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18/10/05

McCarthy Biographie

Joseph McCarthy führte eine echte Hexenjagd an, die zwischen 1950 und 1954 in den Vereinigten Staaten wütete. Mehr aus Opportunismus als aus Überzeugung erklärte er den Kommunisten den Krieg und steuerte das politische Leben Amerikas bis zu dem Tag, als er die Armee angriff. Ein Fauxpas, der das Ende seiner politischen Karriere einläutete und der Öffentlichkeit sein wahres Wesen - das eines zwielichtigen und unverfrorenen Demagogen – offenbarte.

Joseph McCarthy wurde am 14. November 1908 als Spross einer mittellosen katholischen Familie irischen Ursprungs im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin geboren. „Joe“ ging mit 14 Jahren von der Schule ab, um Hühner zu züchten. Dieses Unternehmen schlug jedoch fehl; und er übernahm die Geschäftsführung eines Lebensmittelhandels. Der ehrgeizige junge Mann studierte Jura und schloss 1935 mit einem Rechtsanwaltsdiplom ab. Mit Plädoyers verdiente er jedoch weniger Geld als mit Pokern. Am meisten reizte ihn die Politik.

Zwielichtig
Im Krieg wurde er als Unterleutnant auf einer entlegenen Pazifikinsel stationiert und musste kaum kämpfen. Im Nachhinein stilisierte er sich jedoch zum Helden im Luftkrieg hoch und hatte keinerlei Skrupel, prestigereiche Medaillen für seine angeblichen Taten entgegenzunehmen. Aus der Armee entlassen, kehrte er zur Politik zurück und erhielt 1946 einen der beiden Senatorensitze des US-Bundesstaates Wisconsin. Als gewiefter Politiker zieh er bereits damals seinen demokratischen Rivalen kommunistischer Tendenzen. Sein politischer Werdegang verlief nicht geradlinig. Er war Demokrat, parteienunabhängig, dann Republikaner; man sagt ihm sogar nach, seine Kandidatur 1946 sei von den Kommunisten unterstützt worden.

Demagoge
Durch seine schillernde Persönlichkeit – er ist frohsinnig, streitsüchtig, lebenslustig - wirkte er als Mensch sympathisch. Er liebte es, geliebt zu werden. Politisch war er sehr engstirnig: ausschließlich festgelegt auf die Schlagworte Volk, Freiheit, Amerika - das heißt auf die seit einem halben Jahrhundert herrschende populistische Ideologie des amerikanischen Mittleren Westens. Er war ein zu allem bereiter Demagoge. In eigener Sache konnte er durchaus lügen und Märchengeschichten erzählen.

Politischer Opportunismus
Bis 1950 beschäftigte er sich kaum mit dem Antikommunismus. Aber aus politischem Opportunismus ergriff er die Gelegenheit, zwei Jahre vor Auslauf seines Mandats mit diesem Thema Kampagne zu machen. Die Amerikaner, die vom Zweiten Weltkrieg traumatisiert waren und vor dem Hintergrund des Kalten Krieges die Möglichkeit einer kommunistischen Unterwanderung fürchten, waren dafür bereits empfänglich.

Hexenjagd
In seiner Ansprache von Wheeling (am 19. Februar 1950) behauptete Mc Carthy (ohne echten Beweis), dass das Außenministerium 205 Kommunisten beschäftige, deren Namen er auf einer Liste führe (die er im Übrigen nie vorlegte). Dies war der Startschuss für eine heftige Kampagne zur Denunzierung des kommunistischen Einflusses innerhalb des amerikanischen Verwaltungsapparats.
Mit der Rückendeckung der Republikaner führte McCarthy an der Spitze des Untersuchungsausschusses für unamerikanische Aktivitäten eine echte Hexenjagd an. Nichts und niemand wurde verschont. Durchleuchtet wurden die politischen Instanzen Washingtons (das Weiße Haus), die Bundesangestellten, die Parlamente der Bundesstaaten, Privatunternehmen, die Spielfilmbranche und Hollywood-Persönlichkeiten. Ihren Höhepunkt erreichte die Inquisition zwischen 1950 und 1954, als Amerika einer Massenhysterie verfiel.

Offene Konfrontation
Im Herbst 1953 griff McCarthy die Armee an. Dieser unvorsichtige und arrogante Fauxpas läutete seinen politischen Untergang ein. Im Dezember 1954 wurde er vom Senat im Anschluss an eine 35 Tage dauernde offene Konfrontation zwischen den beiden Parteien verurteilt. Dem Senator wurde vorgeworfen, für David Schine, einen seiner engsten Mitarbeiter, der zum Militärdienst einberufen wurde, eine Sonderbehandlung erbeten zu haben. Die Gerichtsverhandlungen wurden im Fernsehen übertragen, dauerten 87 Stunden und diskreditierten ihn völlig. Vor zwanzig Millionen Zuschauern verriet sich McCarthy als arroganter Mann, der anderen brutal ins Wort fällt, eine unbeherrschte Aggressivität an den Tag legt und sich an den ehrenwertesten Institutionen des Landes vergreift. Das war der Anfang vom Ende der McCarthy-Ära.

Der Niedergang
Seine seit vier Jahren eingeschüchterten politischen Gegner sammelten sich. Weder Eisenhower, sein früherer Verbündeter, der im November 1952 in das höchste Amt der Vereinigten Staaten gewählt worden war, noch die Republikaner, die nach 20 Jahren demokratischer Herrschaft wieder die Mehrheit im Kongress hatten, verhinderten seinen Fall. Der McCarthy-Stil wurde jetzt als störend empfunden, und man brauchte im Wahlkampf gegen die Demokraten keine Waffe mehr.
Der von der Macht verdrängte McCarthy verfiel dem Alkohol. Er starb am 2. Mai 1957, „vergessen, wie man einen Albtraum vergisst“, so der Historiker André Kaspi. Damit war die McCarthy-Ära endgültig vorüber.

Erstellt: 17-10-05
Letzte Änderung: 18-10-05