Begegnung mit den Ikonen der alten und neuen Avantgarde der japanischen Zeichenkunst : Tadanori Yokoo, dem Guru der grafischen Pop-Art der 1960er-Jahre, auch "japanischer Andy Warhol" genannt; Suehiro Maruo, dem Autor von sex- und gewalthaltigen Underground-Comics, und Yoshitaka Amano, einer eher romantischen Gestalt, der unter anderem die Animation des Kultvideospiels "Final Fantasy" zu verdanken ist.
Er ist der große Drahtzieher bei „Final Fantasy“ - Yoshitaka Amano beförderte die japanische Kunstszene ins digitale Zeitalter.
Seine Karriere begann in den 70er Jahren beim fernsehen, wo er für Serien wie „Die Biene Maya“ arbeitete. Heute verkaufen sich Yoshitakas Bildbände in Japan Millionenfach. Seine Zeichnungen und Aquarelle hängen in den Galerien und Museen der ganzen Welt.
Yoshitaka Amano ist von der mittelalterlichen Ritterwelt fasziniert. Er entwarf etliche Figuren und Kulissen für Animationsfilme wie „Angel’s Egg“ und „Vampire Hunter D“ oder Serien wie „The Sandman“.
"Mich haben die Kelten schon immer fasziniert. Mir gefällt ihre Mythologie. Es mag sein, dass ich ganz unbewusst, die Keltische Symbolik mit der japanischen Bildersprache vermischt habe. Ich weiß es nicht so genau. Auf jeden Fall haben diese beiden Welten eines gemeinsam: Die Schwertkämpfe."
YOSHITAKA AMANO
Yokoo Tadanori wurde 1936 geboren und findet die Inspiration direkt vor der Haustür, in seiner Wahlheimat Tokyo. Er gilt als Pionier der Avantgarde im Grafikdesign. In den 60er Jahren erfindet er seine ganz eigene Pop Art, nach traditionellen japanischen Druckverfahren. Seitdem nennt man ihn den Andy Warhol Nippons.
"Ich fand es damals interessant, die traditionellen japanischen Motive mit der modernen Pop-Art zusammenzubringen. Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts, während der so genannten Meiji Ära, hatte Japan schon einmal mit kulturellen und künstlerischen Einflüssen aus dem Westen geliebäugelt. Ich habe also nur diese Tradition fortgeführt, als ich die Pop Art in meine Werke einfließen lies."
YOKOO TADANORI
Während der sechziger Jahre dreht Yokoo Tadanori Werbe- und Animationsfilme. Seine Version vom „Yellow Submarine“ der Beatles ist eine engagierte Kritik am Vietnamkrieg und richtet sich gegen den amerikanischen Imperialismus und gegen den Militarismus der Japaner.
Bei Yokoo ist der Skandal vorprogrammiert. Zum Beispiel, wenn er neue Motive in die Fujiyama-Kulisse des ehrenwerten Malers Hokusai einfügt.
"Ich habe die Schauspielerin Miyoku in dieses Bild integriert. Sie ist nackt und hat ein starkes erotisches Charisma, aber sie wirkt auch unheimlich. Genau diese beiden Aspekte wollte ich miteinander konfrontieren: Einerseits, hat der Vulkan eine erotische Ausstrahlung, andererseits, birgt diese Frau etwas Diabolisches. Ihre Finger erinnern an die einer Hexe. Ihre Fingernägel sind wie die Krallen einer Katze."
YOKOO TADANORI
Auch bei seiner Ausstellung in der Fondation Cartier in Paris, konfrontierte Yokoo Sex und Religion, auf seine typisch morbide und ungezähmte Art und Weise.
"Mein Interesse für erotische Motive und die Faszination für den Tod sind eng miteinander verbunden. Der Tod ist in meinem Werk sehr präsent. Wissen Sie, der Tod birgt auch eine gewisse Erotik – und umgekehrt. Für mich sind das die beiden Gesichter von ein und derselben Realität. Das ist keine abstrakte Interpretation. Das habe ich schon immer so verspürt. Diese Vision der Dinge war es, die mich überhaupt zur Kunst gebracht hat."
YOKOO TADANORI
Im Animationsfilm „Midori, das Kamelienmädchen“ wird ein Waisenkind, das bei einem Wanderzirkus arbeitet, von der Belegschaft gedemütigt - bis ein kleinwüchsiger Hypnotiseur sie endlich erlöst. Der Manga von Suehiro Maruo wurde 1992 verfilmt, gleich nach der Premiere aber, von den japanischen Behörden konfisziert und verboten.
Obwohl Maruo in Japan vergöttert wird, lebt er zurückgezogen in seinen vier Wänden. Er zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit und gibt kaum Interviews. Sogar seine beiden Verleger haben sich an uns rangehängt um den Meister endlich mal leibhaftig zu sehen. Suehiro Maruo ist Autodidakt. Seine Spezialität sind die Eroguro-Mangas, ein extrem erotisches und groteskes Genre.
"Max Ernst hat meine Arbeit sehr stark geprägt. Die Surrealisten haben mich inspiriert. Aber natürlich haben mich auch traditionelle japanische Motive, wie die von Yoshitoshi, beeinflusst."
SUEHIRO MARUO
In Maruos Bildern tummeln sich allerhand absonderliche Kreaturen sowie diverse Motive aus traditionellen japanischen Kunstdrucken. Manchmal erinnern seine Zeichnungen an die alten Filme deutscher Expressionisten.
"Ja, das Kino aus dieser Zeit spielt eine große Rolle in meinem Werk – Auch Filme von Henri-Georges Clouzot oder „Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff“ von Georges Franju. Ich mache keinen Unterschied zwischen Kino und Manga. Meine Comics lesen sich wie ein Film."
SUEHIRO MARUO
Knapp zwanzig Comicbände gehen bisher auf das Konto des Meisters. Nach und nach werden sie auch in Europa veröffentlicht.
.............................................
Links
Tor zu Yoshitaka Amanos Welt
Der "japanische Andy Warhol": Tanadori Yokoo
Die offizielle Seite von Suehiro Maruo
Suehiro Maruo auf der Internetseite des Reprodukt Verlages
BücherMidori - Das Kamelienmädchen von Suehiro Maruo
Warau Kyuketsuki - Der lachende Vampir von Suehiro Maruo
> bei Reprodukt Verlag
Vampire Hunter D 02, Text von Hideyuki Kikuchi, Zeichnungen von Yoshitaka Amano
> bei Publishers Group West







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

