Bei ihrem Krisentreffen am 14. Juni in Brüssel konnten sich die Euro-Finanzminister nicht darauf einigen, wie dem Pleitekandidat geholfen werden soll. Das nächste Treffen der Euro-Finanzchefs ist für den 20. Juni angesetzt. Doch die Zeit drängt. Denn das erste Hilfspaket von 110 Milliarden Euros reicht nicht aus, um die Schulden Athens zu tilgen. Der Pleitekandidat braucht bis Ende Juli bis zu 120 Milliarden Euro. Wenn es bis dahin kein Geld kommt, ist es pleite. Die Griechen benötigen daher eine neue Finanzspritze von 60 bis 90 Milliarden Euro.Viele befürchten einen Domino-Effekt, mit anderen Worten dass eine Staatspleite Griechenlands andere mit in den Abgrund reißen könnte: Wackelkandidaten wie Portugal und Spanien, aber auch Banken und Versicherungen, die griechische Anleihepapier besitzen.
Erwogen wird unter anderem eine Umstrukturierung der griechischen Schulen. Deutschland will dabei auch private Gläubiger mit ins Boot holen. Einziges Problem: Eine Beteiligung des privaten Sektors, die nicht komplett freiwillig ist, würde auf den Finanzmärkten als Staatsbankrott interpretiert werden. Denn Griechenland würde damit seine Schulden nicht zurückzahlen.
Für Bundesfinanzminister Schäuble wäre die beste Lösung eine " sanfte Umschuldung". Berlin verlangt eine Laufzeitverlängerung griechischer Anleihen um sieben Jahre. Mit anderen Worten: Die alten Staatsanleihen würden gegen neue mit längerer Laufzeit umgetauscht werden. Die Europäische Zentralbankist jedoch strikt dagegen. Kein Wunder, denn die EZB sitzt inzwischen auf griechischen Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Sie setzt sich daher dafür ein, dass der Umtausch auf freiwilliger Basis stattfindet.
Im Gegenzug zu den Hilfspaketen müssen die Hellenen den Gürtel enger schnallen. Athen hat bereits letztes Jahr ein erstes Sparpaket in Höhe von 4,8 Milliarden Euro verabschiedet. Nun soll ein zweites folgen.
Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Auf dem Gipfel der 27 EU-Staats- und Regierungschefs am 24. Juni soll das neue Hilfspaket für Athen endgültig beschlossen werden.
Die Akteure der griechischen Tragödie sind:
- Die griechische Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou, die gerade weitere Sparmaßnahmen und Privatisierung angekündigt hat, um weitere Hilfsgelder zu erhalten.
- Die Europäische Union, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds - auch Troïka genannt. Sie haben 2010 ein erstes Hilfspaket von 110 Milliarden geschnürt. Nun könnte eine weitere Finanzspritze von bis zu 90 Milliarden Euro folgen.
- Die privaten Gläubiger, das heißt private Banken. Sie haben Athen Geld geliehen. Sollte es zu einer Umschuldung kommen, würden sie auf einen Teil ihrer Anforderungen verzichten müssen. Die Hauptgläubiger Griechenlands sind die deutschen und französischen Banken, allen voran die Deutsche Bank sowie die drei Großbanken BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale.
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