- Die Genesis
Die Schöpfungsgeschichte der Bibel ist einfach und fantastisch: Gott erschafft die Welt in 7 Tagen. Er gibt ihr alles, was man braucht: Berge, Meere, Bäume, Tiere und zu guter Letzt den Menschen. Diese Erzählung konstruiert eine Scheinwelt, in der sich der Mensch befindet: Eine Welt nach seinem Maß, wo alles Unbekannte oder Mysteriöse, das in Erscheinung tritt, dem göttlichen Willen unterworfen oder zugeschrieben wird.
Das erste Foto des Films zeigt das Herz von Voh, das den Mythos der Schöpfung wiederspiegelt. Dieses Bild, von der Natur in einem Mangrovengebiet in Neukaledonien geschaffen, ist dem Untergang geweiht, denn das Leben in der Mangrove geht weiter. Die unabwendbaren Veränderungen schwemmen das weg, was in der Vorstellung des Menschen eine Botschaft war, in einer Natur, die er unbeweglich und perfekt haben möchte.
- Der Mensch
In der Durchquerung von unmenschlichen Wüsten zeigt sich die Stärke des Menschen. Seine Gewalt zeigt sich in der Geringschätzung der Natur.In den kargen und unbarmherzigen Wüsten Afrikas bezwingt der Mensch nur sich selbst. Er muss seine Kräfte einteilen, seinen Willen stärken und auch hinnehmen, sich den unbändigen Naturgewalten unterzuordnen. Kamele und Menschen müssen sich zum Überleben gegenseitig respektieren. Alles ist eine Frage des Rhythmus: Märsche zu Zeiten, in denen die Sonne es zulässt, die übrige Zeit wird vom Menschen bestimmt.
- Die Sinne
In Afrika, wo die ersten Menschen vor einigen Millionen Jahren lebten, hat der Mensch die Möglichkeit, zu seinen Ursprüngen zurückzukehren, den Ursprüngen seiner Sinne.
Sehen, Fühlen, Riechen, Hören, Schmecken sind die fünf absolut notwendigen Sinne, die der Mensch im Laufe seiner Geschichte zu seinem Vorteil zu nutzen lernte, die er aber auch reduziert oder verändert hat. Was sieht er? Was hört er? Wie verwendet er Sprache? Was macht er mit seiner Hand? Die Jahrhunderte vergehen und die Sinne sind immer noch die primitiven und nötigen Hilfsmittel des Menschen, um zu überleben und die Umgebung zu verstehen.
- Babel
Tokyo, aber es könnte auch Shanghai, Sao Paulo, Mexico-Stadt oder jede beliebige Millionenstadt sein, die stolz die gleichen Wolkenkratzer, die gleichen metallischen Farben, die bis in die Unendlichkeit von verspiegelten Fensterscheiben reflektiert werden, zur Schau stellt.Babel ist ein Turm, der von den Menschen gebaut wurde, um den Himmel zu erreichen. Doch der Gott der Bibel bestraft diese Sünde des Stolzes durch eine plötzliche Vermehrung der Sprachen. Die Menschen, die sich gegenseitig nicht mehr verständigen können, können den Turmbau nicht fortsetzen und die Verständigungslosigkeit führt zu Gewalt und Unruhen.
Babel ist auch Babylon, eine prachtvolle Stadt, von der die Menschen träumten, die aber auch von Neid und Habgier zerstört werden wird.
- Chaos und Ordnung
Ein Foto, das einen Fülle spüren lässt: der kanadische Herbstwald ruft eine harmonische Welt mit abgestimmten Farben hervor, in der die Bäume gewachsen sind und in der Zeit keine Rolle spielt.
Wer hätte gedacht, dass diese scheinbar perfekte Ordnung auf mitunter der größten Unordnung der Erdgeschichte steht. Der Titel des Fotos ist „der Krater von Charlevoix“. Dort hat vor 350 Millionen Jahren ein riesiger Meteorit eingeschlagen und eine gewaltige Explosion ausgelöst, von der viele glauben, dass sie das Aussterben der Dinosaurier zur Folge hatte.
„Aus der Ordnung entsteht Unordnung, aus der Unordnung entsteht Ordnung“. Der Kosmos, unser Universum, die Erde und das Leben sind nur ein Aufeinanderfolgen von Zyklen, von plötzlichen Änderungen und alles ist vergänglich.
- Zivilisationen
Die Felsfassade von Ed Deir in Petra oder der Seenpalast in Rajasthan, die roten Sandsteinfelsen des Monument Valley, die pfeilförmigen Minarette der Hagia Sophia in Istanbul sind alles „Gedenksteine“ des menschlichen Schaffens: im Laufe der Jahrhunderte hinterlassen Zivilisationen und ihre Religionen Spuren. Religionen haben im Menschen die Auffassung des Individuellen geprägt und ihn über das Stammesritual hervorgehoben, um universelle Brüderlichkeiten einzuführen.
Was ist aus der Botschaft von Liebe und Frieden geworden? Haben die Religionen versagt? Muss der Mensch andere Wege gehen?
Die zwei Fotos der Moschee von Agadez in Niger und des ausgegrabenen Kreuzes von Lalibela in Äthiopien erinnern uns an die Gedanken von André Malraux: „das 21. Jahrhundert wird entweder religiös oder gar nicht sein“.
Aber unter welchen Bedingungen? Werden die Religionen ihre Konflikte auf friedliche Weise lösen können? Werden sie den Menschen helfen, mit einer Weltbevölkerung von heute 6 Milliarden und von 10 Milliarden in 10 Jahren fertig zu werden?
- Terra Incognita
Kann die Erde überhaupt noch eine Menschheit beherbergen, die sich „nicht kennt“? Edgar Morin stellt in „Das Rätsel des Humanen. Grundfragen einer neuen Anthropologie“ die Frage, ob ein von seiner animalischen Seite getrennter Mensch die Welt überhaupt noch verstehen kann. Seine Antwort: „Wissenschaften vom Menschen: Null“.
Die Überflüge in diesem Kapitel stellen die Zerbrechlichkeit der Erde und des Menschen dar, wie die Rose von St. Exupéry oder die Schamanen des Geronimo.
Die Zukunft liegt im Lösungsvorschlag des Kindes: in der Versöhnung des Menschen mit der Natur, der Versöhnung des Menschen mit sich selbst, dem Akzeptieren seiner menschlichen Natur. Und so begrüßt die vierhundert Jahre alte Eiche von Vézelay erneut die ersten Sonnenstrahlen!






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