Unbekümmert schwammen sie im Meer herum, bis der Mensch sie herausfischte, und sie in Salzfässer packte. Später presste man sie zur Ölgewinnung bis auf die letzte Gräte aus. Den Tran benutzte man als Lampenöl. Aber das war noch lange nicht alles. Im neunzehnten Jahrhundert steckte man sie dann in Metalldosen. Es war Nicolas Appert, ein Koch und Zuckerbäcker, der die Konservierung von Lebensmitteln in Dosen erfand. Das war im Jahr 1810. Die Bretagne hat das Welt-Monopol für Ölsardinen bis ins Jahr 1880 inne. Dann bekommt die Sardinendose Konkurrenz aus Spanien und Portugal. Aber ob es Bretonen, Spanier, Portugiesen oder Engländer sind, alle stehen vor den gleichen Problemen: Welche Dosenform eignet sich am besten? Wie kann man sie verschließen? Und wie möglichst mühelos öffnen? Nachdem man also versucht hatte, sie mit dem Bajonett zu öffnen, und mit dem berühmten Dosenschlüssel, kommt endlich der Dosenöffner. Auf einmal ist es ein Kinderspiel! Aber seit einiger Zeit gibt sich die Sardinendose eher seriös. Es gibt sogar Jahrgangs-Sardinen, die bis zu zehn Jahre alt sind. Sie zerschmelzen auf der Zunge, sind richtig cremig. Und so findet man sie wieder auf den Tischen der feinsten Restaurants. Um die kleine Geschichte abzuschließen: Beim Einlegen der Sardinen gibt es zwei verschiedene Schulen: Die einen plädieren dafür sie mit der Hautseite nach oben in die Dose zu schlichten, die anderen ziehen das Fleisch nach oben vor. Gegen das Einlegen in bestes Olivenöl hat aber wohl niemand einen Einwand.Anne-Sophie Levy Chambon
Buch-Tipp (leider keine Deutsche Übersetzungen vorhanden):
Sardines à la clé Nicolas de La Casinière
éditions Apogée, 2002
ISBN-10: 2843981271
ISBN-13: 978-2843981272
La SardinePhilippe Anginot
Libris, 2002
ISBN-10: 2907781464
ISBN-13: 978-2907781466







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