18/10/05
McCarthyismus
In seiner berühmten Rede in Wheeling, im US-Bundesstaat Werst Virginia, behauptete Senator McCarthy am 9. Februar 1950 das amerikanische Außenministerium sei von Kommunisten unterwandert; Beweise blieb er schuldig. Doch im Kontext des Kalten Kriegs fanden seine Anschuldigungen großen Widerhall.
Diese Behauptungen, die die latente Angst der Amerikaner vor den „Roten“ schürten, machten ein offenes Vorgehen gegen Kommunisten, die dem Land schaden könnten, möglich.
Die Vereinigten Staaten verfielen in ein antikommunistisches Fieber. Der Feldzug gegen Kommunisten begann. Der unbedeutende Senator aus Wisconsin wurde Vorsitzender eines Unterausschusses des Senats und machte sich so zum Anführer einer fürchterlichen Hexenjagd (1).
Die Inquisition wütete von 1950 bis 1954. Nichts und niemand entging ihr: Betroffen waren die politischen Instanzen in Washington (das Weiße Haus), die Staatsbediensteten, die gesetzgebenden Versammlungen der Bundesstaaten, Firmen, Hollywood. Die Verurteilungen erfolgten pauschal, willkürlich und ohne echte Beweise. Viele versuchten, sich durch Denunziation und Verleumdung zu schützen bzw. zu verteidigen. Die kollektive Hysterie dauerte vier Jahre – bis sich Großinquisitor McCarthy anschickte, auch die Armee zu säubern.
Ein falscher Schritt, der seiner politischen Laufbahn ein jähes Ende bereitete und den Schlusspunkt unter ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte setzte. „Eine böse Krankheit, die das nationale Gewissen am liebsten verschweigen würde“, schreibt der französische Spezialist für die Geschichte Nordamerikas André Kaspi.
(1) In Anspielung auf die Hexenprozesse in der Kolonie Massachussets im Jahr 1692. Der Cartoonist Herblock prägte den Begriff für deren moderne Variante: McCarthyismus.
Erstellt: 17-10-05
Letzte Änderung: 18-10-05