Kritik: Die blaue Grenze ist ein eigenwilliger Film. Sein Tempo hat er ganz auf seine Hauptfigur Momme abgestimmt. Keine Sorge, man gewöhnt sich daran. Mit malerischen, sorgfältig kadrierten Landschaftsaufnahmen und vielem anderen wird man für die mitgebrachte Geduld belohnt. Die blaue Grenze ist der Debütfilm von Till Franzen, der seine Vorliebe für Regisseure wie David Lynch nicht versteckt – die geheimnisvolle Atmosphäre, die er kreiert, teilt er mit ihnen. So lernen sich Momme und Lene etwa auf einer merkwürdigen Gartenlaubenparty kennen. Somnambul agieren die Figuren dort, und ihr unausgesprochenes Geheimnis lässt an Twin Peaks denken.Bisweilen kommt der von Till Franzen verwendete Symbolismus (die Raben etwa) allerdings etwas zu protzig und gewollt daher; der junge Regisseur wirkt dann fast übereifrig. Eine unbestrittene Leistung ist es hingegen, dass er Hanna Schygulla – die Muse vieler Fassbinderwerke – für sein Debüt gewinnen konnte: Immerhin war sie seit über 20 Jahren nicht mehr in einem deutschen Film zu sehen. Sie spielt – sehr elegant und galant - die Nachbarin des nach Flensburg versetzten Polizeikommissars Poulsen (Dominique Horwitz). Seine etwas übertriebene „Kontaktfreudigkeit“ kommt bei seinen Mitmenschen nicht besonders gut an, aber bei ihr, der geheimnisvollen Frau Marx scheint er eine zunächst nicht nachvollziehbare, tiefere Faszination auszulösen. Die Momente zwischen diesen beiden seltsamen Charakteren gehören mit zu den schönsten des Films.
Trotz seines manchmal überbordenden Kunstanspruchs ist Till Franzen ein anspruchsvoller, leiser und poetischer Film gelungen, der sich sehen lassen kann. Der Untertitel seine melancholischen Werks lautet schlicht und weise:„Das Leben wiederholt sich. Wiederholt sich. Wiederholt sich.“ Die blaue Grenze bezeichnet nicht nur die deutsch-dänische Grenzregion, in der der Regisseur selbst aufgewachsen ist. Sie ist auch Ausdruck der Grenze zwischen Leben und Tod, die dieser ungewöhnliche Film mit lakonischem Humor und reservierter Zurückhaltung erzählt.Nana A.T. Rebhan
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Die blaue Grenze
Deutschland 2005, 106 Minuten
Regie: Till Franzen
Mit: Antoine Monot Jr., Joost Siedhoff, Dominique Horwitz, Beate Bille, Hanna Schygulla.






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