es unter anderem bedeutende Autographen des Komponisten und Gemälde. Inhaltlich will die Ausstellung auch den Bogen in die Gegenwart spannen. Mit ausgewählten Arbeiten aus Kunst und Musik soll der sprühende Geist der damaligen Zeit lebendig und zugänglich gemacht werden.

Auch bei der Ausstellung „Viva Mozart (27. Januar 2006 – 7. Januar 2007) in der Salzburger Residenz sollen nicht nur zeitgenössische Exponate – wie Porträts, Autographen oder Musikinstrumente – gezeigt werden. Bei einer interaktiven Multimedia-Station kann der Besucher beispielsweise eine Serenade von Mozart Instrument für Instrument auseinander nehmen – und wieder zusammenfügen. Auch wie in Mozarts Zeiten getanzt wurde, erfährt man in der Ausstellung die sich insgesamt nicht nur mit dem großen Komponisten, sondern auch mit dem Menschen Mozart auseinandersetzen möchte – seiner Familie, seiner Spielleidenschaft und seiner Freude an Tanz und Kostümierung.

Weitere Publikumsmagneten werden in Salzburg Mozarts Geburtshaus und in Wien die Erlebniswelt „Mozarthaus Vienna“ rund um Mozarts Wohnung in der Domgasse 5 sein. Zentrales Element dieses neuen Treffpunkts für Musikliebhaber wird nach wie vor die vom Wien Museum betreute Mozartwohnung sein, in welcher der Komponist von 1784 bis 1787 gewohnt unter anderem „Die Hochzeit des Figaro“ komponiert hat.


Mozart in Deutschland

In Deutschland steht vor allem Augsburg, die Heimatstadt von Leopold Mozart, 2006 ganz im Zeichen des großen Komponisten. Im Mittelpunkt steht das 55. Deutsche Mozartfest vom 12. bis 28. Mai mit Konzerten, Lesungen und szenischen Aufführungen. Die Ausstellung „Mozarts Welt“ zeichnet anhand von 60 Graphiken und Autographen die Lebensstationen Mozarts nach.


Uwe A. Oster



Wir bedanken uns bei unserem Kooperationspartner

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Erstellt: 29-12-05
Letzte Änderung: 14-08-08