Der ROSENKAVALIER-Film ist eines der frühen Beispiele multimedialer Verwertung einer populären Oper und schien ein Garant für einen großen Erfolg, den sich die österreichische Filmproduktions-gesellschaft Pan-Film mit diesem Film erhofft. Hugo von Hofmannsthal hatte ursprünglich die Filmidee; sein Entwurf wurde aber nicht realisiert. Das schließlich verfilmte Drehbuch stammt von Ludwig Nerz, einem Mitarbeiter der Pan-Film, und Robert Wiene. Die Umarbeitung der Oper in eine Instrumentalfassung nehmen die langjährigen Strauss-Mitarbeiter Otto Singer und Carl Alwin vor. Bei der Umarbeitung werden die Gesangsstimmen gestrichen und durch Zusätze bei einzelnen Instrumenten ergänzt. Die Oper wird in ihrer Länge gekürzt, stellenweise im Ablauf umgestellt und mit neuen filmischen Handlungselementen besetzt. Drei ältere Strauss-Stücke und ein neukomponierter Marsch kommen hinzu.
Bei der Entwicklung des Drehbuchs orientieren sich die Autoren an der Handlung der Oper. Analog zu den drei Akten der Oper gliedert sich die filmische Erzählung in drei große Einheiten. Zwischen diese sind zwei Kriegsszenen gesetzt, die die Welt des in der Oper abwesenden Marschalls vor Augen führen. Er tritt als handelnde Person vor allem am Schluß in Aktion und befördert mit seinem Auftritt die Auflösung der amourösen Verwicklungen. Weiter in den Vordergrund rückt auch die Figur des ‚Baron Ochs auf Lerchenau’; er ist die Schlüsselfigur für den Versuch, einen auf Breitenwirkung hin angelegten ROSENKAVALIER-Film zu machen. Besetzt mit dem international renommierten Bassbariton Michael Bohnen, zieht sich Ochs als unverwüstlich komische Gestalt durch den ganzen Film, roh, albern und geizig, aber doch ein Aristokrat. Den Rosenkavaliers selbst spielt ein Mann, der französische Schauspieler Jaque Catelain; trotz seiner effeminiert wirkenden Art hat er nichts mehr von der zauberhaften Erscheinung eines Mozart’schen Cherubinos, der für die berühmte Hosenrolle Oper Pate stand. Die Filmautoren hatten anderes im Sinn, sie setzen mit ihrem Film eher auf die Parodie der höfischen Verhältnisse und konstruieren mit den Figuren, die nicht zu den Protagonisten der Oper gehören, eine burleske Handlung, bis hin zu einem fulminanten Finale – kein melancholisches Ende wie in der Oper, sondern Resultat einer geschickten Intrige.
Die Volks-FilmoperWienes Film mag als Film konventionell wirken, doch ist das Film-Bild nur ein Teil des Konzepts. Der andere ist die Musik, die im Zusammenwirken mit den Bildern ein großes erzählerisches Potential entfaltet. Wohl zum ersten Mal in der Musik-Geschichte wurde eine Oper zu einer eigenständigen Instrumentalfassung umgearbeitet, um sie mit Film aufzuführen. Dabei ist die Musik (und nicht das Libretto) ist das Primäre; der Film ‚bedient’ mit seinen teilweise neu erfundenen Episoden die Musik, bei der vor allem die populären Stellen der Oper zu einer neuen Fassung umgearbeitet wurden, bisweilen auch unter Umstellung der ursprünglichen Reihenfolge.
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Im Umgang mit seinem Lieblingswerk zeigt sich Richard Strauss nicht sehr puristisch: „Mei Musik paßt zu allem!“ wird er im Filmkurier vom 29.9.1925 zitiert. Hierin kommt die Perspektive des Musikers zum Tragen, der aus musikalischen Gründen der Umarbeitung seiner Oper zustimmen kann: die Substanz des Werks bleibt erhalten, solange der Film mit der Originalmusik aufgeführt wird, und lt zeitgenössischen Publikationen war die Aufführung der Strauss-Musik Auflage für alle Kinovorführungen. Rein satztechnisch ist es beim ROSENKAVALIER möglich, die Stimmen zu streichen, ohne daß das Kompositionsgefüge der Musik zerstört wird. An einigen Stellen müssen Teile der gestrichenen Vokalpartien auf die Instrumente übertragen werden. Zwangsläufig ergeben sich neue Bedeutungen, wenn auf die Musik andere Handlungselemente trifft, die der Film wiederum verlangt, um als Komödie zu funktionieren. Strauss war all dem gegenüber aufgeschlossen, sonst hätte er kaum die Erlaubnis zu Änderungen und inhaltlichen Neubesetzungen gegeben, bevor die Umarbeitung erfolgte. Hinter dem historisierenden Gewand des Films steckt in musikalischer Hinsicht ein innovatives Konzept, nämlich die ungeahnten filmmusikalischen Qualitäten der Strauss-Musik in einer Instrumentalversion frei zu legen.
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Dem ROSENKAVALIER-Film blieb der große Erfolg versagt, er ist in der Praxis an dem gescheitert, was seine besondere Qualität ausmacht: die Instrumentalmusik von Richard Strauss. Sie war lt. Filmkurier Bedingung, den Film aufführen zu können. Doch viele Kino-Orchester hatten nicht die Zeit für die dafür notwendigen Proben. Für die großen Opernhäuser mit Strauss-erfahrenen Sinfonie-orchestern war die Musik wiederum als Filmmusik keine Attraktion, trotz seiner Theateroptik und vielfältigen Referenzen zur Aufführungsgeschichte der Oper, wofür die Einbeziehung von Richard Strauss als Dirigent der nationalen Filmpremieren steht. Dass der Film wieder schnell aus den Kinos verschwand, hat u.a. mit dem Konkurs der Produktionsgesellschaft Pan-Film zu tun, die den Film nach der Einführung des Tonfilms nicht mehr einsetzen konnte, wie auch mit dem Plan, 1929 in USA eine Tonfilmversion herauszubringen, die verlangte, dass alle Stummfilmkopien aus dem Verleih genommen wurden.