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Mittwoch, 9. März 2005 um 20.45 Uhr - 11/03/05

Die hungernde Stadt

Leningrad im Zweiten Weltkrieg


Wie kein anderes Ereignis ist die Blockade Leningrads zum Sinnbild des Leidens der russischen Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg geworden. Fast 900 Tage lang, vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, ist Leningrad von deutschen Truppen eingekreist und von der Außenwelt abgeschnitten. Noch heute ist unvorstellbar, was sich während dieser Zeit in der Stadt abgespielt hat.

125 Gramm Brot pro Tag - das ist alles, was die Leningrader im ersten Kriegswinter erhalten. Nur notdürftig kann die Stadt über den zugefrorenen Ladogasee im Osten der Stadt versorgt werden. In der Not machen die Leningrader alles, was irgendwie essbar erscheint, zu Nahrungsmitteln: selbstgemachte Sülze aus Lederriemen, Kleister, und immer wieder Erde. In tiefster Verzweiflung treten auch Fälle von Kannibalismus auf. Eine Million Menschen sterben allein im ersten Blockadewinter an Kälte und Hunger - täglich sind dies fast 10.000 Menschen. Doch Leningrad überlebt. Am 27. Januar 1944 bejubeln etwa 800.000 zu Skeletten abgemagerte Menschen das Ende der Blockade.

Mit grosser Sensibilität dokumentiert Christian Klemkes und Jan N. Lorenzens Film die Geschichte der Blockade Leningrads, deren Grausamkeit das menschliche Vorstellungsvermögen fast übersteigt. Stellvertretend für die unzähligen Leidtragenden in Leningrad berichten Zeitzeugen von ihrem Schicksal in der eingeschlossenen Stadt und davon, wie sie die Hölle von Leningrad überleben konnten. Ihre Erinnerungen halten das Gedenken an jene wach, die der Blockade zum Opfer fielen.


Christian Klemke, 1949 in Berlin geboren, war als freischaffender Regisseur und Autor an bisher mehr als 50 TV-Features und -Serien beteiligt. Für den Dokumentarfilm ROTER STERN ÜBER DEUTSCHLAND erhielt er gemeinsam mit Jan N. Lorenzen 2002 den Grimme-Preis.

Jan N. Lorenzen, 1969 in Hamburg geboren, arbeitet als freier Autor und Regisseur. 1996 entstand der Film AM RANDE DES KRIEGES. DER UNGARISCHE AUFSTAND 1956. Der Film ROTER STERN ÜBER DEUTSCHLAND ist nach STALIN GEGEN HITLER. DUELL DER DIKTATOREN (1997) und DIE SEKRETÄRE. WALTER ULBRICHT UND ERICH HONECKER (1999) bereits das dritte gemeinsame Projekt mit Christian Klemke. Jan N. Lorenzen veröffentlichte 2001 das Buch ERICH HONECKER. Eine Biographie (Rowohlt Verlag).


Dokumentation von Christian Klemke und Jan N. Lorenzen
ARTE/MDR, Deutschland, 2003, 58 Min.
Wiederholung am 11. März um 16.45 Uhr

Erstellt: 25-02-05
Letzte Änderung: 11-03-05