"Nie wurde darüber geredet. Doch in unserem Unterleben, dem Leben unter unserem Alltagsleben, will ich mal sagen, wurden wir verfolgt. So empfanden wir es zumindest. Ich wurde verfolgt, weil mein Vater VERFOLGT worden war."
Die Perspektive der Tochter
Auszug aus "Das Gewissen", Kapitel 43, von Jessica Durlacher, 1999
Die niederländische Schriftstellerin Jessica Durlacher läßt in ihrem Romandebüt "Das Gewissen" die Icherzählerin Edna Mauskopf über den Vater reflektieren. Es ist ein autobiographisches Werk, denn ihr Vater war Gerhard Durlacher, Soziologe und Auschwitzüberlebender. In ihrem Roman schildert Jessica Durlachers ihre eigenen Erfahrungen und die Gefühle, die sich für sie mit dem Thema verbinden.
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Die Mutter der Schriftstellerin, Anneke Durlacher, beschreibt hier, welche Auswirkungen das Schicksal des Ehemannes auf den Familienalltag hatte und wie es ihr Leben prägte:
Die Perspektive der Mutter und Ehefrau
Ein rückblickender Bericht von Anneke Durlacher
„Wir waren sehr glücklich[...]. den Krieg hatten wir aus unserem Leben verdrängt. Erst sehr spät sagte mein Mann den Kindern auf die Frage, wo bloß die Großeltern - also seine Eltern - wären, sehr kurz und beiläufig, was mit ihnen geschehen war. Die Kinder verstanden gar nichts, trauten sich aber auch nicht, nachzuhaken, da sie merkten, dass er böse und abweisend wurde. Mir sagte Gerhard, dass er nicht mit schmutzigen Dingen wie Krieg und Lager in ihre Welt eindringen wolle. Und er bat auch mich, nicht mit ihnen darüber zu reden. Erst später begriff ich, dass Gerhard sein Leben in den Konzentrationslagern als furchtbare Erniedrigung empfunden hatte. Wenn er daran dachte, sah er sich selbst wieder als "mit Läusen übersätes Gerippe, menschlichen Abschaum". Seine Auschwitz-Nummer hatte er sich vom Arm entfernen lassen, für ihn war sie ein verabscheuenswürdiges Brandmal. Darum verdrängte er mit aller Macht seine düsteren Erinnerungen und wollte und konnte nicht seinen Kindern davon erzählen. Später, als die Kinder größer waren, hatte er die Vergangenheit so sehr verdrängt, dass er seine Erinnerungen nicht mehr wachrufen konnte“.






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